Hypomanie bezeichnet eine Phase leicht gehobener Stimmung mit gesteigertem Antrieb, die schwächer ausgeprägt ist als eine Manie. Sie dauert mindestens vier Tage und ist vor allem als Merkmal der Bipolaren Störung Typ II bekannt. Diagnose und Behandlung liegen bei Fachärzt:innen für Psychiatrie, die oft weitere Gesundheitsberufe einbeziehen.
Was ist Hypomanie?
Hypomanie ist eine abgeschwächte Form der Manie, also jener Hochphase, die zur Bipolaren Störung gehört. Bei dieser Erkrankung schwankt die Stimmung zwischen zwei entgegengesetzten Extremen, weshalb sie früher manisch-depressive Erkrankung hieß. Ist die Hochphase nicht so stark ausgeprägt, sprechen Fachleute von Hypomanie.
Woran erkennt man eine Hypomanie?
Kennzeichen ist eine leicht gehobene Stimmung, die vom gewohnten Befinden abweicht und mindestens vier Tage anhält. Eine solche Phase kann Tage bis Wochen dauern. Für die Diagnose braucht es mindestens drei weitere Merkmale.
Dazu zählen gesteigerte Aktivität oder körperliche Ruhelosigkeit, vermehrte Gesprächigkeit, ein vermindertes Schlafbedürfnis und leichte Ablenkbarkeit. Auch erhöhtes sexuelles Verlangen, Distanzlosigkeit oder verstärkte Geselligkeit kommen vor. Manche geraten in einen „Kaufrausch“, ohne die Folgen zu bedenken.
Wie unterscheidet sich Hypomanie von einer Manie?
Der Unterschied liegt vor allem in der Stärke der Beschwerden. In einer Manie sind die Symptome ähnlich, aber stärker ausgeprägt und halten mindestens eine Woche durchgehend an. Sie führen unter anderem zu Problemen im Beruf und in Beziehungen. Betroffenen fällt es zunehmend schwer, die Folgen des eigenen Verhaltens einzuschätzen, und es können Wahnvorstellungen oder Halluzinationen hinzukommen.
Welche Rolle spielt Hypomanie bei der Bipolaren Störung?
Hypomanische Phasen prägen vor allem die Bipolare Störung Typ II. Dabei treten schwere depressive Episoden und mindestens eine hypomanische Episode auf, aber keine ausgeprägte Manie. Beim Typ I kommt es dagegen zu manischen und meist auch depressiven Episoden. Davon abzugrenzen ist die Zyklothymie, eine anhaltend instabile Stimmung mit vielen Phasen leichter Depression und leicht gehobener Stimmung.
Wie wird eine Hypomanie festgestellt?
Am Anfang stehen ein ausführliches Gespräch über die Krankengeschichte sowie eine körperliche und neurologische Untersuchung. Bei Bedarf kommen Laborbefunde, klinisch-psychologische Diagnostik oder bildgebende Verfahren hinzu. Andere Ursachen werden dabei ausgeschlossen, denn auch bestimmte Medikamente wie Antidepressiva oder Kortikosteroide, Drogen wie Kokain oder eine Schilddrüsenüberfunktion können manieähnliche Beschwerden auslösen.
Weil Menschen in einer Manie ihre Beschwerden oft nicht als Problem wahrnehmen, befragen Ärzt:innen häufig auch Angehörige. Die britische Leitlinie NICE empfiehlt, bei Erwachsenen, die wegen einer Depression hausärztliche Hilfe suchen, nach früheren Phasen von Überaktivität oder enthemmtem Verhalten zu fragen. Dauerten diese vier Tage oder länger, soll eine fachärztliche Abklärung erwogen werden.
Was hilft bei Hypomanie?
Die Behandlung verfolgt zwei Ziele: akute Beschwerden zu verringern und neuen Krankheitsphasen vorzubeugen. Eingesetzt werden Stimmungsstabilisierer wie Lithium oder bestimmte Antiepileptika sowie Antipsychotika. Antidepressiva sollen bei einer Bipolaren Störung nur gemeinsam mit Stimmungsstabilisierern zum Einsatz kommen. Weil Wechselwirkungen möglich sind, gehört jede Einnahme, auch rezeptfreier oder pflanzlicher Mittel und hormoneller Verhütungsmittel, in ärztliche Absprache.
Die Akutbehandlung einer Bipolaren Störung erfolgt laut Gesundheitsportal meist in einem Krankenhaus oder einer Tagesklinik. Bei einer Hypomanie ist laut MSD Manual in den meisten Fällen eine ambulante Behandlung möglich.
Psychotherapie ergänzt die medikamentöse Behandlung. In der Psychoedukation lernen Betroffene, Warnzeichen wie Überdrehtheit, Gedankenflut oder das Gefühl, durch nichts zu stoppen zu sein, früh zu erkennen. Hilfreich sind ein geregelter Schlaf-Wach-Rhythmus und ein Stimmungstagebuch, während Alkohol und Drogen die Erkrankung verschlimmern. Wichtige Entscheidungen sollten bis zum Abklingen der Hochphase warten. Wer in Hochphasen zum Geldausgeben neigt, kann eine Vertrauensperson mit den Finanzen betrauen.
Wer hilft in Österreich?
Diagnose und Behandlung erfolgen durch Fachärzt:innen für Psychiatrie (und psychotherapeutische Medizin), bei Jugendlichen unter 18 Jahren auch durch Kinder- und Jugendpsychiater:innen. Meist werden Psychotherapeut:innen, Klinische Psycholog:innen oder Ergotherapeut:innen einbezogen. Notwendige und zweckmäßige Diagnose- und Therapiemaßnahmen übernimmt die Sozialversicherung, bei manchen Leistungen können Selbstbehalte anfallen.
Menschen mit Bipolarer Störung haben ein erhöhtes Suizidrisiko. Bei Gedanken an Suizid hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 zu rufen.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.