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Schizophrenie

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Auf den Punkt gebracht

Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung, bei der es in Phasen zu akuten Psychosen kommt. Betroffene nehmen dann sich selbst und ihre Umwelt anders wahr als sonst, sie hören zum Beispiel Stimmen oder fühlen sich verfolgt. Medikamente, Psychotherapie und psychosoziale Unterstützung können die Beschwerden lindern und Rückfällen vorbeugen.

Was ist Schizophrenie?

Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung, die meist in Phasen verläuft. In einer akuten Psychose erleben Betroffene die Welt oft ganz anders als gewohnt, manche verlieren den Bezug zur Realität fast völlig. Einige erleben nur einmal oder wenige Male eine solche Phase, andere haben dauerhafte Beschwerden.

Wörtlich bedeutet Schizophrenie „gespaltener Geist“. Daraus entstand das Missverständnis, Betroffene hätten eine „gespaltene Persönlichkeit“. Das ist falsch und fördert Vorurteile. Wahrnehmung und Verhalten verändern sich zwar phasenweise stark, eine andere Persönlichkeit entsteht dabei aber nicht.

Laut WHO lebt weltweit etwa einer von 300 Menschen mit Schizophrenie. Die erste akute Phase tritt meist zwischen 15 und 35 Jahren auf, bei Männern im Durchschnitt einige Jahre früher als bei Frauen.

Woher kommt der Begriff?

Den Begriff Schizophrenie führte der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler im Jahr 1908 ein. Beschrieben hatte das Krankheitsbild zuvor bereits der deutsche Psychiater Emil Kraepelin, der es „Dementia praecox“ nannte. Bleuler wollte mit dem neuen Namen die Spaltungen im Denken, Fühlen und Handeln betonen, die er bei seinen Patient:innen beobachtete. Nach heftigen Debatten setzte sich sein Begriff schließlich durch und löste die ältere Bezeichnung ab.

Woran erkennt man eine Schizophrenie?

Typisch sind Halluzinationen, Wahnvorstellungen und das Gefühl, das eigene Denken werde von außen gesteuert. Meist hören Betroffene Stimmen, die freundlich oder bedrohlich sein können und oft das eigene Verhalten kommentieren. Häufig sind auch Verfolgungswahn oder das starke Gefühl, zu etwas Besonderem berufen zu sein. Bei einer Ich-Störung verschwimmt die Grenze zur Umwelt, etwa mit dem Eindruck, andere könnten die eigenen Gedanken lesen.

Hinzu kommen können wirres Denken, schwer verständliche Sprache, Bewegungsauffälligkeiten, innere Leere oder plötzliche Stimmungswechsel. Nach einer akuten Phase stehen eher Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, sozialer Rückzug und Antriebslosigkeit im Vordergrund.

Akute Psychosen kündigen sich oft Wochen oder Monate vorher an. Betroffene und Angehörige bemerken dann etwa Unruhe, Anspannung, schlechten Schlaf oder Probleme in Schule, Studium und Beruf. Weil solche Anzeichen auch andere Ursachen haben können, gehören sie ärztlich abgeklärt.

Wie entsteht eine Schizophrenie?

Die genauen Ursachen sind bisher nicht geklärt, wahrscheinlich wirken mehrere Faktoren zusammen. Ein erhöhtes Risiko besteht vor allem, wenn ein Elternteil oder ein Geschwister erkrankt ist. Von den Kindern erkrankter Mütter oder Väter erkranken später etwa 12 Prozent ebenfalls.

Auch Veränderungen im Gehirn, Schlafstörungen, traumatische Erfahrungen, psychischer Stress und Entwicklungsstörungen im Mutterleib oder in der Kindheit können beitragen. Dasselbe gilt für Drogen wie Cannabis oder Amphetamine. Besonders starken Cannabiskonsum verbindet die WHO mit einem erhöhten Risiko. Häufig tritt eine Psychose im Zusammenhang mit großen Lebensveränderungen auf, etwa einer Trennung, einem Umzug oder dem Start ins Berufsleben.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnose stellen Ärzt:innen, wenn typische Beschwerden mindestens einen Monat lang bestehen. Dafür führen sie Gespräche, auch mit Angehörigen, und beobachten das Verhalten. Körperliche und neurologische Untersuchungen sowie bildgebende Verfahren dienen vor allem dazu, andere Ursachen auszuschließen, etwa Erkrankungen des Nervensystems oder Drogenkonsum.

