Psychopharmaka sind Medikamente, die auf die Funktionen des Gehirns wirken und vor allem zur Behandlung psychischer Erkrankungen eingesetzt werden. Zu ihnen zählen etwa Antidepressiva, Antipsychotika, Stimmungsstabilisierer sowie Beruhigungs- und Schlafmittel. Verschrieben werden sie ärztlich, und Dosis oder Einnahme sollen nur in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt verändert werden.
Was sind Psychopharmaka?
Ein Psychopharmakon ist ein Medikament, das die Funktionen des Gehirns beeinflusst und zur Behandlung psychischer Erkrankungen dient. Fast alle Psychopharmaka wirken laut Gesundheitsportal auf die chemische Signalübertragung zwischen Nervenzellen, am sogenannten synaptischen Spalt. Dadurch verändern sie die psychische Verfassung.
Das Wort verbindet „psycho-“ mit dem griechischen phármakon, das „Heilmittel, Arznei“, aber auch „Gift“ bedeuten konnte. Das griechische psychḗ steht unter anderem für „Atem, Seele, Gemüt“. Die Wissenschaft von diesen Medikamenten heißt Psychopharmakologie.
Woher kommen Psychopharmaka?
Die wichtigsten Gruppen wurden in einem knappen Jahrzehnt zwischen den späten 1940er- und den späten 1950er-Jahren eingeführt. Im Jahr 1949 setzte John Cade Lithium gegen Manien ein und brachte damit einen Stoff zurück in die Psychiatrie, der dort schon im 19. Jahrhundert verwendet worden war. Ende 1950 wurde in Frankreich Chlorpromazin hergestellt und 1952 in die Psychiatrie eingeführt. Die Entdeckung seiner antipsychotischen Wirkung gilt als Beginn der modernen Psychopharmakologie.
Wenig später entdeckte der Schweizer Psychiater Roland Kuhn die antidepressive Wirkung von Imipramin, dem ersten trizyklischen Antidepressivum. Eine historische Übersichtsarbeit sieht den späteren Erfolg der Psychopharmaka allerdings nicht nur in immer wirksameren Mitteln begründet. Auch Fortschritte der Grundlagenforschung, wirtschaftliche Interessen, Marketing und der Umbau der psychiatrischen Versorgung hätten dazu beigetragen.
Antipsychotika, auch Neuroleptika genannt, kommen vor allem bei Psychosen zum Einsatz und lindern etwa Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Bei einer Bipolaren Störung sollen Stimmungsstabilisierer wie Lithium oder bestimmte Mittel gegen Epilepsie neuen Krankheitsphasen vorbeugen. Benzodiazepine wirken angstlösend, beruhigend und schlaffördernd, sie werden ebenso wie die verwandten Z-Substanzen als Beruhigungs- und Schlafmittel eingesetzt.
Wie gut und wie schnell wirken sie?
Antidepressiva wirken nicht sofort, eine spürbare Besserung setzt meist erst nach ein bis zwei Wochen ein, manchmal später. Wie viel sie nützen, hängt vom Schweregrad ab.
Bei mittelschweren und schweren Depressionen besserten sich die Beschwerden in Studien bei etwa 50 von 100 Menschen innerhalb von sechs bis acht Wochen. Mit einem Scheinmedikament waren es etwa 30 von 100. Bei leichten Depressionen helfen sie dagegen kaum oder gar nicht.
Lange galt als Erklärung, dass sie die Verfügbarkeit von Botenstoffen wie Serotonin im Gehirn verbessern. Laut IQWiG ist heute aber umstritten, ob diese Erklärung stimmt. Antipsychotika wirken häufig schon nach Stunden bis Tagen, manchmal erst nach einigen Wochen. Bei einer Schizophrenie senken sie das Risiko eines Rückfalls deutlich, verhindern ihn aber nicht in jedem Fall.
Welche Nebenwirkungen und Risiken gibt es?
Wie alle Medikamente können Psychopharmaka Nebenwirkungen haben, die je nach Wirkstoff und Dosis verschieden sind. Bei Antidepressiva berichten mehr als die Hälfte der Behandelten davon, meist in den ersten Wochen, etwa von Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, innerer Unruhe oder sexuellen Störungen. SSRI erhöhen leicht das Blutungsrisiko. Werden sie regelmäßig zusammen mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure eingenommen, steigt das Risiko für Magenblutungen laut Sozialministerium um ein Vielfaches. Diese Kombination soll vermieden werden.
