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Zyklothymie

05:22

Auf den Punkt gebracht

Zyklothymie ist eine anhaltende Instabilität der Stimmung, bei der sich über mindestens zwei Jahre zahlreiche Phasen leicht gehobener und leicht gedrückter Stimmung abwechseln. Die Schwankungen sind schwächer als bei einer Bipolaren Störung, verursachen aber deutliches Leiden oder Einschränkungen im Alltag. Die WHO zählt die Zyklothymie heute zu den bipolaren Störungen.

Was ist Zyklothymie?

Menschen mit Zyklothymie erleben über Jahre ein ständiges Auf und Ab ihrer Stimmung. Phasen mit Hochstimmung, Gereiztheit oder Tatendrang wechseln sich mit Phasen ab, in denen sie sich niedergeschlagen, lustlos und müde fühlen. Keine dieser Phasen ist jedoch so stark oder so lang, dass die Kriterien für eine Bipolare Störung oder eine wiederkehrende Depression erfüllt wären.

In der in Österreich verwendeten Diagnoseklassifikation ICD-10 gehört die Zyklothymie zu den anhaltenden affektiven Störungen. Die neuere WHO-Klassifikation ICD-11 ordnet sie den bipolaren und verwandten Störungen zu. Von gewöhnlichen Stimmungsschwankungen unterscheidet sie sich dadurch, dass die wiederholten Schwankungen deutlich belasten oder den Alltag erschweren.

Woher kommt der Begriff?

Der Name enthält das griechische Wort „kýklos“ für Kreis oder Kreislauf. Eine Fachübersicht beschreibt die Zyklothymie entsprechend als „zirkuläre“, also im Kreis wiederkehrende Stimmungsstörung. Geprägt haben das Konzept die deutschen Psychiater Ewald Hecker und Karl Ludwig Kahlbaum im späten 19. Jahrhundert. Kahlbaum beschrieb die Zyklothymie 1882 als vergleichsweise milde Form der manisch-depressiven Erkrankung.

Später wurde der Begriff uneinheitlich verwendet. Erst die modernen Klassifikationen fassten die Zyklothymie wieder als eigene, leichtere Stimmungsstörung.

Woran erkennt man eine Zyklothymie?

Kennzeichen ist eine Instabilität der Stimmung über mindestens zwei Jahre, bei Kindern kann schon etwa ein Jahr reichen. Die Beschwerden bestehen an mehr Tagen als nicht. Kurze beschwerdefreie Zeiten sind möglich, längere Pausen von etwa zwei Monaten oder mehr dagegen nicht.

In den gehobenen Phasen zeigen sich zum Beispiel Euphorie, Reizbarkeit oder gesteigerter Antrieb. In den gedrückten Phasen stehen Niedergeschlagenheit, weniger Interesse an Aktivitäten und Müdigkeit im Vordergrund. Eine ausgeprägte Manie hat es nie gegeben, und in den ersten zwei Jahren erreicht keine Tiefphase das Ausmaß einer depressiven Episode. Psychotische Beschwerden wie Wahnvorstellungen sind untypisch.

Ärztlich abzuklären ist, ob eine körperliche Ursache wie eine Schilddrüsenüberfunktion oder die Wirkung von Medikamenten und Drogen dahintersteckt.

Wie verläuft eine Zyklothymie?

Die Zyklothymie beginnt meist in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter und verläuft oft schleichend und anhaltend. In der Pubertät kann sie schwer von normalen Stimmungsschwankungen zu unterscheiden sein. Bei Verwandten von Menschen mit Bipolarer Störung kommt sie häufig vor.

Wer eine Zyklothymie hat, trägt laut ICD-11 ein hohes Risiko, im Lauf des Lebens eine Bipolare Störung Typ I oder Typ II zu entwickeln. Bei Kindern und Jugendlichen bilden sich die Beschwerden dagegen meist wieder zurück, doch laut ICD-11 bestehen bei ihnen häufig zusätzlich andere psychische Erkrankungen, besonders oft ADHS.

Was hilft bei Zyklothymie?

Die Behandlung der Zyklothymie ist wenig erforscht, das Wissen stammt vor allem aus Beobachtungen und Erfahrungen von Fachleuten. Einzelne Studien zeigen eine leichte bis mäßige Wirkung von Stimmungsstabilisierern, vor allem von Lithium, beim Vorbeugen neuer Krankheitsphasen. Nicht alle Ergebnisse zu Lithium sind allerdings günstig. Lithium erfordert laut WHO regelmäßige ärztliche und Laborkontrollen und soll in Schwangerschaft und Stillzeit möglichst vermieden werden.

Antidepressiva gelten bei Zyklothymie als umstritten. Laut einer Übersichtsarbeit können sie bei manchen Betroffenen Hochphasen oder gemischte Zustände auslösen und die Schwankungen verstärken. Deshalb gehört jede Medikamenteneinnahme in ärztliche Absprache.

Fachleute halten Psychoedukation für einen wichtigen Baustein. Dabei lernen Betroffene, ihre Stimmungsschwankungen und deren Warnzeichen besser zu verstehen. Bei Bedarf kommt Psychotherapie hinzu.

Wer hilft in Österreich?

Anlaufstellen sind Ärzt:innen für Allgemeinmedizin, Fachärzt:innen für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, Psychotherapeut:innen und Klinische Psycholog:innen. Notwendige und zweckmäßige Diagnose- und Therapiemaßnahmen übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung, bei manchen Leistungen fallen Selbstbehalte oder Kostenbeiträge an.

Bei Gedanken an Suizid hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 zu rufen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (15)