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Essstörungen

08:16

Auf den Punkt gebracht

Essstörungen sind psychische Erkrankungen, bei denen Essen, Gewicht und Figur das Denken und Handeln bestimmen. Am häufigsten sind Magersucht (Anorexie), Bulimie und die Binge-Eating-Störung. Essstörungen können lebensbedrohlich werden, sind aber behandelbar, vor allem mit Psychotherapie.

Was sind Essstörungen?

Bei einer Essstörung rückt das Essen in den Mittelpunkt des Lebens. Gedanken und Verhalten kreisen ständig um Essen und Gewicht, und das Verhältnis zum eigenen Körper ist beeinträchtigt. Je nach Form kommt es etwa zu starkem Einschränken der Nahrung oder zu Essanfällen, die sich nicht steuern lassen.

Essstörungen sind psychische Erkrankungen und in der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) als eigene Krankheitsbilder anerkannt. Weil sie immer eine seelische Seite haben, zählen sie nicht zu den Verdauungs- oder Stoffwechselkrankheiten. Meist leiden Betroffene auch unter einem niedrigen Selbstwertgefühl und verheimlichen ihr Essverhalten, was zu Rückzug führen kann.

Am häufigsten erkranken junge Frauen und Mädchen. Essstörungen betreffen aber auch Männer und Jungen sowie Erwachsene jeden Alters. Weil Essstörungen oft fälschlich als typische Frauenkrankheit gelten, kann das betroffene Männer zusätzlich belasten.

Welche Formen gibt es?

Die drei häufigsten Formen sind Magersucht, Bulimie und die Binge-Eating-Störung. Bei der Magersucht (Anorexie) führen Betroffene selbst einen starken Gewichtsverlust herbei, vor allem durch Hungern, manchmal auch durch Erbrechen, Abführmittel oder übermäßigen Sport. Trotz Untergewicht fühlen sie sich zu dick und haben große Angst zuzunehmen. Das Wort Anorexie bedeutet wörtlich „Appetitlosigkeit“, tatsächlich haben Menschen mit Magersucht aber Hunger.

Bei der Bulimie kommt es immer wieder zu Essanfällen, bei denen Betroffene die Kontrolle über das Essen verlieren. Um nicht zuzunehmen, steuern sie dagegen, etwa durch Erbrechen, Fasten, übermäßigen Sport oder Medikamente. Die Binge-Eating-Störung zeigt ebenfalls wiederholte Essanfälle, die als sehr belastend erlebt werden und oft Scham, Schuld oder Ekel auslösen. Regelmäßige Gegenmaßnahmen fehlen hier, deshalb entsteht häufig Übergewicht. Diese Form ist häufiger als Bulimie oder Magersucht.

Daneben gibt es Formen ohne Sorge um Gewicht und Figur. Bei der sogenannten ARFID (englisch avoidant-restrictive food intake disorder, etwa „vermeidend-restriktive Nahrungsaufnahmestörung“) essen Betroffene so wenig oder so einseitig, dass Gewicht, Nährstoffversorgung oder Alltag leiden. Beim seltenen Pica-Syndrom werden ungenießbare Dinge wie Papier, Haare oder Kreide gegessen. Manchmal folgt im Lauf des Lebens eine Essstörung auf eine andere.

Der Begriff „Esssucht“ ist keine offizielle Diagnose, gemeint ist meist die Binge-Eating-Störung. Auch wenn Essen manchmal zu den Verhaltenssüchten gezählt wird, führt die ICD-11 Essstörungen als eigene Gruppe und nicht bei den Suchterkrankungen. Bei der Orthorexie, einer starren Fixierung auf vermeintlich gesundes Essen, ist wissenschaftlich noch offen, ob sie eine eigenständige Essstörung ist.

Woran erkennt man eine Essstörung?

Eine Essstörung beginnt oft schleichend und ist von außen schwer zu erkennen. Hinweise können eine intensive gedankliche Beschäftigung mit Essen, häufiges Wiegen und Kalorienzählen oder das Auslassen von Mahlzeiten sein. Auch Äußerungen, zu dick zu sein, ohne Übergewicht zu haben, können darauf hindeuten. Dasselbe gilt für das Meiden gemeinsamer Mahlzeiten, Erbrechen nach dem Essen oder übermäßigen Sport.

