Was ist eine Selbsthilfegruppe?
In einer Selbsthilfegruppe treffen Menschen auf andere, die die Beschwerden, Gefühle und praktischen Probleme einer Erkrankung aus eigener Erfahrung kennen. Dort lässt sich über Themen sprechen, die mit Außenstehenden oft schwer zu besprechen sind. Das kann sehr entlastend sein.
Der Austausch von Tipps und Erfahrungen gilt als Kernidee der Selbsthilfe. Zentral ist die wechselseitige Unterstützung der Teilnehmer:innen. Die Teilnahme ist freiwillig und setzt die Bereitschaft voraus, selbst mitzuarbeiten. Grundlage ist das Erfahrungswissen der Betroffenen und ihrer Angehörigen.
Wobei helfen Selbsthilfegruppen?
Selbsthilfegruppen gibt es für viele Lebenslagen rund um Gesundheit. Das österreichische Gesundheitsportal nennt chronische Erkrankungen wie Diabetes, Herzinsuffizienz oder Parkinson, starke Einschränkungen etwa nach einer Transplantation oder einem Schlaganfall sowie seltene und psychische Erkrankungen. Auch pflegende Angehörige finden dort Unterstützung.
Neben den Gruppentreffen geht es um Aufklärung und emotionale Unterstützung, um praktische Informationen, persönliche Beratung und Schulungen. Zudem übernehmen Selbsthilfegruppen eine Lotsenfunktion im Gesundheitssystem und helfen etwa bei der Suche nach passenden Fachleuten. Laut Gesundheitsportal ist der Stellenwert von Selbsthilfegruppen vor allem für den persönlichen Umgang mit einer Krankheit durch zahlreiche Studien belegt.
Welche Rolle spielen Selbsthilfegruppen bei Sucht?
Bei einer Sucht können Selbsthilfegruppen helfen, nach einer Behandlung nicht wieder abhängig zu werden. Betroffene lernen dort Menschen kennen, die das Suchtmittel hinter sich gelassen haben oder daran arbeiten. Viele entwickeln ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das sie motiviert, dranzubleiben. Eigene Gruppen gibt es auch für Angehörige.
Ein Beispiel sind die Anonymen Alkoholiker (AA). Laut eigener Darstellung entstanden sie 1935 als Gemeinschaft von und für Alkoholiker:innen und haben heute Treffen in fast allen Ländern. Ihr Programm ist in zwölf Schritte gegliedert, und Anonymität ist ein Grundprinzip. Die AA betonen, weder eine medizinische Organisation noch eine religiöse Vereinigung zu sein und keine Medikamente auszugeben.
Wie ist die Selbsthilfe in Österreich organisiert?
In Österreich gibt es laut einer Erhebung aus dem Jahr 2008 rund 1.700 Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen. Laut Gesundheitsportal sind darin rund 250.000 Menschen organisiert. Die Selbsthilfe ist regional, auf Landes- und auf Bundesebene aufgebaut.
In jedem Bundesland gibt es Selbsthilfe-Dachverbände und Kontaktstellen. Sie vermitteln Interessierte an passende Gruppen und unterstützen Gruppen bei ihrer Arbeit. Verzeichnisse regionaler und bundesweiter Selbsthilfeorganisationen führt die Österreichische Kompetenz- und Servicestelle für Selbsthilfe (ÖKUSS). Bundesweit tätige Selbsthilfe- und Patientenorganisationen vertritt seit 2018 der Bundesverband Selbsthilfe Österreich. Bei Suchtproblemen helfen auch Suchtberatungsstellen bei der Suche nach einer Gruppe.
Worauf ist bei der Wahl einer Gruppe zu achten?
Eine Selbsthilfegruppe ist idealerweise unabhängig und vertritt nur die Interessen ihrer Mitglieder. Unter dem Namen „Selbsthilfe“ gibt es auch fragwürdige Angebote, daher lohnt es sich, Suchergebnisse im Internet kritisch zu prüfen.