Antipsychotika können Bewegungsstörungen, Gewichtszunahme und ein höheres Diabetesrisiko mit sich bringen. Manche Bewegungsstörungen entstehen erst nach Jahren und halten dann oft lange an.
Lithium wirkt nur in einem schmalen Bereich zwischen zu wenig und zu viel, deshalb wird der Blutspiegel regelmäßig kontrolliert. Laut Gesundheitsportal darf Lithium in Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden, weil es das ungeborene Kind schädigen kann. Mehr zu Medikamenten in der Schwangerschaft steht im Glossarbegriff „Bipolare Störung“. Benzodiazepine und Z-Substanzen können schon nach wenigen Wochen abhängig machen, laut IQWiG wird eine Einnahme von höchstens vier Wochen empfohlen. Zusammen mit Alkohol oder anderen Psychopharmaka sind sie besonders bedenklich.
Bestimmte Antidepressiva dürfen nicht miteinander kombiniert werden, weil sonst Vergiftungserscheinungen drohen. Ein Beispiel ist das Serotonin-Syndrom, das laut Gesundheitsportal durch die Anhäufung serotonerg wirkender Substanzen im Körper entstehen kann. Deshalb gehören auch rezeptfreie und pflanzliche Mittel in das ärztliche Gespräch. Bei Kinderwunsch oder Schwangerschaft soll die Behandlung ebenfalls ärztlich abgestimmt werden.
Ob Antidepressiva Suizidgedanken verstärken können, wird unterschiedlich bewertet. Laut IQWiG deuten Studien darauf hin, dass Jugendliche unter SSRI oder SSNRI häufiger an Suizid denken und es häufiger versuchen. Laut MSD Manual betrifft das Risiko vor allem Kinder und Jugendliche in den ersten Wochen, Behandelte sollen in dieser Zeit eng begleitet werden. Wer sich nach Beginn der Einnahme oder nach einer Dosiserhöhung unruhiger, ängstlicher oder niedergeschlagener fühlt, soll das umgehend ärztlich melden. Eine unbehandelte Depression gilt laut MSD Manual allerdings als größeres Suizidrisiko als dieses vorübergehende Risiko zu Behandlungsbeginn. Eine Broschüre des Sozialministeriums sieht keine sicheren Hinweise darauf, dass SSRI zu häufigeren Suiziden, Suizidversuchen oder Suizidgedanken führen.
Was ist beim Absetzen zu beachten?
Psychopharmaka sollen nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Auch die Dosis soll nicht eigenmächtig erhöht oder verringert werden. Antidepressiva machen zwar nicht körperlich abhängig, beim Absetzen können aber vorübergehend Schlafstörungen, Übelkeit, Unruhe oder Schwindel auftreten. Solche Absetzsymptome werden laut Sozialministerium häufig fälschlich für einen Rückfall gehalten. Deshalb wird die Dosis schrittweise über Wochen verringert.
Wer die Einnahme beendet, sobald es besser geht, erhöht das Risiko, dass die Depression zurückkehrt. Auch Antipsychotika sollen nicht plötzlich abgesetzt werden, weil sonst eher ein Rückfall droht. Bei Schlaf- und Beruhigungsmitteln hilft ein langsames Ausschleichen mit ärztlicher Begleitung, Entzugserscheinungen vorzubeugen.
Wer verschreibt Psychopharmaka in Österreich?
Das Verordnen von Heilmitteln gehört laut Ärztegesetz zu den ärztlichen Aufgaben. Eine erste Anlaufstelle kann die Hausärztin oder der Hausarzt sein. Auf die Diagnose und Behandlung psychischer Erkrankungen spezialisiert sind Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, bei Kindern und Jugendlichen für Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Medikamente sind dabei oft nur ein Teil der Behandlung. Bei schweren Depressionen empfehlen Fachleute eine Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie.
Was tun im Notfall?
Bei Verdacht auf eine Überdosis berät die Vergiftungsinformationszentrale unter 01 406 43 43. Bei schweren Anzeichen und in jedem anderen Notfall ist die Rettung unter 144 zu rufen. Bei Gedanken an Suizid hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.
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