Nicht hinter jedem dieser Zeichen steckt eine Essstörung. Die Diagnose stellen ärztliche oder psychotherapeutische Fachleute vor allem im Gespräch, ergänzt durch körperliche Untersuchungen und Laborwerte. Weil Betroffene ihr Essverhalten oft verbergen, vergeht bis zur Diagnose häufig viel Zeit.

Wie entstehen Essstörungen?

Meist wirken mehrere Ursachen zusammen, die wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt sind. Dazu zählen eine erbliche Veranlagung, belastende Lebensereignisse, Schwierigkeiten beim Erwachsenwerden und das verbreitete Ideal eines schlanken Körpers. Diäten und Fasten können eine Essstörung begünstigen, vor allem bei Jugendlichen mit niedrigem Selbstwertgefühl. Auch Leistungssport kann das Risiko erhöhen.

Menschen mit Essstörungen haben häufiger zusätzlich Depressionen, Angst- oder Zwangserkrankungen und Suchterkrankungen.

Warum können Essstörungen gefährlich werden?

Von allen psychischen Erkrankungen führen Essstörungen am häufigsten zu lebensbedrohlichen Komplikationen. Bei Magersucht kann das Untergewicht den Herzschlag verlangsamen, den Blutdruck senken und Herzrhythmusstörungen sowie Ohnmachten auslösen. Solche Herzrhythmusstörungen können laut MSD Manual auch zu einem plötzlichen Tod führen. Erbrechen, Abführmittel und entwässernde Mittel können den Salzhaushalt im Blut gefährlich verschieben. Bei Bulimie drohen außerdem Nierenprobleme, eine entzündete Speiseröhre oder ein Einriss des Magens. Magersucht erhöht zudem das Risiko für Knochenschwund (Osteoporose).

Auch das Risiko, sich das Leben zu nehmen, ist bei Menschen mit Essstörungen erhöht. Bei Magersucht wird ein Krankenhausaufenthalt zum Beispiel nötig, wenn das Gewicht rasch sinkt, das Untergewicht stark ist oder ambulant keine Gewichtszunahme gelingt.

Was hilft bei Essstörungen?

Ein zentraler Baustein der Behandlung ist Psychotherapie, wobei den meisten Betroffenen die kognitive Verhaltenstherapie am besten zu helfen scheint. Bei Magersucht geht es zudem darum, das Gewicht zu normalisieren, wieder geregelt zu essen und körperliche Folgen zu behandeln. Bei Kindern und Jugendlichen wird die Familie meist einbezogen.

Ernährungsberatung, Bewegungstherapie und Selbsthilfegruppen können die Behandlung ergänzen. Bei Bulimie können Ärzt:innen den Wirkstoff Fluoxetin aus der Gruppe der Antidepressiva verschreiben, begleitend zu einer Psychotherapie. Für Magersucht gibt es kein eigenes Medikament. Behandelt wird ambulant, in einer Tagesklinik oder stationär.

Essstörungen dauern oft Jahre, Besserung und Heilung sind aber möglich. Weil Rückfälle vorkommen, gehört die Vorbereitung darauf zur Behandlung. Gutes Zureden oder Ermahnungen helfen laut Gesundheitsportal nicht. Hilfreicher ist es, das Gespräch zu suchen und zur professionellen Hilfe zu ermutigen.

Wer hilft in Österreich?

Eine erste Anlaufstelle kann die Hausärztin oder der Hausarzt sein. Weiter helfen Fachärzt:innen für Psychiatrie oder Kinder- und Jugendpsychiatrie, Ärzt:innen mit Weiterbildung in psychotherapeutischer Medizin, Psychotherapeut:innen und Klinische Psycholog:innen. Dazu kommen Spezialambulanzen für Essstörungen sowie Kassen- und Spitalsambulanzen für Psychiatrie und Psychosomatik. Notwendige und zweckmäßige Diagnose- und Therapiemaßnahmen übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung, teils mit Selbstbehalt.

Kostenlos und anonym beraten das Netzwerk Essstörungen unter 0512 57 60 26 und die Essstörungs-Hotline der Wiener Gesundheitsförderung unter 0800 20 11 20, auch Angehörige. Einen Überblick über Beratungsstellen und Einrichtungen bietet die Österreichische Gesellschaft für Essstörungen.

In einer akuten Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 erreichbar.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (11)