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Paranoia

05:20

Auf den Punkt gebracht

Paranoia bezeichnet ein übersteigertes Misstrauen, bei dem Menschen glauben, andere wollten ihnen absichtlich schaden, obwohl das nicht zutrifft. Die Spannweite reicht von einzelnen misstrauischen Gedanken, die viele Menschen kennen, bis zum Verfolgungswahn bei einer Psychose. Ausgeprägte Paranoia kommt bei verschiedenen psychischen Erkrankungen vor, etwa bei Psychosen oder der paranoiden Persönlichkeitsstörung.

Was ist Paranoia?

Jeden Tag schätzen Menschen ein, ob sie anderen trauen können. Fällt diese Einschätzung zu negativ aus, spricht man von Paranoia. Betroffene sind dann überzeugt, dass andere ihnen bewusst schaden wollen, obwohl das nicht der Fall ist.

Die WHO-Klassifikation ICD-11 beschreibt paranoide Gedanken als die Vorstellung, schikaniert, verfolgt oder ungerecht behandelt zu werden, ohne dass sie mit wahnhafter Gewissheit festgehalten wird. Hält jemand dagegen fest daran und ändern Gegenbeweise daran nichts oder nur kurz, spricht man von einem Verfolgungswahn. Im übertragenen Sinn steht „Paranoia“ außerdem für ein Klima allgemeinen Misstrauens, etwa in der Politik.

Woher kommt der Begriff?

Das griechische Wort paránoia bedeutete „Unverstand, Verrücktheit, Wahnsinn“. Es gehört zu einem Verb für „missverstehen, von Sinnen sein“, in dem noeín für „wahrnehmen“ steckt. In die Sprache der Medizin kam es Anfang des 19. Jahrhunderts.

In der in Österreich verwendeten ICD-10 ist „Paranoia“ ein anderer Name für die wahnhafte Störung. Die paranoide Persönlichkeitsstörung und die paranoide Schizophrenie werden dort gesondert geführt.

Ist Misstrauen schon Paranoia?

Nicht jedes Misstrauen ist krankhaft, denn echte Gefahren gibt es, und sie zu erkennen, ist keine Paranoia. Misstrauische Gedanken sind zudem weit verbreitet. Laut einer Übersichtsarbeit haben viele Menschen einige paranoide Gedanken und wenige Menschen viele.

Forschende um den Oxforder Psychologen Daniel Freeman sehen den Verfolgungswahn deshalb als äußerstes Ende eines Spektrums, das beim alltäglichen Misstrauen beginnt. Diese Sichtweise ist in der Fachwelt allerdings nicht unumstritten.

Wie entsteht Paranoia?

Vermutlich wirken mehrere Ursachen zusammen, und jede einzelne erhöht nur die Wahrscheinlichkeit. Die Übersichtsarbeit nennt sechs Einflüsse: eine Neigung zum Sich-Sorgen, ein negatives Bild von sich selbst, große Empfindlichkeit im Umgang mit anderen, Schlafstörungen, ungewohnte innere Wahrnehmungen und Denkfehler wie vorschnelle Schlussfolgerungen. Belastende Erlebnisse, Drogen und das Leben in der Stadt können diese Einflüsse mitprägen.

In einem Versuch löste der Cannabis-Wirkstoff THC bei Menschen aus der Allgemeinbevölkerung, die bereits paranoide Gedanken kannten, Paranoia aus. Auch Kokain kann eine Psychose mit paranoiden Wahnvorstellungen hervorrufen. Menschen, die sich bedroht fühlen, schützen sich oft, etwa indem sie Vorhänge schließen oder Blickkontakt meiden. Gerade dadurch fehlt aber die Erfahrung, dass eigentlich nichts passiert, und das Misstrauen bleibt bestehen.

Bei welchen Erkrankungen tritt Paranoia auf?

Ausgeprägte Paranoia ist ein häufiges Merkmal von Psychosen. Bei einer ersten Psychose haben laut der Übersichtsarbeit mehr als 70 von 100 Betroffenen einen Verfolgungswahn.

Bei der paranoiden Persönlichkeitsstörung sind Menschen ab dem frühen Erwachsenenalter anderen gegenüber dauerhaft misstrauisch. Daraus kann sich eine wahnhafte Störung entwickeln.

Was hilft bei Paranoia?

Ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis zu den Behandelnden gilt als wesentlich, weil manche Betroffene Hilfe zunächst ablehnen. Antipsychotika können bei einem Wahn helfen, lindern die Beschwerden aber nicht immer.

Neuere psychologische Behandlungen setzen gezielt an einzelnen Einflüssen an, etwa an Sorgen oder Schlafproblemen. In einer Studie der Forschungsgruppe mit 150 Menschen mit anhaltendem Verfolgungswahn verringerte eine kurze kognitive Verhaltenstherapie gegen Sorgen sowohl die Sorgen als auch den Wahn.

Wer hilft in Österreich?

Erste Anlaufstelle bei Verdacht auf eine Psychose sind Fachärzt:innen für Psychiatrie, ein erstes Gespräch ist auch bei Hausärzt:innen möglich. Klinische Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen können in Diagnostik und Behandlung eingebunden sein.

Paranoide Gedanken mit daraus folgendem Verhalten können ein psychiatrischer Notfall sein. Angehörigen raten Fachleute, ruhig zu bleiben und die Person und ihre Wahrnehmung ernst zu nehmen, ohne sie zurechtzuweisen. Bei Selbst- oder Fremdgefährdung ist die Rettung unter 144 zu rufen, bei akuter Gefahr für die Sicherheit die Polizei unter 133. Bei Gedanken an Suizid hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (10)