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Empathie

04:15

Auf den Punkt gebracht

Empathie ist die Fähigkeit, die Gefühle, Gedanken und Beweggründe eines anderen Menschen zu erkennen und seine Gefühle nachzuempfinden. Dabei bleibt bewusst, dass es die Gefühle des Gegenübers sind und nicht die eigenen. Im Alltag wird Empathie oft gleichbedeutend mit Einfühlungsvermögen verwendet.

Was ist Empathie?

Empathie verbindet laut dem Dorsch Lexikon der Psychologie zwei Seiten: das gefühlsmäßige Nachempfinden einer Emotion und das Verstehen, woher sie beim Gegenüber kommt. Entscheidend ist, dass man das Gefühl als das des anderen erlebt und nicht als eigenes. Fehlt diese Unterscheidung, spricht die Forschung von Gefühlsansteckung. Sie gilt als Vorstufe der Empathie und ist schon bei Babys vorhanden.

Wie stark jemand im Einzelfall mitfühlt, hängt nicht nur von der eigenen Fähigkeit ab. Auch die Situation spielt mit, etwa die eigene emotionale Stabilität, die Zuneigung zum Gegenüber oder wie ähnlich man sich ihm fühlt.

Woher kommt der Begriff?

Das Wort geht auf das spätgriechische empátheia zurück, das heftige Gefühlsregung oder Leidenschaft bedeutete. Seine heutige Bedeutung stammt aber aus der deutschen Ästhetik des 19. Jahrhunderts. Robert Vischer führte dort den Begriff „Einfühlung“ für das Erleben von Kunst ein. Theodor Lipps übertrug ihn später auf das Verstehen anderer Menschen.

Der Psychologe Edward Titchener übersetzte „Einfühlung“ 1909 mit dem englischen Wort „empathy“. Zuvor war im Englischen „sympathy“ üblich gewesen. Der neue Begriff setzte sich zuerst in der Psychologie und dann allgemein durch.

Wie unterscheidet sich Empathie von Mitgefühl?

Empathie heißt, mit jemandem mitzufühlen. Mitgefühl geht einen Schritt weiter. Laut dem Wiener Psychologen Claus Lamm kommt beim Mitgefühl der Wunsch hinzu, der anderen Person zu helfen. Das Lexikon Dorsch beschreibt Mitgefühl als fürsorgliche Gefühle, die sich von den Gefühlen des Gegenübers unterscheiden.

Davon abzugrenzen ist die Perspektivenübernahme, also das gedankliche Erschließen dessen, was eine andere Person denkt, beabsichtigt oder glaubt. Sie macht etwa verständlich, dass andere eine andere Sicht haben können als man selbst. Empathie an sich ist laut Lamm moralisch neutral. Nachvollziehen zu können, was jemand fühlt, sagt noch nichts darüber aus, ob dieses Gefühl moralisch richtig ist.

Ist Empathie angeboren oder erlernt?

Beides spielt eine Rolle. Laut Lamm ist Empathie angeboren, entwickelt sich aber unterschiedlich stark. Erziehung sowie das soziale und kulturelle Umfeld prägen sie mit, und wie Emotionen allgemein lässt sie sich formen. Als eine Methode nennt er die Perspektivenübernahme, bei der man sich bewusst mit den Gedanken und Gefühlen einer anderen Person beschäftigt.

Welche Rolle spielt Empathie in Therapie und Medizin?

In der Psychotherapie gilt die Einfühlung der Therapeut:innen seit langem als möglicher Wirkfaktor. In der Personzentrierten Psychotherapie gehört einfühlende Zuwendung zu den Grundhaltungen. Eine Metaanalyse von 2018 mit 82 Stichproben und rund 6.100 Klient:innen fand einen mittelstarken Zusammenhang zwischen der Empathie der Therapeut:innen und dem Therapieerfolg. Die Ergebnisse unterschieden sich allerdings deutlich zwischen den Studien.

Auch im Gespräch zwischen Ärzt:innen und Patient:innen gilt Empathie als zentral. Eine Übersichtsarbeit zur Allgemeinmedizin fand Zusammenhänge mit größerer Zufriedenheit, weniger Angst und besseren Behandlungsergebnissen. Sie stützte sich allerdings auf nur sieben Studien.

Wo liegen die Grenzen?

Empathie kann auch belasten. Wer sich laut Lamm in sehr viel Leid hineinversetzt, etwa in das Schicksal eines todkranken Menschen, setzt sich starkem Stress aus. Ob Empathie guttut, hängt deshalb auch von der Dosis ab, und es gilt, sich dabei nicht zu überfordern.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (9)