Traumatherapie ist der Teil einer Psychotherapie, in dem sich Menschen nach einem traumatischen Erlebnis gezielt und in geschütztem Rahmen mit ihren Erinnerungen auseinandersetzen. Bei der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) ist sie ein zentraler Teil der Behandlung. Weil der Begriff nicht geschützt ist, kommt es auf die Ausbildung der behandelnden Person an.
Was ist Traumatherapie?
Traumatherapie bezeichnet keine einzelne Methode, sondern die gezielte Arbeit am Trauma innerhalb einer Psychotherapie. Ziel ist, das Erlebte zu verstehen, zu verarbeiten und einen besseren Umgang damit zu finden. Betroffene sollen sich an das Ereignis erinnern können, ohne von Angst überwältigt zu werden.
Ob eine Psychotherapie nötig ist, zeigt sich meist in den ersten Monaten nach dem Ereignis. Eine Traumatherapie kann aber auch noch helfen, wenn sie erst Monate oder Jahre später beginnt.
Wie läuft eine Traumatherapie ab?
Am Anfang steht eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung, sie ist eine entscheidende Voraussetzung. Ein Teil der Arbeit ist die sogenannte Konfrontation. Dabei nähern sich Betroffene schrittweise und behutsam der Erinnerung an. Sie schildern das Erlebte genau oder schreiben es auf, und die Therapeutin oder der Therapeut hilft, eine Zeit lang in der Erinnerung zu bleiben.
So entsteht die Erfahrung, dass Angst und Aufregung meist nach einer Weile abklingen. Diese wiederholte Erfahrung gilt als Kern der meisten erfolgreichen Traumatherapien. Je nach Erlebnis kann eine Übung in der echten Situation folgen, begleitet von der Therapeutin oder dem Therapeuten.
Behandelt wird einzeln oder in der Gruppe, auch Angehörige lassen sich einbeziehen. Manchen reichen wenige Monate, andere brauchen Jahre.
Welche Verfahren werden eingesetzt?
Die deutsche S3-Leitlinie zur PTBS empfiehlt eine traumafokussierte Psychotherapie im Einzelsetting. Wegen guter Studienlage nennt sie besonders Prolongierte Exposition, Kognitive Therapie, Kognitive Verarbeitungstherapie, Narrative Expositionstherapie und EMDR.
Psychodynamische Verfahren richten den Blick stärker auf Beziehungen und auf den Zusammenhang zwischen aktuellen Erfahrungen und früheren Traumatisierungen. Das Gesundheitsportal nennt etwa die mehrdimensionale psychodynamische Traumatherapie und die psychodynamisch imaginative Traumatherapie, deren Wirksamkeit noch erforscht wird. Für die PTBS wurden psychodynamische Verfahren bisher kaum in vergleichenden Studien untersucht.
Bei Kindern und Jugendlichen ist die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie am besten untersucht. In ihrer Form nach Cohen entfällt etwa die Hälfte der Therapiezeit auf Eltern oder andere Bezugspersonen.
Kunst-, Musik-, Bewegungs- und Körpertherapien werden vor allem in Kliniken ergänzend angeboten. Bei schweren Traumatisierungen eignen sie sich nicht als alleinige Behandlung. Entspannungsübungen wie autogenes Training passen nicht für alle, weil in der Ruhephase traumatische Erinnerungen hochkommen können.
Wie gut hilft Traumatherapie?
Bei einer PTBS sind die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie und EMDR am besten untersucht, und Studien zeigen für beide eine sehr gute Wirksamkeit. Etwa die Hälfte der Behandelten hat danach keine PTBS mehr, bei anderen kann die Therapie die Beschwerden zumindest lindern. Die Behandlung hilft aber nicht in jedem Fall, und manche brechen sie ab.
Wann ist Vorsicht geboten?
Eine zu frühe oder unpassende Konfrontation kann Beschwerden verstärken, etwa mit Selbstverletzungen, Panikstörungen oder dissoziativen Beschwerden. Besteht dieses Risiko oder die Gefahr von Suizidgedanken, verzichten Therapeut:innen zunächst darauf und arbeiten an der Stabilität. Laut Gesundheitsportal ist eine direkte Auseinandersetzung mit dem Trauma auch bei einer Psychose oder bei weiterem Kontakt zu Täter:innen nicht angezeigt. Eine allgemein vorgeschaltete Stabilisierungsphase hält die S3-Leitlinie bei Erwachsenen mit PTBS aber nicht für nötig.
Wer bietet Traumatherapie in Österreich an?
Der Begriff „Traumatherapie“ ist nicht geschützt. Das Gesundheitsportal rät deshalb, auf einen anerkannten Gesundheitsberuf zu achten, etwa Ärzt:in, Psychotherapeut:in oder Klinische:r Psycholog:in, denn eine unsachgemäße Traumabehandlung kann schaden. Psychotherapie ist in Österreich ein eigenständiges Heilverfahren nach dem Psychotherapiegesetz 2024. Ausüben darf sie nur, wer in die Berufsliste eingetragen ist.
Für eine Kostenübernahme oder einen Zuschuss der Sozialversicherung braucht es in der Regel eine krankheitswertige psychische Störung und eine ärztliche Bestätigung. In einer akuten Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 erreichbar.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.