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Kinder- und Jugendpsychiatrie

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Auf den Punkt gebracht

Kinder- und Jugendpsychiatrie ist das medizinische Fach für psychische Krankheiten, Störungen und Verhaltensauffälligkeiten, die im Kindes- und Jugendalter auftreten. In Österreich ist sie seit 2007 ein eigenes Sonderfach, heute unter dem Namen „Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapeutische Medizin“. Bei Bedarf betreuen die Fachärzt:innen junge Menschen auch über die Volljährigkeit hinaus weiter, längstens bis zum 25. Lebensjahr.

Was ist Kinder- und Jugendpsychiatrie?

Kinder- und Jugendpsychiatrie kümmert sich um die seelische Gesundheit junger Menschen. Laut Ärzteausbildungsordnung umfasst das Fach Vorbeugung, Diagnostik, Behandlung einschließlich Psychotherapeutischer Medizin und Rehabilitation. Dazu kommen die Behandlung entwicklungsbedingter psychischer Erkrankungen und die fachliche Begutachtung.

Viele psychische Erkrankungen beginnen früh. Depressionen, Angststörungen und Essstörungen setzen laut MSD Manual meist im Kindes- oder Jugendalter ein, Autismus ausschließlich in der Kindheit. Häufig sind auch Verhaltensstörungen wie ADHS. Psychosen wie Schizophrenie sind bei Kindern dagegen deutlich seltener und beginnen meist erst ab dem mittleren Jugendalter.

Woran erkennt man, dass ein Kind Hilfe braucht?

Die Anzeichen psychischer Erkrankungen ähneln oft Gefühlen, die jedes Kind kennt, etwa Niedergeschlagenheit, Wut, Rückzug oder Einsamkeit. Entscheidend ist, wie lange sie anhalten und wie stark sie sind. Wenn ein Gefühl den Alltag eines Kindes beherrscht oder es darunter leidet, spricht das für eine Störung.

Laut MSD Manual lässt sich im Durchschnitt bei rund 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen eine psychische Störung mit einer gewissen Beeinträchtigung feststellen. Das Risiko steigt mit dem Alter.

Wie läuft eine Abklärung ab?

Einen einzelnen Test, der eine psychische Erkrankung bestätigt, gibt es nicht. Ärzt:innen sprechen mit dem Kind oder der:dem Jugendlichen und beziehen Beobachtungen von Eltern, Lehrer:innen und Betreuungspersonen ein. Manchmal kommen Fragebögen dazu, und mitunter schließen Untersuchungen körperliche Ursachen aus. Bei bestimmten Entwicklungsstörungen können genetische Bluttests Klarheit bringen.

Für stationäre Behandlungen gibt es eigene Abteilungen für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Für eine Aufnahme in einen geschlossenen Bereich gilt dort das Unterbringungsgesetz wie in der Erwachsenenpsychiatrie, ergänzt um eigene Regeln für Minderjährige.

Woher kommt das Fach in Österreich?

Als erste österreichische Vorläuferin gilt die Heilpädagogische Station, die 1911 an der Wiener Universitätskinderklinik entstand. Gegründet hat sie Clemens von Pirquet, geleitet der Kinderarzt Erwin Lazar. In der NS-Zeit wurden unter dem Namen der Kinderpsychiatrie Kinder als „lebensunwert“ eingestuft und getötet, allein in der Wiener Anstalt „Am Spiegelgrund“ 789 Kinder.

1975 entstand für Fachärzt:innen der Kinderheilkunde, Neurologie und Psychiatrie das Zusatzfach Kinder- und Jugendneuropsychiatrie. Seit 2007 ist die Kinder- und Jugendpsychiatrie ein eigenes Sonderfach. Später wurde die Psychotherapeutische Medizin in die Facharztausbildung aufgenommen und Teil des Namens.

Wer hilft in Österreich?

Zuständig sind Fachärzt:innen für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapeutische Medizin. Die Facharztausbildung dauert nach dem Medizinstudium mindestens 69 Monate. Weil sich die Ausbildungsordnungen geändert haben, gibt es auch Fachärzt:innen für Psychiatrie oder Kinderheilkunde mit einem Zusatzfach Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Werden Patient:innen volljährig, dürfen die Fachärzt:innen sie bei Bedarf weiter betreuen, bis eine Fachärztin oder ein Facharzt für Psychiatrie übernehmen kann. Diese Übergangsbetreuung ist bis zum 25. Lebensjahr möglich.

Wann ist rasche Hilfe nötig?

Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht anonym und rund um die Uhr unter 147. Bei Gedanken an Suizid oder in einer akuten Krise hilft auch die Telefonseelsorge unter 142. Im Notfall ist die Rettung unter 144 erreichbar.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (6)