Eine Panikattacke ist ein plötzlicher Anfall intensiver Angst mit starken körperlichen Beschwerden wie Herzrasen oder Atemnot. Kehren solche Attacken unerwartet immer wieder und leben Betroffene in Sorge vor der nächsten, sprechen Fachleute von einer Panikstörung. Sie zählt zu den Angststörungen und lässt sich mit Psychotherapie und bei Bedarf Medikamenten wirksam behandeln.
Was ist eine Panikattacke?
Eine Panikattacke ist eine kurze Phase extremer Angst, die plötzlich einsetzt und von deutlichen körperlichen Beschwerden begleitet wird. Typisch sind Herzklopfen oder Herzrasen, Atemnot oder ein Erstickungsgefühl, Brustschmerzen, Schwindel, Zittern, Schwitzen, Übelkeit. Viele haben Angst, die Kontrolle zu verlieren, verrückt zu werden oder zu sterben.
Die Beschwerden erreichen meist nach etwa zehn Minuten ihren Höhepunkt und klingen dann wieder ab. So bedrohlich sich eine Attacke anfühlt, gefährlich ist sie laut MSD Manual nicht. Panikattacken sind verbreitet und können bei allen Angststörungen oder etwa bei einer Depression auftreten. Eine einzelne Attacke ist deshalb noch keine Panikstörung.
Wann spricht man von einer Panikstörung?
Von einer Panikstörung sprechen Fachleute, wenn Panikattacken wiederholt und unerwartet auftreten, ohne an bestimmte Situationen gebunden zu sein. Hinzu kommt die anhaltende Sorge vor weiteren Attacken, die sogenannte antizipierte Angst, oder Betroffene ändern ihr Verhalten, um Attacken zu vermeiden.
Oft kommt eine Agoraphobie hinzu. Betroffene meiden dann Orte, an denen eine Flucht schwierig wäre oder keine Hilfe käme. Begleitend treten häufig depressive Beschwerden auf, und das Risiko für Abhängigkeitserkrankungen wie Alkoholabhängigkeit ist erhöht.
Laut MSD Manual haben pro Jahr 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung eine Panikstörung, Frauen doppelt so häufig wie Männer.
Woher kommt der Begriff?
Das Wort Panik geht über das Französische auf das griechische „panikós“ zurück, „von Pan herrührend“. Die alten Griechen führten plötzlichen, grundlosen Schrecken auf das Erscheinen des Wald- und Hirtengottes Pan zurück.
In medizinischen Schriften des 18. Jahrhunderts wurden Panikattacken bereits beschrieben, aber anderen Krankheitsbildern wie der Melancholie zugeordnet. Als eigene Diagnose erschien die Panikstörung 1980 im DSM-III, einem Diagnosehandbuch der amerikanischen Psychiatrie.
Wie wird eine Panikstörung festgestellt?
Weil Panikattacken ähnliche Beschwerden verursachen wie ernste körperliche Erkrankungen, schließen Ärzt:innen zuerst körperliche Ursachen aus, etwa mit einer körperlichen Untersuchung, Blutuntersuchungen und einem EKG. Auch Medikamente, Alkohol oder Drogen werden als Auslöser geprüft.
Hinter plötzlichen starken Schmerzen oder Engegefühl in der Brust kann aber auch ein Herzinfarkt stecken. Dann ist sofort die Rettung unter 144 zu rufen.
Was hilft bei einer Panikstörung?
Behandelt wird mit Psychotherapie, Medikamenten oder beidem. Laut WHO sind Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie bei Angststörungen am besten belegt. Betroffene lernen dabei, Denkkreisläufe zu erkennen, etwa wenn ein kurzes Ziehen in der Brust als nahender Herzinfarkt gedeutet wird. Schritt für Schritt stellen sie sich außerdem gemiedenen Situationen und üben langsames, ruhiges Atmen.
Als Medikamente kommen vor allem Antidepressiva aus den Gruppen der SSRI und SNRI infrage. Sie sollten nicht plötzlich abgesetzt werden, weil sonst Beschwerden wie Schwindel, Kopfschmerzen oder Übelkeit auftreten können. Zu Beginn der Einnahme kann die Angst vorübergehend zunehmen. Bei Menschen unter 30 Jahren ist laut NICE in seltenen Fällen das Risiko für Suizidgedanken erhöht, deshalb ist anfangs eine enge ärztliche Begleitung wichtig. Gegen die Sorge vor der nächsten Attacke und das Vermeiden helfen Medikamente ohne Psychotherapie aber meist nicht.
Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine wirken rasch, können aber abhängig machen. Das österreichische Gesundheitsportal hält sie nur in Ausnahmefällen kurzfristig und unter enger ärztlicher Begleitung für vertretbar. Die britische Leitlinie NICE rät bei Panikstörung davon ab.
Wer hilft in Österreich?
Eine erste Anlaufstelle kann die Hausärztin oder der Hausarzt sein. Weiter helfen Fachärzt:innen für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, Ärzt:innen mit Weiterbildung in psychotherapeutischer Medizin, Psychotherapeut:innen und Klinische Psycholog:innen sowie Kassen- und Spitalsambulanzen für Psychiatrie.
Angststörungen können das Suizidrisiko erhöhen. In einer akuten Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 erreichbar.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.