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Bulimie

05:30

Auf den Punkt gebracht

Bulimie, fachlich Bulimia nervosa, ist eine Essstörung mit wiederkehrenden Essanfällen, bei denen Betroffene die Kontrolle über das Essen verlieren. Danach versuchen sie, eine Gewichtszunahme zu verhindern, etwa durch Erbrechen, Abführmittel, Fasten oder übermäßigen Sport. Bulimie ist eine ernsthafte psychische Erkrankung, die behandelt werden sollte, vor allem mit Psychotherapie.

Was ist Bulimie?

Bei einer Bulimie wechseln sich Essanfälle und Gegenmaßnahmen immer wieder ab. Während eines Anfalls essen Betroffene in kurzer Zeit große Mengen, oft besonders kalorienreiche Speisen wie Süßigkeiten, Gebäck oder Chips. Danach drängt es sie, die Nahrung schnell wieder loszuwerden, typisch ist selbst ausgelöstes Erbrechen. Umgangssprachlich heißt die Bulimie deshalb auch „Ess-Brech-Sucht“.

Von außen ist die Erkrankung oft nicht zu erkennen. Die Anfälle bleiben meist geheim, und das Körpergewicht kann im Normalbereich, etwas darunter oder leicht darüber liegen. Figur und Gewicht bestimmen dabei stark, wie wertvoll sich Betroffene fühlen. Viele halten sich für zu dick und haben große Angst zuzunehmen.

Woher kommt der Name?

Das Wort geht auf das griechische „boulimía“ zurück, das „Heißhunger“ bedeutet. Als eigenes Krankheitsbild beschrieb Gerald Russell die Bulimia nervosa 1979 in einem Fachartikel. Er sah sie damals als bedrohliche Spielart der Magersucht. Die meisten seiner Patient:innen hatten zuvor eine offene oder verdeckte Magersucht gehabt.

Woran erkennt man Bulimie?

Kennzeichnend sind regelmäßige Essanfälle mit dem Gefühl, nicht mehr aufhören zu können, und darauf folgende Gegenmaßnahmen. Dazu zählen Erbrechen, Abführ- oder Entwässerungsmittel, strenges Fasten und übermäßiger Sport. Oft lösen emotionale Belastungen die Anfälle aus, und viele haben kurz davor besonders streng auf ihr Essen geachtet. Danach folgen häufig Reue- und Schuldgefühle.

Wie oft die Anfälle für die Diagnose auftreten müssen, legen die Diagnosesysteme unterschiedlich fest. Die ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation nennt als Beispiel einmal pro Woche oder öfter über mindestens einen Monat, andere Kriterien setzen drei Monate an. Die Diagnose stellen Ärzt:innen oder Psychotherapeut:innen im ausführlichen Gespräch, ergänzt durch eine körperliche Untersuchung und Laborwerte.

Welche Folgen kann Bulimie haben?

Häufiges Erbrechen kann lebensbedrohlich werden. Es kann den Wasser- und Salzhaushalt stören, die Nieren schädigen und Herzrhythmusstörungen auslösen. Auch eine Entzündung der Speiseröhre oder ein Einreißen des Magens ist möglich. Die Magensäure greift außerdem die Zähne an, und bei manchen entstehen Druckstellen oder Narben an den Fingern.

Auch der Missbrauch von Medikamenten, um nicht zuzunehmen oder Erbrechen auszulösen, ist gefährlich: Er erhöht laut IQWiG das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Kreislaufprobleme und Nierenschäden und kann laut MSD Manual über Herzrhythmusstörungen sogar zum plötzlichen Tod führen. Viele Betroffene haben zusätzlich Depressionen, Angststörungen oder ADHS, und das Risiko für einen Suizid ist erhöht. Ohne Behandlung verläuft eine Bulimie meist chronisch.

Was hilft bei Bulimie?

Im Mittelpunkt steht eine Psychotherapie, am ehesten wird zu einer kognitiven Verhaltenstherapie geraten. Zunächst geht es darum, den Kreislauf aus Essanfällen und Diäten zu unterbrechen und wieder regelmäßig zu essen. Ernährungsberatung, Entspannungsverfahren und Selbsthilfegruppen können die Behandlung ergänzen. Bei Kindern und Jugendlichen wird meist die Familie einbezogen.

Zusätzlich können Ärzt:innen das Antidepressivum Fluoxetin verschreiben, das Essanfälle und Erbrechen verringern kann. Begleitend soll dabei eine Psychotherapie stattfinden. Meist wird ambulant behandelt, bei Suizidgefahr oder schweren körperlichen Folgen wie starken Kreislaufproblemen ist ein Klinikaufenthalt ratsam.

Der Verlauf ist sehr unterschiedlich. Mit kognitiver Verhaltenstherapie überwinden laut MSD Manual 30 bis 50 Prozent die Ess-Brech-Anfälle. Die Beschwerden können sich innerhalb von Monaten oder Jahren vollständig zurückbilden, Rückfälle sind aber möglich.

Wer hilft in Österreich?

Eine erste Anlaufstelle kann die Hausärztin oder der Hausarzt sein. Weiter helfen Fachärzt:innen für Psychiatrie oder Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapeut:innen, Klinische Psycholog:innen und Spezialambulanzen für Essstörungen. Kostenlos und anonym beraten das Netzwerk Essstörungen unter 0512 57 60 26 und die Wiener Gesundheitsförderung unter 0800 20 11 20, auch Angehörige.

In einer akuten Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 erreichbar.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (10)