Die paranoide Persönlichkeitsstörung ist eine psychische Erkrankung, bei der Menschen anderen tief und dauerhaft misstrauen. Sie deuten die Absichten anderer als feindselig oder schädlich, auch wenn es dafür kaum oder keine Gründe gibt. Eine nachweislich wirksame Behandlung gibt es bisher nicht, eine kognitive Verhaltenstherapie kann versucht werden, und Medikamente können einzelne Beschwerden lindern.
Was ist eine paranoide Persönlichkeitsstörung?
Menschen mit einer paranoiden Persönlichkeitsstörung gehen davon aus, dass andere sie ausnutzen, betrügen oder ihnen schaden wollen. Deshalb suchen sie ständig nach möglichen Beleidigungen, Herabsetzungen oder versteckten Botschaften. Selbst ein Hilfsangebot kann für sie bedeuten, dass man ihnen die Aufgabe nicht zutraut.
Die in Österreich verwendete Klassifikation ICD-10 beschreibt die Störung unter anderem durch große Empfindlichkeit gegenüber Zurückweisung und das lange Nachtragen von Kränkungen. Neutrale oder freundliche Handlungen werden als feindlich missdeutet. Hinzu kommen oft unbegründete Zweifel an der Treue des Partners oder der Partnerin und ein streitbares, beharrliches Bestehen auf eigenen Rechten.
Für die USA nennt das MSD Manual eine Häufigkeit von ungefähr 3 bis 5 Prozent. Ob Männer oder Frauen häufiger betroffen sind, beurteilen die Quellen unterschiedlich.
Woher kommt der Begriff?
Das Wort Paranoia stammt aus dem Griechischen und bedeutete ursprünglich Unverstand oder Wahnsinn, abgeleitet von einem Verb für „missverstehen“. In die Sprache der Medizin kam es Anfang des 19. Jahrhunderts. Als vermutlich erste systematische Beschreibung der paranoiden Persönlichkeit gilt jene von Emil Kraepelin. Er nannte Misstrauen, das Suchen nach geheimen Motiven, Reizbarkeit und das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden. Eugen Bleuler wies darauf hin, dass dabei kein voll ausgeprägter Wahn besteht.
Woran erkennt man eine paranoide Persönlichkeitsstörung?
Typisch ist ein anhaltendes Misstrauen in vielen Lebensbereichen. Betroffene vertrauen sich anderen nur ungern an, weil sie fürchten, dass Persönliches gegen sie verwendet wird. Sie zweifeln an der Loyalität von Freund:innen und Kolleg:innen, vergeben Kränkungen kaum und reagieren schnell mit einem Gegenangriff. Enge Beziehungen entstehen deshalb selten. Reagieren andere ablehnend, sehen sie darin oft eine Bestätigung ihres Verdachts.
Die Muster beginnen spätestens im frühen Erwachsenenalter. In der neuen ICD-11 der WHO gibt es keine eigene paranoide Form mehr. Misstrauen wird dort als ein möglicher Zug einer Persönlichkeitsstörung beschrieben.
Wie entsteht eine paranoide Persönlichkeitsstörung?
Die Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Einiges spricht dafür, dass die Störung in Familien gehäuft vorkommt. Emotionaler oder körperlicher Missbrauch und andere Gewalterfahrungen in der Kindheit können zur Entstehung beitragen. Eine Übersichtsarbeit sieht einen engen Zusammenhang mit Kindheitstraumata und sozialem Stress.
Was hilft bei einer paranoiden Persönlichkeitsstörung?
Eine nachweislich wirksame Behandlung gibt es bisher nicht, eigene Studien zur Therapie fehlen weitgehend. Weil Betroffene auch Ärzt:innen und Therapeut:innen misstrauen, ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit oft schwer aufzubauen. Fachleute erkennen deshalb häufig an, was an einem Verdacht berechtigt sein könnte. Sind Betroffene bereit mitzumachen, kann eine kognitive Verhaltenstherapie hilfreich sein.
Ansprechpersonen in Österreich sind Fachärzt:innen für Psychiatrie, Psychotherapeut:innen und Klinische Psycholog:innen. Mehr zum Thema steht im Glossarbegriff „Persönlichkeitsstörung“.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.