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Schizoaffektive Störung

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Auf den Punkt gebracht

Bei einer schizoaffektiven Störung treten typische Beschwerden einer Schizophrenie, etwa Wahnvorstellungen oder Halluzinationen, zusammen mit einer ausgeprägten Depression oder Manie auf. Sie zählt zu den psychotischen Erkrankungen und verläuft meist in Episoden. Behandelt wird in der Regel mit Medikamenten, Psychotherapie und Unterstützung bei der Rückkehr in den Alltag.

Was ist eine schizoaffektive Störung?

Eine schizoaffektive Störung verbindet psychotische Beschwerden mit einer Störung der Stimmung. Psychotisch bedeutet, dass der Bezug zur Realität teilweise verloren geht, etwa durch Wahn, Stimmenhören oder ungeordnetes Denken. „Affekt“ meint die Gefühle und die Stimmung eines Menschen.

Nach der WHO-Klassifikation ICD-11 sind in derselben Krankheitsepisode die Kriterien einer Schizophrenie und einer Stimmungsepisode erfüllt. Die Beschwerden treten gleichzeitig oder im Abstand weniger Tage auf und halten mindestens einen Monat an. Die Stimmungsepisode kann eine mittelgradige oder schwere Depression sein, mit gedrückter Stimmung, Interessenverlust und wenig Energie. Ebenso möglich ist eine Manie mit gehobener oder gereizter Stimmung und gesteigerter Aktivität oder eine Mischung aus beidem.

Woher kommt der Begriff?

Schwere psychische Erkrankungen wurden lange entweder der Schizophrenie oder den Stimmungserkrankungen zugeordnet. Manche Patient:innen passten aber in keine der beiden Gruppen. Für sie führte Jacob Kasanin im Jahr 1933 den Begriff „schizoaffektive Psychose“ ein. Seit 1952 kommt der Begriff in allen Ausgaben des US-amerikanischen Diagnosehandbuchs DSM vor.

Bis heute ist umstritten, wie die Störung einzuordnen ist. Manche Fachleute sehen in ihr eine eigene Erkrankung, andere eine Form der Schizophrenie oder eine Stimmungserkrankung.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Ärzt:innen ziehen die Diagnose in Betracht, wenn eine Psychose und zugleich deutliche Stimmungsbeschwerden vorliegen. Um sie von einer Schizophrenie oder einer reinen Stimmungserkrankung abzugrenzen, müssen sie den Verlauf unter Umständen über längere Zeit beobachten. Ausgeschlossen werden muss auch, dass eine andere Erkrankung wie ein Hirntumor, ein Medikament wie Kortison oder ein Alkoholentzug die Beschwerden auslöst.

Die Diagnosesysteme setzen die Grenzen unterschiedlich. Nach dem MSD Manual müssen die Stimmungsbeschwerden länger als die Hälfte der gesamten Krankheitsdauer bestehen. Zusätzlich muss es eine Zeit von zwei Wochen mit Wahn oder Halluzinationen ohne ausgeprägte Stimmungsepisode geben. Die ICD-11 stellt dagegen auf die einzelne Krankheitsepisode ab. Eine Fachübersicht von 2009 hielt die damaligen Diagnosekriterien zudem für wenig zuverlässig.

Wie verläuft die Erkrankung?

Der Verlauf liegt laut einer Fachübersicht meist zwischen dem einer Schizophrenie und dem einer Bipolaren Störung. Frauen sind häufiger betroffen. Je nach Art der Stimmungsepisoden unterscheiden Fachleute einen depressiven und einen bipolaren Typ.

Was hilft bei einer schizoaffektiven Störung?

Weil die Erkrankung oft zu einer langfristigen Beeinträchtigung führt, ist laut MSD Manual eine umfassende Behandlung nötig. Dazu gehören Antipsychotika, Psychotherapie und Maßnahmen, die die Rückkehr in Alltag und Beruf unterstützen. Je nach Typ scheinen laut einer Übersichtsarbeit zusätzlich Antidepressiva oder Stimmungsstabilisierer zu helfen. Auch eine Elektrokrampftherapie kann wirksam sein. Gut untersucht ist die Behandlung aber nicht, die Forschung dazu gilt als unzureichend.

Antipsychotika können Nebenwirkungen wie Bewegungsstörungen, Gewichtszunahme und ein höheres Diabetesrisiko haben, selten auch Herzrhythmus- oder Blutbildstörungen. Sie sollten nicht plötzlich abgesetzt werden, weil dann eher ein Rückfall droht. Besondere Vorsicht verlangen manche Stimmungsstabilisierer, etwa Lithium und Valproinsäure, vor allem bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft. Mehr dazu steht im Glossarbegriff „Bipolare Störung“.

Wer hilft in Österreich?

Diagnose und Behandlung liegen bei Fachärzt:innen für Psychiatrie, ein erstes Gespräch ist auch bei Hausärzt:innen möglich. Psychotherapeut:innen, Klinische Psycholog:innen und psychosoziale Dienste können in die Behandlung eingebunden sein.

In einer akuten Krise mit Realitätsverlust oder Anzeichen von Selbst- oder Fremdgefährdung ist die Rettung unter 144 zu rufen. Bei Gedanken an Suizid hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (11)