Was ist Paarberatung?
Paarberatung ist eine Beratung, in der ein Paar Konflikte und offene Fragen seiner Beziehung mit fachlicher Begleitung bespricht. Die Gewerbeordnung zählt die Beratung bei Ehe- und Familienproblemen zur Lebens- und Sozialberatung. Der Tätigkeitskatalog der Wirtschaftskammer zählt dazu Beratung und Coaching zur Verbesserung der Beziehungsfähigkeit.
Häufige Themen in den geförderten Beratungsstellen sind Paarkonflikte, Kommunikation, Rollenverteilung und Sexualität. Auch Übergänge können Anlass sein, etwa wenn aus einem Paar Eltern werden. Als häufigstes Problem in dieser Zeit nennt eine Beraterin auf dem Familienberatungsportal des Bundes die fehlende Zeit als Paar.
Wie läuft eine Paarberatung ab?
Grundlage ist das Gespräch, das eine Fachperson begleitet. Die geförderten Stellen verstehen ihre Beratung als Hilfe zur Selbsthilfe und leisten auch Information und vorbeugende Aufklärung. Oft gehe es um Kommunikationsschwierigkeiten, sagt eine Psychologin auf dem Familienberatungsportal, ein Profi könne dann „so etwas wie Übersetzungsarbeit leisten“.
Ein Termin wird meist vorab telefonisch vereinbart. In akuten Krisen ist es in den Beratungsstellen auch möglich, während der Öffnungszeiten ohne Anmeldung zu kommen, dann kann es aber Wartezeiten geben.
Ist Eheberatung dasselbe wie Paarberatung?
Heute meinen beide Begriffe im Wesentlichen dasselbe, auch wenn Eheberatung ursprünglich etwas anderes bezeichnete. Die erste öffentliche Eheberatungsstelle Europas richtete der Wiener Gesundheitsstadtrat Julius Tandler 1922 im Rathaus ein. Sie hieß „Gesundheitliche Beratungsstelle für Ehewerber“ und sollte im Sinne der damaligen eugenischen Vorstellungen künftige Eheleute auf ihre Verantwortung für die Gesundheit der Nachkommen hinweisen. Nach dem „Anschluss“ 1938 wurde sie aufgelöst.
Ab 1956 entstanden in Wien neue Eheberatungsstellen, 1979 übernahm sie das Jugendamt der Stadt. Diese Ehe- und Familienberatungsstellen boten kostenlose und vertrauliche Beratung bei Partnerschafts-, Ehe- und Familienproblemen. Eine Übersicht zur Geschichte der Paartherapie in der Fachzeitschrift „Family Process“ sieht in der Eheberatung ab 1930 einen ihrer beiden Ausgangspunkte, neben der psychoanalytischen Arbeit mit Paaren.
Die Spuren des alten Namens sind geblieben. Die Gewerbeordnung spricht bis heute von Ehe- und Familienproblemen, und das Familienberatungsförderungsgesetz von 1974 nennt eine „Lehranstalt für Ehe- und Familienberater“. Zugleich nennt dasselbe Gesetz Partnerschaftsbeziehungen allgemein als Beratungsthema, und die geförderten Stellen heißen heute Familien- und Partnerberatungsstellen.
Wer bietet Paarberatung in Österreich an?
Eine erste Anlaufstelle sind die geförderten Familienberatungsstellen. Laut Familienberatungsförderungsgesetz muss dort kostenlos und unter Wahrung der Anonymität beraten werden, die Mitarbeitenden sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. In den Teams arbeiten unter anderem Ehe- und Familienberater:innen, Sozialarbeiter:innen, Psycholog:innen, Pädagog:innen, Jurist:innen und Ärzt:innen. Freiwillige Kostenbeiträge sind möglich.
Gewerblich bieten Lebens- und Sozialberater:innen Paarberatung an. Auch sie sind zur Verschwiegenheit verpflichtet, Einzelheiten zu Ausbildung und Pflichten stehen im Glossarbegriff „Psychosoziale Beratung“. Die Sozialversicherung übernimmt keine Kosten für reine Beratung.
Wann ist Paartherapie die passendere Wahl?
Paartherapie ist eine Form der Psychotherapie und kommt vor allem bei psychischen Belastungen und Erkrankungen in Frage. Für eine Kostenübernahme durch die Sozialversicherung braucht es in der Regel eine krankheitswertige psychische Störung und eine ärztliche Bestätigung. Das Gesundheitsportal nennt Paarberatung und Paartherapie etwa bei stark ausgeprägter Eifersucht nebeneinander als mögliche Hilfe. Mehr dazu erklärt der Glossarbegriff „Paartherapie“.
Kommt es in der Beziehung zu Gewalt, hilft bei akuter Gefahr die Polizei unter 133. Die Frauenhelpline gegen Gewalt (0800 222 555) und die Männerberatung (0800 400 777) sind rund um die Uhr erreichbar. Beratung bei Gewalt in der Familie ist zudem ein Schwerpunkt der geförderten Familienberatungsstellen.