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Demenz

09:10

Auf den Punkt gebracht

Demenz ist ein Oberbegriff für Erkrankungen des Gehirns, bei denen Gedächtnis, Denken, Orientierung und Sprache nach und nach nachlassen. Dadurch wird es immer schwerer, den Alltag selbstständig zu bewältigen. Die häufigste Form ist die Alzheimer-Krankheit, die meisten Formen sind nicht heilbar, doch Behandlung und Unterstützung können die Lebensqualität von Erkrankten und Angehörigen verbessern.

Was ist Demenz?

Demenz bezeichnet einen krankheitsbedingten, erworbenen und fortschreitenden Verlust höherer Gehirnfunktionen, der mindestens sechs Monate besteht. Oft beginnt es unscheinbar: Termine oder kürzlich Erlebtes werden vergessen, Gegenstände verlegt, im Gespräch fehlt das passende Wort. Mit der Zeit können Merkfähigkeit, Auffassungsgabe, Orientierung und Denkvermögen ebenso betroffen sein wie emotionale und soziale Fähigkeiten.

Gehirnzellen gehen mit dem Alter ohnehin verloren, bei einer Demenz sterben sie jedoch krankhaft viel rascher ab. Die Weltgesundheitsorganisation WHO betont, dass Demenz nach dem 65. Lebensjahr zwar häufiger auftritt, aber kein unvermeidlicher Teil des Älterwerdens ist. In Österreich leben laut Schätzungen rund 170.000 Menschen mit einer Form von Demenz, fast zwei Drittel davon sind Frauen.

Woher kommt der Begriff?

Das Wort stammt vom lateinischen „dementia“, dem „Nicht-bei-Sinnen-Sein“, gebildet aus „dē-“ (ab, weg) und „mēns“ (Verstand).

Die häufigste Form trägt den Namen des Psychiaters Alois Alzheimer. Er stellte am 3. November 1906 in Tübingen den Fall der Patientin Auguste D. vor, die er ab 1901 in Frankfurt untersucht hatte. In ihrem Gehirn beschrieb er die Veränderungen, die heute als Plaques und Neurofibrillen bekannt sind. Sein Kollege Emil Kraepelin schlug die Bezeichnung „Alzheimer-Krankheit“ vor und machte sie 1910 mit seinem Lehrbuch bekannt.

Welche Formen gibt es?

Fachleute unterscheiden primäre Demenzen, die im Gehirn selbst entstehen, von sekundären als Folge einer anderen Grunderkrankung. Die Alzheimer-Krankheit macht rund zwei Drittel aller Fälle aus. Dabei lagern sich im Gehirn Eiweiße wie Beta-Amyloid und Tau ab, die die Verständigung der Nervenzellen stören, bis diese absterben. Was die Erkrankung letztlich auslöst, ist noch nicht geklärt.

Die vaskuläre Demenz entsteht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn, etwa nach Schlaganfällen. Weitere Formen sind die Lewy-Körperchen-Demenz, die Demenz bei Parkinson und die frontotemporale Demenz, die eher um das 50. Lebensjahr beginnt und sich vor allem durch Wesensveränderungen zeigt. Oft treten Mischformen auf. Sekundäre Demenzen sind deutlich seltener. Auslöser können etwa eine Alkoholkrankheit, ein Vitaminmangel oder eine Schilddrüsenunterfunktion sein, und nach deren Behandlung kann die Vergesslichkeit zurückgehen.

Wie verläuft eine Demenz?

Die Alzheimer-Demenz verläuft meist schleichend über mehrere Jahre, wobei sich Beschwerden und Hilfebedarf verändern. Zunächst ist vor allem das Kurzzeitgedächtnis betroffen, später auch das Langzeitgedächtnis. Stimmung und Verhalten können sich verändern, manchmal sogar bevor Gedächtnisprobleme auffallen.

Meist werden drei Schweregrade unterschieden. Bei einer leichten Demenz ist ein unabhängiges Leben noch möglich, im mittelschweren Stadium braucht es fremde Hilfe, im schweren dauerhafte Betreuung.

Wie wird Demenz festgestellt?

Erste Anlaufstelle ist die Hausärztin oder der Hausarzt beziehungsweise eine Primärversorgungseinrichtung. Weiter abklären können Fachärzt:innen für Neurologie oder Psychiatrie und Gedächtnisambulanzen, auch Memory-Kliniken genannt.

Zur Abklärung gehören ein ausführliches Gespräch, möglichst auch mit Angehörigen, Kurztests wie der Mini-Mental-Status-Test, Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren wie CT oder MRT. Wichtig ist, andere Ursachen auszuschließen. Auch Depressionen, Flüssigkeits- oder Vitaminmangel und Nebenwirkungen von Medikamenten können ähnliche Beschwerden auslösen und lassen sich oft gut behandeln.

Was hilft bei Demenz?

