Affektive Störungen sind psychische Erkrankungen, bei denen sich vor allem Stimmung und Antrieb krankhaft verändern. Die Stimmung kann gedrückt sein wie bei einer Depression oder gehoben wie bei einer Manie, bei der Bipolaren Störung wechselt beides. Behandelt werden affektive Störungen mit Medikamenten, Psychotherapie oder beidem.
Was sind affektive Störungen?
Traurigkeit und Freude gehören zum Leben. Von einer affektiven Störung sprechen Fachleute erst, wenn eine veränderte Stimmung lange anhält und stärker als gewöhnlich ist. Dann beeinträchtigt sie die Fähigkeit, Alltag und Arbeitsleben zu bewältigen.
In der Klassifikation ICD-10, nach der in Österreich Diagnosen verschlüsselt werden, bilden die affektiven Störungen eine eigene Gruppe. Kennzeichnend ist eine Veränderung der Stimmung hin zur Depression, mit oder ohne Angst, oder hin zu gehobener Stimmung. Meist verändert sich dabei auch das allgemeine Aktivitätsniveau. Die meisten dieser Störungen neigen zu Rückfällen, und der Beginn einzelner Phasen hängt oft mit belastenden Ereignissen zusammen.
Woher kommt der Begriff?
„Affekt“ stammt vom lateinischen „affectus“, das Gemütszustand, Gemütsbewegung oder Leidenschaft bedeutet. Ins Deutsche wurde das Wort Anfang des 16. Jahrhunderts übernommen und im 18. Jahrhundert geläufig. Der Name verweist also auf das Gefühls- und Stimmungsleben.
Welche Störungen zählen dazu?
Die ICD-10 zählt zu den affektiven Störungen die manische Episode, die Bipolare Störung, die depressive Episode und die wiederkehrende depressive Störung. Dazu kommen anhaltende affektive Störungen, die über Jahre bestehen, deren Phasen aber schwächer ausgeprägt sind: die Zyklothymie und die Dysthymie. Entsteht eine solche Stimmungsveränderung als Folge einer organischen, also körperlichen Störung, ordnet die ICD-10 sie gesondert als organische affektive Störung ein.
Wer nur depressive Phasen erlebt, hat eine sogenannte unipolare Depression. Wechseln sich Manie oder ihre leichtere Form, die Hypomanie, mit depressiven Phasen ab, liegt eine Bipolare Störung vor. Die einzelnen Krankheitsbilder beschreiben eigene Texte zu Depression, Manie und Bipolarer Störung.
Wie ordnet die ICD-11 affektive Störungen ein?
Die neuere Klassifikation ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist seit 2022 in Kraft. Sie fasst diese Erkrankungen in der Gruppe „Mood disorders“ zusammen und teilt sie in depressive und bipolare Störungen. Einzelne Phasen wie eine depressive oder manische Episode sind dort keine eigenen Diagnosen mehr, entscheidend ist ihr Muster über die Zeit. Die eigene Untergruppe der anhaltenden affektiven Störungen fällt weg. Die Dysthymie zählt nun zu den depressiven, die Zyklothymie zu den bipolaren Störungen. In Österreich werden Diagnosen derzeit weiterhin nach der ICD-10 verschlüsselt.
Woran erkennt man eine affektive Störung?
Typisch sind abgrenzbare Phasen. In einer depressiven Phase herrscht über mindestens zwei Wochen an den meisten Tagen eine gedrückte Stimmung, Interesse und Freude gehen verloren. Oft kommen Schlafstörungen, Erschöpfung, Schuldgefühle und Konzentrationsprobleme dazu. In einer manischen Phase sind Stimmung und Antrieb deutlich gesteigert. Betroffene brauchen wenig Schlaf, reden viel und schnell, haben oft rasende Gedanken und verhalten sich mitunter riskant.
Affektive Störungen, vor allem mit Depression, erhöhen das Risiko für weitere Probleme wie starke Angst, Alkohol- oder andere Substanzprobleme und Schwierigkeiten, Beziehungen aufrechtzuerhalten. Besonders ernst ist das Suizidrisiko. Laut MSD Manual sterben Menschen mit schwerer Depression oder Bipolarer Störung acht- bis neunmal häufiger durch Suizid als die Allgemeinbevölkerung.
Was hilft bei affektiven Störungen?
Affektive Störungen lassen sich mit Medikamenten, mit Psychotherapie oder mit beidem behandeln. Welche Behandlung passt, hängt von der Art der Störung ab. Bei einer Depression richtet sich die Behandlung zum Beispiel nach dem Schweregrad. Am Anfang steht eine ärztliche Abklärung, bei der auch andere Erkrankungen und körperliche Ursachen ausgeschlossen werden.
Wer hilft in Österreich?
Eine erste Ansprechstelle kann die Hausärztin oder der Hausarzt sein, die bei Bedarf weiter überweisen. Auf psychische Erkrankungen spezialisiert sind Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, bei Kindern und Jugendlichen Fachärzt:innen für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapeutische Medizin. Auch Klinische Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen unterstützen.
Bei Suizidgedanken oder in einer akuten Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 erreichbar.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.