Was ist Hyperhidrose?
Schwitzen ist lebenswichtig, denn verdunstender Schweiß kühlt den Körper und schützt ihn vor Überhitzung. Wie viel ein Mensch schwitzt, hängt von den Bedingungen ab, etwa von Anstrengung oder Hitze. Bei einer Hyperhidrose ist diese Funktion gestört. Die Schweißdrüsen werden übermäßig angeregt, und Betroffene schwitzen auch ohne erkennbaren Anlass und unter Bedingungen, bei denen die meisten Menschen nicht schwitzen.
Das Wort stammt aus dem Griechisch-Neulateinischen, der Duden erklärt es als „übermäßige, krankhaft vermehrte Schweißabsonderung“. Nicht jedes starke Schwitzen ist eine Hyperhidrose, denn auch Anstrengung, Stress und psychische Belastung steigern die Schweißbildung.
Woran erkennt man eine Hyperhidrose?
Am häufigsten betroffen sind Handflächen, Fußsohlen, Stirn und Achseln, Fachleute sprechen dann von fokaler Hyperhidrose. Betrifft das Schwitzen die meisten Bereiche des Körpers, heißt es allgemeines oder generalisiertes Schwitzen. Manche Betroffene schwitzen beinahe ständig, auch die Kleidung kann schweißgetränkt sein.
Ständig feuchte Haut kann sich röten und entzünden oder blass werden, Falten bilden und einreißen. Zersetzen Bakterien und Pilze der Haut den Schweiß, entsteht ein unangenehmer Geruch. Viele Betroffene erleben durch das Schwitzen Angst und ziehen sich sozial zurück, was das Schwitzen noch verstärken kann.
Welche Formen gibt es und wie entstehen sie?
Fachleute unterscheiden zwei Formen. Der primären Hyperhidrose liegt keine äußere Ursache oder Erkrankung zugrunde. Die sekundäre Hyperhidrose tritt bei einer Grunderkrankung auf, etwa bei einer Schilddrüsenüberfunktion, Infektionen, Krebs, Hormonstörungen, neurologischen oder psychischen Erkrankungen oder in den Wechseljahren. Auch Medikamente wie manche Antidepressiva oder Kortisonpräparate können vermehrtes Schwitzen auslösen.
Beim Schwitzen am ganzen Körper lässt sich laut MSD Manual meist keine Ursache finden. Stecken Krebs oder Infektionen dahinter, zeigt sich das vor allem als Nachtschweiß.
Wie wird Hyperhidrose abgeklärt und behandelt?
Zuerst wird ärztlich geklärt, ob tatsächlich eine Hyperhidrose vorliegt und ob eine Erkrankung oder ein Medikament dahintersteckt. Dazu kommen eine körperliche Untersuchung und bei Bedarf Blut- und Hormontests.
Bei der sekundären Form zielt die Behandlung auf die Grunderkrankung. Bei der primären Form richtet sie sich nach der Situation der Betroffenen und der Körperstelle. Häufig eingesetzt werden Lösungen mit Aluminiumchlorid, die die Ausführgänge der Schweißdrüsen verschließen. Auf entzündete, verletzte, feuchte oder frisch rasierte Haut gehören sie nicht.
An Händen und Füßen kommt die Leitungswasser-Iontophorese infrage, bei der schwacher Strom durch ein Wasserbad geleitet wird. Laut MSD Manual wirkt sie meist, ist aber zeitaufwendig. Botulinumtoxin wird vor allem in die Achseln gespritzt und hemmt das Schwitzen etwa fünf Monate lang. Die Spritzen sind schmerzhaft und können Muskelschwäche oder Kopfschmerzen verursachen.
Weitere Möglichkeiten sind Wärmeverfahren wie Mikrowellen, Laserbehandlungen sowie Tabletten bei Schwitzen am ganzen Körper. Manche dieser Medikamente, die Anticholinergika, können Mundtrockenheit, verschwommenes Sehen und Probleme beim Wasserlassen verursachen.
Operationen kommen erst infrage, wenn andere Behandlungen nicht helfen. Dabei werden Schweißdrüsen der Achseln entfernt oder bestimmte Nerven im Brustraum durchtrennt, die sogenannte Sympathektomie. Nach einer Sympathektomie schwitzen laut MSD Manual rund 80 von 100 Operierten verstärkt an anderen Körperstellen, was mitunter belastender ist als das ursprüngliche Problem.
Wann sollte Schwitzen ärztlich abgeklärt werden?
Übermäßiges Schwitzen lässt sich hausärztlich, dermatologisch oder neurologisch abklären. Nachtschweiß hat oft harmlose Gründe wie ein zu warmes Schlafzimmer, Stress, Albträume oder Alkohol, Kaffee und scharfes Essen am Abend. Er kann aber auch bei Infektionen mit Fieber, Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes oder Krebs auftreten.
Fieber über 38 Grad ohne erkennbare Ursache, Nachtschweiß und ungewollter Gewichtsverlust können zusammen laut Gesundheitsportal Anzeichen für ein Lymphom sein. Fachleute nennen diese Kombination B-Symptomatik, sie ist ein Grund, die Ursache ärztlich abklären zu lassen.