balancio

Wahnhafte Störung

05:08

Auf den Punkt gebracht

Bei einer wahnhaften Störung hält ein Mensch lange an einer falschen Überzeugung fest, etwa verfolgt oder vom Partner betrogen zu werden. Andere typische Beschwerden einer Psychose fehlen weitgehend, und viele Betroffene bewältigen ihren Alltag und Beruf. Die Behandlung kann schwierig sein, weil manche fest an ihre Überzeugung glauben und Hilfe ablehnen.

Was ist eine wahnhafte Störung?

Eine wahnhafte Störung ist eine psychische Erkrankung, bei der ein Wahn oder eine Gruppe zusammenhängender Wahnideen im Mittelpunkt steht. Anders als bei einer Schizophrenie fehlen andere hervorstechende Psychose-Beschwerden wie deutliche Halluzinationen oder ungeordnetes Denken und Sprechen. Abgesehen vom Wahn selbst sind Gefühle, Sprache und Verhalten meist unauffällig.

Wie lange der Wahn bestehen muss, beschreiben die Fachquellen unterschiedlich. Das MSD Manual nennt mindestens einen Monat, die WHO-Klassifikation ICD-11 in der Regel mindestens drei Monate. Die Erkrankung zeigt sich meist erstmals im mittleren oder höheren Erwachsenenalter und ist seltener als eine Schizophrenie.

Woher kommt der Begriff?

Ein ähnliches Krankheitsbild beschrieb der Psychiater Emil Kraepelin: Menschen mit langsam entstehenden, nicht bizarren Wahnideen ohne Halluzinationen, deren Zustand oft über Jahre stabil blieb. Er nannte dieses Krankheitsbild in den Auflagen seines Lehrbuchs zwischen 1887 und 1899 „Verrücktheit“ oder Paranoia. Das griechische Wort paránoia bedeutet „Unverstand, Verrücktheit, Wahnsinn“ und gelangte Anfang des 19. Jahrhunderts in die Sprache der Medizin.

Welche Formen gibt es?

Die Wahninhalte unterscheiden sich von Mensch zu Mensch, bleiben bei einer Person aber meist gleich. Häufig betreffen sie Dinge, die im wirklichen Leben vorkommen könnten, etwa verfolgt, vergiftet oder heimlich geliebt zu werden.

Beim Verfolgungswahn fühlen sich Betroffene hintergangen, ausspioniert oder schikaniert und wenden sich deshalb manchmal wiederholt an Behörden. Beim Eifersuchtswahn sind sie ohne echten Grund von der Untreue des Partners oder der Partnerin überzeugt. Beim Liebeswahn glauben sie, eine andere Person sei in sie verliebt, und versuchen oft, Kontakt aufzunehmen, bis hin zum Stalking. Beim Größenwahn halten sie sich etwa für besonders begabt, beim körperbezogenen Wahn glauben sie zum Beispiel, unangenehm zu riechen oder von Parasiten befallen zu sein.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Ärzt:innen stützen sich vor allem auf die Vorgeschichte und die Beschwerden. Eine körperliche Untersuchung und manchmal weitere Tests sollen andere Ursachen ausschließen. Denn auch ein Hirntumor, Drogen oder Medikamente wie Kortison und ein Alkoholentzug können einen Wahn auslösen. Zur Diagnose gehört zudem die Einschätzung, wie wahrscheinlich es ist, dass jemand nach seinem Wahn handelt.

Was hilft bei einer wahnhaften Störung?

Ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis zur behandelnden Ärztin oder zum behandelnden Arzt gilt als wesentlich. Erst auf dieser Grundlage lassen sich manche Betroffene zu einer Behandlung ermutigen. Antipsychotika können helfen, lindern die Beschwerden aber nicht immer. Gefährdet jemand sich oder andere, kann ein Klinikaufenthalt nötig sein.

Die Studienlage ist dünn. Eine Cochrane-Übersicht von 2015 fand nur eine einzige kleine geeignete Studie zur kognitiven Verhaltenstherapie, in der 17 Personen die Behandlung abschlossen. Für Empfehlungen zu irgendeiner Behandlung reichten die Belege nicht aus. Bis bessere Studien vorliegen, halten die Autor:innen Behandlungen für vertretbar, die bei anderen psychotischen Erkrankungen wirken.

Wie verläuft die Erkrankung?

Eine wahnhafte Störung führt meist nicht zu schweren Beeinträchtigungen. Die meisten können weiter berufstätig sein. Probleme entstehen vor allem dort, wo der Wahn das Leben berührt, etwa in der Partnerschaft. Manche verstricken sich mit der Zeit immer stärker in ihre Wahnvorstellungen.

Wer hilft in Österreich?

Psychotische Beschwerden sollten immer ärztlich abgeklärt werden. Spezialisiert sind Fachärzt:innen für Psychiatrie, ein erstes Gespräch ist auch bei Hausärzt:innen möglich. In einer akuten Krise raten Fachleute Angehörigen, die Person und ihre Wahrnehmung ernst zu nehmen, ohne sie zurechtzuweisen, und rasch Hilfe zu holen.

Bei Anzeichen von Selbst- oder Fremdgefährdung ist die Rettung unter 144 zu rufen, bei akuter Gefahr für die Sicherheit die Polizei unter 133. Bei Gedanken an Suizid hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (9)