Degenerative Demenzen wie Alzheimer sind nicht heilbar, deshalb soll die Behandlung geistige Fähigkeiten und Alltagsfertigkeiten möglichst lange erhalten. Bei Alzheimer kommen Acetylcholinesterase-Hemmer wie Donepezil sowie der Wirkstoff Memantin zum Einsatz. Ihr Nutzen liegt in einer leichten Verbesserung der geistigen Leistungen und der Alltagsaktivitäten, den Abbau der Gehirnzellen halten sie nicht auf. Für eine frühe Alzheimer-Erkrankung sind in der EU seit 2025 unter bestimmten Voraussetzungen die Antikörper Lecanemab und Donanemab zugelassen. Sie erfordern eine genaue Abklärung in spezialisierten Einrichtungen, weil schwere Nebenwirkungen wie Hirnblutungen oder Hirnschwellungen auftreten können.

Nicht-medikamentöse Angebote sollen vorhandene Fähigkeiten erhalten und stärken. Für das Training von Alltagsfertigkeiten, etwa in der Ergotherapie, zeigten Untersuchungen einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf. Bei leichter bis mittelschwerer Demenz empfehlen Leitlinien individuelles körperliches Training, ergänzend kann Physiotherapie nützlich sein. Kognitive Übungen bringen laut Studien einen leichten Nutzen, für Gehirnjogging ist eine Wirkung dagegen nicht ausreichend belegt. Musiktherapie eignet sich besonders, wenn Sprache kaum noch möglich ist. Medikamente gegen Unruhe oder Aggression sind erst angezeigt, wenn solche Maßnahmen nicht ausreichend wirken.

Lässt sich Demenz vorbeugen?

Sicher verhindern lässt sich eine Demenz nach heutigem Wissen nicht, das Risiko lässt sich aber beeinflussen. Laut österreichischem Demenzbericht 2025 wären weltweit 45 Prozent der künftigen Erkrankungen potenziell vermeidbar, wenn alle 14 bekannten Risikofaktoren beseitigt wären.

Die WHO empfiehlt deshalb unter anderem Bewegung, Nichtrauchen, keinen schädlichen Alkoholkonsum, soziale und geistige Aktivität, gut eingestellte Blutdruck- und Blutzuckerwerte und bei Bedarf ein Hörgerät. Medikamente, die einer Demenz wirksam vorbeugen, gibt es nicht, und Vitaminpräparate werden dafür ausdrücklich nicht empfohlen.

Welche Unterstützung gibt es in Österreich?

Der größte Teil der Menschen mit Demenz wird von Angehörigen zu Hause versorgt, was viel Kraft, Geduld und Zeit verlangt. Die österreichische Demenzstrategie „Gut leben mit Demenz“ verfolgt seit 2015 das Ziel, die Lebenssituation von Betroffenen und ihren An- und Zugehörigen zu verbessern.

Pflegegeld gibt es bei einem ständigen Pflegebedarf von mehr als 65 Stunden im Monat, gestaffelt in sieben Stufen. Bei Menschen mit einer schweren geistigen oder psychischen Beeinträchtigung, insbesondere bei Demenz, wird ab dem vollendeten 15. Lebensjahr bei der Einstufung pauschal ein Erschwerniszuschlag von 45 Stunden im Monat angerechnet. Wer seit mindestens einem Jahr überwiegend eine nahe angehörige Person mit nachgewiesener Demenz pflegt, kann schon ab Pflegegeldstufe 1 eine Zuwendung für eine Ersatzpflege erhalten. Das gilt etwa bei Krankheit oder Urlaub und innerhalb bestimmter Einkommensgrenzen. Pflegegeldbezieher:innen können außerdem kostenlos einen beratenden Hausbesuch durch diplomierte Pflegefachkräfte anfordern.

Selbsthilfe- und Angehörigengruppen bieten Austausch, Kurse und Beratung. Weil die Entscheidungsfähigkeit im fortgeschrittenen Stadium oft eingeschränkt ist, rät die WHO, früh vorauszuplanen. In Österreich gehören dazu etwa Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung.

Wo liegen die Grenzen?

Eine leichte kognitive Beeinträchtigung kann sich zu einer Demenz weiterentwickeln, deshalb sind genaue Abklärung und Verlaufskontrolle wichtig. Klassische Antidementiva wie Acetylcholinesterase-Hemmer und Memantin sind für eine leichte kognitive Beeinträchtigung nicht zugelassen, und für Nahrungsergänzungsmittel fehlt ein Wirksamkeitsnachweis. Eine plötzliche, innerhalb von Stunden auftretende Verwirrtheit kann auf ein Delir hindeuten. Das ist ein medizinischer Notfall, der sofort ärztlich abgeklärt werden muss, bei Bedarf über die Rettung unter 144.

Auch pflegende Angehörige stoßen an Grenzen. Die WHO rät ihnen, regelmäßig Pausen einzulegen, auf sich selbst zu achten und bei Bedarf professionelle Hilfe zu suchen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (25)