Was ist Musiktherapie?
Das Musiktherapiegesetz beschreibt Musiktherapie als eigenständige, wissenschaftlich-künstlerisch-kreative und ausdrucksfördernde Therapieform. Sie richtet sich besonders an Menschen mit emotional, körperlich, intellektuell oder sozial bedingten Verhaltensstörungen und Leidenszuständen. Ziel ist, Beschwerden vorzubeugen oder sie zu lindern, behandlungsbedürftige Verhaltensweisen zu ändern sowie Entwicklung und Gesundheit zu fördern.
Laut Berufslexikon des Arbeitsmarktservice (AMS) stehen dabei Bewegung, Musik und Stimme im Mittelpunkt. Gearbeitet wird einzeln oder in Gruppen. Klient:innen musizieren selbst, etwa auf leicht spielbaren Instrumenten oder in musikalischen Improvisationen. Oder sie hören Musik, die Therapeut:innen für sie spielen.
Woher kommt die Musiktherapie in Österreich?
Österreich hat eine lange Ausbildungstradition. Ende der 1950er-Jahre entstand an der damaligen Akademie für Musik und darstellende Kunst Wien der „Sonderlehrgang für Musikheilkunde“. Die Erläuterungen zum Musiktherapiegesetz nennen ihn die erste Musiktherapie-Ausbildung Europas. Geleitet wurde er von 1959 bis 1970 von Editha Koffer-Ullrich, die an der Akademie Violine studiert hatte. Sie war 1957 nach Boston gereist, um die dort bereits etablierte Musiktherapie kennenzulernen.
Ab 1970 trieb Alfred Schmölz die Weiterentwicklung der „Wiener Schule der Musiktherapie“ voran, mit musikalischer Improvisation und klinischen Praktika. Ein eigenes Berufsgesetz bekam die Musiktherapie erst später: Das Musiktherapiegesetz trat am 1. Juli 2009 in Kraft.
Wer darf Musiktherapie anbieten?
Berufsmäßig dürfen in Österreich nur Musiktherapeut:innen Musiktherapie ausüben. Voraussetzung sind ein Studium der Musiktherapie oder ein gleichgehaltener Abschluss sowie die Eintragung in die Musiktherapeutenliste, die online öffentlich durchsucht werden kann.
Nach einem sechssemestrigen Bachelorstudium arbeiten Musiktherapeut:innen mitverantwortlich. Das heißt, sie sind angestellt, arbeiten nach Anordnung etwa von Ärzt:innen, Klinischen Psycholog:innen oder Psychotherapeut:innen und stehen unter Supervision. Ein darauf aufbauendes viersemestriges Masterstudium berechtigt zur eigenverantwortlichen Arbeit, auch freiberuflich. Dient die Musiktherapie der Behandlung von Erkrankungen oder der Rehabilitation, braucht es eine Zuweisung. Sie muss spätestens vor der zweiten Einheit vorliegen, etwa von Ärzt:innen, Klinischen Psycholog:innen oder Psychotherapeut:innen. Die Kosten übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung laut Gesundheitsportal nicht.
Nicht jede Musik im Gesundheitswesen ist Musiktherapie. Laut den Erläuterungen zum Gesetz bleibt es etwa anderen Berufen erlaubt, bei medizinischen Eingriffen Entspannungsmusik anzubieten oder heilpädagogisch zu musizieren.
Wo wird Musiktherapie eingesetzt?
Das Gesetz nennt Prävention und Gesundheitsförderung, die Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen, Rehabilitation sowie die Förderung sozialer Kompetenzen. Laut Gesundheitsportal richtet sie sich unter anderem an Menschen mit Psychosen, psychosomatischen Störungen oder Suchterkrankungen. Genannt werden außerdem krebskranke Kinder und Jugendliche, ältere Menschen, besonders mit krankhaften Veränderungen des Gehirns, und Menschen mit Behinderungen. Arbeitsorte sind laut AMS etwa Krankenhäuser, Rehabilitationseinrichtungen sowie sozialpsychiatrische und heilpädagogische Einrichtungen.
Was zeigen Studien?
Die Studienlage unterscheidet sich je nach Einsatzbereich. Bei Depression verbesserte Musiktherapie zusätzlich zur üblichen Behandlung kurzfristig die Beschwerden, so eine Cochrane-Übersicht von 2017 mit neun Studien. Das deutsche Gesundheitsinstitut IQWiG sieht Hinweise auf einen Nutzen bei leichten bis mittelschweren Depressionen, aber eine geringere Wirkung als etwa bei kognitiver Verhaltenstherapie.
Bei autistischen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen verbesserte Musiktherapie laut einer Cochrane-Übersicht von 2022 wahrscheinlich den Gesamtzustand und die Ausprägung der Autismus-Merkmale, die Lebensqualität nur leicht. Bei sozialer Interaktion und Kommunikation zeigte sich kein klarer Unterschied. Bei Schizophrenie fand eine Cochrane-Übersicht von 2017 für Musiktherapie zusätzlich zur üblichen Behandlung Verbesserungen etwa bei sogenannten Negativsymptomen wie nachlassendem Antrieb und beim sozialen Verhalten. Die Belege waren aber nur von mäßiger bis geringer Qualität und die Ergebnisse uneinheitlich.
Bei Demenz empfiehlt das Gesundheitsportal Musiktherapie, besonders wenn Sprache für die Behandlung nur eingeschränkt zur Verfügung steht. Eine Cochrane-Übersicht von 2025 zu musikbasierten Angeboten, zu denen die Musiktherapie gehört, fand am Ende der Behandlung wahrscheinlich eine leichte Besserung depressiver Beschwerden. Auf Unruhe und Aggression wirkten sie wahrscheinlich nicht, länger anhaltende Wirkungen waren nicht nachweisbar.