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Sexualität

06:00

Auf den Punkt gebracht

Sexualität ist weit mehr als Geschlechtsverkehr. Dazu gehören Lust und Fortpflanzung ebenso wie Nähe, Beziehung, Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung. Belasten sexuelle Probleme, helfen Ärzt:innen, Beratungsstellen und Therapeut:innen weiter.

Was ist Sexualität?

Sexualität ist nach der Arbeitsdefinition der Weltgesundheitsorganisation WHO ein zentraler Teil des Menschseins, der das ganze Leben begleitet. Sie umfasst das biologische Geschlecht, Geschlechtsidentitäten und -rollen, die sexuelle Orientierung, Erotik, Lust, Intimität und Fortpflanzung. Erlebt und ausgedrückt wird sie in Gedanken, Fantasien, Wünschen, Werten, Verhalten und Beziehungen, wobei nicht alle diese Seiten immer gelebt werden.

Geprägt wird Sexualität unter anderem von biologischen, psychischen, sozialen, kulturellen und religiösen Einflüssen. Neben den Geschlechtsorganen spielen die Sinnesorgane und das Gehirn als Steuerzentrale eine wesentliche Rolle. Kommunikation und Beziehung, etwa Nähe, Sicherheit und Geborgenheit, gehören laut Gesundheitsportal ebenso dazu wie Lust und die Möglichkeit der Fortpflanzung.

Woher kommt das Wort?

Das Wort „Sexualität“ ist im Deutschen seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts belegt. Es wurde zum Adjektiv „sexual“ gebildet, das auf das spätlateinische „sexualis“ zurückgeht, „zum Geschlecht gehörig“. Die Wurzel ist das lateinische „sexus“ für das männliche und weibliche Geschlecht.

Was bedeutet sexuelle Gesundheit?

Sexuelle Gesundheit ist nach der WHO ein Zustand körperlichen, emotionalen, geistigen und sozialen Wohlbefindens in Bezug auf Sexualität. Sie ist mehr als das Fehlen von Krankheit oder Funktionsstörung. Sie setzt einen positiven und respektvollen Umgang mit Sexualität voraus, ebenso die Möglichkeit lustvoller und sicherer Erfahrungen ohne Zwang, Diskriminierung und Gewalt. Dafür müssen die sexuellen Rechte aller Menschen geachtet und geschützt werden.

Zur sexuellen Gesundheit gehört auch die sexuelle Identität mit der sexuellen Orientierung. Fachleute sind sich heute einig, dass verschiedene sexuelle Orientierungen natürlich sind. Erfahrungen von Diskriminierung und Ausgrenzung können dagegen die Gesundheit schwer belasten, etwa durch Angststörungen, Depressionen oder Abhängigkeiten. Zum Themenfeld zählt die WHO außerdem sexuell übertragbare Infektionen, ungewollte Schwangerschaften, sexuelle Funktionsstörungen und sexuelle Gewalt.

Wann wird Sexualität zur Belastung?

Sexualität kann zum Wohlbefinden beitragen, aber auch mit Unsicherheiten, unrealistischen Erwartungen, Leistungsdenken und Tabus verbunden sein und dann stark belasten. Dass nicht immer alles nach Plan läuft, gehört zum Sexualleben dazu, und phasenweise keine Lust zu haben, ist völlig normal. Sexuelle Funktionsstörungen betreffen Frauen wie Männer, zum Beispiel als Lustlosigkeit, Erektionsstörungen, vorzeitiger Samenerguss oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

Die Ursachen können körperlich sein, etwa Herz-Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen. Ebenso wirken psychische Erkrankungen, Stress, Konflikte in der Partnerschaft oder traumatische Erfahrungen mit, manchmal auch mehrere Ursachen zugleich. Auch bestimmte Medikamente wie Antidepressiva, blutdrucksenkende Mittel oder hormonelle Verhütungsmittel sowie der Missbrauch von Alkohol und Drogen können die Lust mindern.

Wann sind Beratung oder Therapie sinnvoll?

Ärztlicher Rat ist sinnvoll, wenn Beschwerden anhalten, wiederkehren oder sich verschlimmern, wenn ein hoher Leidensdruck besteht oder schon eine Erkrankung wie Diabetes vorliegt. Erste Anlaufstelle ist meist die Allgemeinmedizin, für die körperliche Abklärung sind unter anderem Gynäkolog:innen und Urolog:innen zuständig. Auch Sexualmediziner:innen, Klinische Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen können einbezogen werden. Bei akuten oder starken Schmerzen oder Warnzeichen wie Blut im Urin sollte sofort ärztliche Hilfe geholt oder die Rettung unter 144 gerufen werden.

Behandelt werden sexuelle Funktionsstörungen psychotherapeutisch, organmedizinisch oder kombiniert. Eine verminderte Lust wird vor allem sexualtherapeutisch behandelt. Weil unterschiedlich starke Lust oder Konflikte in der Partnerschaft meist zu Problemen zwischen beiden führen, ist ein paartherapeutisches Vorgehen besonders sinnvoll. Sind sexuelle Probleme Ausdruck grundsätzlicher Beziehungsprobleme, kann eine Paartherapie helfen.

Wer berät in Österreich?

Beratung bei sexuellen Problemen gehört laut Gewerbeordnung zur Lebens- und Sozialberatung, Psychotherapie ist davon ausgenommen. Was eine Sexualberatung leistet, beschreibt der Begriff „Sexualberatung“. Kostenlos beraten die vom Bund geförderten Familienberatungsstellen, unter anderem zu Sexualität und Partnerschaft, sexueller Orientierung und Identitätsfindung.

Wer sexuelle Gewalt erlebt, erreicht bei akuter Gefahr die Polizei unter 133. Die Frauenhelpline gegen Gewalt berät rund um die Uhr unter 0800 222 555, die Männerberatung rund um die Uhr unter 0800 400 777 und der Opfernotruf unter 0800 112 112.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (9)