Agoraphobie ist eine starke Angst vor Situationen, aus denen man im Fall von Panik schwer entkommen könnte oder in denen keine Hilfe erreichbar wäre. Betroffene meiden etwa Menschenmengen, öffentliche Verkehrsmittel oder das Alleinsein außer Haus oder ertragen sie nur mit großer Angst. Behandelt wird sie vor allem mit schrittweiser Konfrontation im Rahmen einer Psychotherapie.
Was ist eine Agoraphobie?
Menschen mit Agoraphobie fürchten weniger den Ort selbst als das, was dort passieren könnte. Sie haben Angst vor einer Panikattacke oder vor peinlichen oder lähmenden Körperbeschwerden, ohne dass ein Ausweg oder Hilfe in der Nähe wäre. Typisch sind Bus, Zug oder Flugzeug, Menschenmengen und Warteschlangen, Geschäfte und Theater, offene Plätze oder das Alleinsein außer Haus.
Viele gehen solchen Situationen aus dem Weg oder nur noch in Begleitung einer vertrauten Person hinaus. Das kann den Alltag stark einschränken, manche verlassen schließlich das Haus gar nicht mehr. Fachleute sprechen von Agoraphobie, wenn die Angst mehrere solcher Situationen betrifft, über mehrere Monate besteht und deutlich belastet.
Laut MSD Manual sind jährlich etwa 1 bis 2 Prozent der Menschen betroffen, Frauen häufiger als Männer. Die Agoraphobie beginnt oft im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter, kann aber auch bei Älteren auftreten.
Wie hängen Agoraphobie und Panikstörung zusammen?
Agoraphobie tritt häufig gemeinsam mit einer Panikstörung auf, laut MSD Manual bei 30 bis 50 Prozent der Betroffenen. Manche entwickeln sie, nachdem sie an einem bestimmten Ort eine Panikattacke erlebt haben. Andere fühlen sich in solchen Situationen nur unwohl und bekommen nie oder erst später Panikattacken.
In der Klassifikation ICD-11 der WHO ist die Agoraphobie eine eigene Diagnose. Mehr zu wiederkehrenden Panikattacken steht im Glossarbegriff „Panikstörung“.
Woher kommt der Begriff?
Das Wort verbindet das griechische „agorá“ für Versammlungsplatz oder Markt mit „phobeîsthai“ für sich fürchten. Als Krankheitsbild beschrieben hat die Agoraphobie 1871 der deutsche Psychiater Carl Westphal. Er schilderte Menschen, die auf offenen Plätzen, in Menschenmengen oder in sozialen Situationen starke Angst bekamen und solche Orte mieden. Heute ist die Definition breiter.
Im Deutschen heißt Agoraphobie auch Platzangst. Umgangssprachlich meint Platzangst allerdings meist die Angst in engen oder überfüllten Räumen, fachlich Klaustrophobie genannt. Das führt leicht zu Verwechslungen.
Was hilft bei Agoraphobie?
Im Mittelpunkt steht die Konfrontation, auch Exposition genannt. Betroffene stellen sich den gemiedenen Situationen schrittweise und wiederholt, bis die Angst nachlässt. Weil das anfangs Angst auslösen kann, lernen sie oft zusätzlich Entspannungstechniken. In der kognitiven Verhaltenstherapie üben sie außerdem, verzerrte Gedanken zu erkennen und ihr Verhalten anzupassen.
Bei Bedarf kommen Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI dazu. Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine hält das österreichische Gesundheitsportal nur in Ausnahmefällen kurzfristig für vertretbar, weil sie abhängig machen können.
Ohne Behandlung kann eine Agoraphobie schwanken und sogar verschwinden. Manche haben scheinbar keine Beschwerden mehr, weil sie gelernt haben, die angstauslösenden Situationen zu meiden. Das kann das Leben jedoch erheblich einschränken.
Wer hilft in Österreich?
Eine erste Anlaufstelle kann die Hausärztin oder der Hausarzt sein. Weiter helfen Fachärzt:innen für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, Ärzt:innen mit Weiterbildung in psychotherapeutischer Medizin, Psychotherapeut:innen und Klinische Psycholog:innen sowie Kassen- und Spitalsambulanzen für Psychiatrie.
Angststörungen können das Suizidrisiko erhöhen. In einer akuten Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 erreichbar.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.