Früher wurden Unterformen wie die paranoide, die hebephrene und die katatone Schizophrenie unterschieden. Das Diagnosehandbuch DSM-5 und die aktuelle WHO-Klassifikation ICD-11 haben diese Unterformen abgeschafft. Stattdessen beschreiben sie, welche Beschwerden im Vordergrund stehen und wie die Erkrankung verläuft. In älteren Texten sind die Unterformen noch zu finden.

Wie verläuft die Erkrankung?

Der Verlauf ist sehr verschieden. Bei etwa 20 von 100 Betroffenen bleibt es bei einer einzigen akuten Psychose. Etwa 60 von 100 erleben innerhalb von zwei Jahren nach der ersten akuten Psychose einen Rückfall. Bei rund einem Viertel klingen die Beschwerden nie ganz ab.

Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Chancen auf einen günstigen Verlauf. Viele Betroffene haben Schwierigkeiten, Freundschaften zu schließen und beruflich Fuß zu fassen. Zudem sind sie häufiger von Infektionen, Diabetes und Herzerkrankungen betroffen und sterben im Durchschnitt früher. Eine gute Behandlung verbessert die Lebenserwartung.

Belastend sind auch Vorurteile, etwa die Annahme, Betroffene seien gefährlich. Die meisten werden anderen gegenüber aber nicht gewalttätig, häufiger werden sie selbst Opfer von Gewalt oder Unfällen.

Was hilft bei Schizophrenie?

Zu den wirksamen Behandlungen zählen Medikamente und Psychotherapie, ergänzt durch psychosoziale Unterstützung. Antipsychotika, auch Neuroleptika genannt, können akute Beschwerden abklingen lassen und langfristig vor Rückfällen schützen. Heilen können sie die Erkrankung nicht, und sie können belastende Nebenwirkungen haben, etwa Bewegungsstörungen, Gewichtszunahme, Müdigkeit oder ein höheres Diabetes-Risiko.

Selten sind Herzrhythmus- oder Blutbildstörungen möglich, deshalb wird das Blut regelmäßig kontrolliert. Plötzlich abgesetzt werden sollten sie nicht, weil dann eher ein Rückfall droht.

Psychotherapie kann Beschwerden verringern und helfen, mit der Erkrankung umzugehen. Gängig sind die kognitive Verhaltenstherapie und die Familientherapie, sie kann auch schon während einer akuten Psychose beginnen. In der Psychoedukation lernen Betroffene und Angehörige, Anzeichen zu erkennen und mit der Erkrankung umzugehen. Training sozialer und geistiger Fähigkeiten, Ergotherapie, Bewegung sowie Angebote für Wohnen und Arbeit können ein möglichst eigenständiges Leben unterstützen.

Reichen diese Behandlungen nicht aus, kommt manchmal eine Elektrokrampftherapie in Narkose infrage. Sinnvoll ist außerdem ein Krisenplan, den Betroffene mit den Behandelnden und auch mit Angehörigen vereinbaren. Er legt fest, was geschehen soll, wenn sich die Beschwerden verschlechtern.

Wer hilft in Österreich?

Erste Anlaufstelle sind Fachärzt:innen für Psychiatrie, für Jugendliche unter 18 Jahren auch solche für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Auch Hausärzt:innen können ein erstes Gespräch führen und weitere Schritte einleiten. Klinische Psycholog:innen, Psychotherapeut:innen, Ergotherapeut:innen und psychosoziale Einrichtungen wie der Psychosoziale Dienst können in die Behandlung eingebunden sein.

In akuten Phasen wird meist im Krankenhaus behandelt. Bei Selbst- oder Fremdgefährdung kann die Bewegungsfreiheit dort eingeschränkt werden, diese „Unterbringung“ unterliegt strengen Kriterien. Notwendige und zweckmäßige Diagnose- und Therapiemaßnahmen übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung, bei manchen Leistungen können Selbstbehalte oder Kostenbeiträge anfallen.

Menschen mit Schizophrenie haben ein erhöhtes Suizidrisiko, besonders in unbehandelten akuten Phasen und direkt nach einer Entlassung aus dem Krankenhaus. Spricht jemand von Suizid, ist das immer ernst zu nehmen: Die Person sollte nicht allein gelassen und sofort ärztliche Hilfe gerufen werden. Bei einer akuten psychiatrischen Krise, etwa völligem Realitätsverlust oder Anzeichen von Selbst- oder Fremdgefährdung, ist die Rettung unter 144 zu rufen. Rund um die Uhr hilft die Telefonseelsorge unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (11)