Was ist EMDR?
EMDR steht für „Eye Movement Desensitization and Reprocessing“, übersetzt etwa „Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegung“. Die Methode soll helfen, belastende Erinnerungen an ein Trauma zu verarbeiten. Ziel ist, sich an das Erlebte erinnern zu können, ohne von Angst überwältigt zu werden.
EMDR ist kein eigenes Psychotherapieverfahren, sondern eine Methode, die innerhalb einer Psychotherapie angewendet wird. Laut der deutschen S3-Leitlinie zur PTBS ist das in allen Psychotherapieverfahren möglich, die in Deutschland von den Krankenkassen bezahlt werden.
Woher kommt EMDR?
Entwickelt hat die Methode Francine Shapiro, die damals an einem Forschungsinstitut in Kalifornien arbeitete. Im Mai 1987 bemerkte sie bei einem Spaziergang, dass belastende Gedanken nachließen, während sich ihre Augen hin und her bewegten. Daraus entwickelte sie ein Vorgehen, das sie zunächst „Eye Movement Desensitization“ (EMD) nannte.
1991 ergänzte sie den Namen um „Reprocessing“, also Verarbeitung. Laut dem EMDR Institute sollte das ausdrücken, dass sich während der Behandlung auch Gedanken und Bewertungen verändern.
Wie läuft eine EMDR-Behandlung ab?
EMDR folgt einem festen Ablauf in acht Phasen, von der Vorgeschichte bis zur Nachbewertung. In der Vorbereitung erfahren Betroffene, was in der Behandlung geschieht, und lernen Wege, sich selbst zu beruhigen. Denn in der Behandlung können Erinnerungen sehr lebhaft zurückkehren.
Im Kern ruft sich die Person eine belastende Erinnerung ins Gedächtnis. Gleichzeitig bewegt die Therapeutin oder der Therapeut zum Beispiel einen Finger gleichmäßig hin und her, dem die Person mit den Augen folgt. Statt oder zusätzlich zu den Augenbewegungen sind auch Töne oder Berührungen wie Klopfen auf das Handgelenk möglich, etwa bei einer Sehbeeinträchtigung. Das wird wiederholt, bis die Erinnerung nicht mehr belastet.
Anschließend wird ein hilfreicher Gedanke über sich selbst gestärkt, etwa „Ich habe getan, was ich konnte“ statt „Es war meine Schuld“. Für Erwachsene mit PTBS nennt die britische Leitlinie NICE typischerweise 8 bis 12 Sitzungen, nach mehreren Traumata auch mehr.
Wie gut ist EMDR untersucht?
Bei einer PTBS gehören laut WHO die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie und EMDR zu den psychologischen Behandlungen mit den meisten Belegen. Laut dem deutschen Institut IQWiG hat nach einer solchen Therapie etwa die Hälfte der Betroffenen keine PTBS mehr, bei anderen werden die Beschwerden zumindest gelindert. Die S3-Leitlinie zählt EMDR zu den traumafokussierten Psychotherapien, die sie wegen robuster Belege besonders empfiehlt.
Bei Kindern und Jugendlichen ist die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie am besten untersucht, für EMDR gibt es dort weniger, aber ebenfalls Belege. Wie EMDR genau wirkt, ist noch nicht vollständig geklärt. Ob die Augenbewegungen selbst etwas beitragen, ist umstritten. Eine Auswertung von 2013 fand einen mäßigen zusätzlichen Effekt, eine frühere Auswertung hatte keinen gefunden.
Wer bietet EMDR in Österreich an?
EMDR steht nicht auf der Liste der in Österreich anerkannten Psychotherapiemethoden, es wird als Methode innerhalb einer Behandlung eingesetzt. Auch der Begriff „Traumatherapie“ ist nicht geschützt. Das Gesundheitsportal rät deshalb, auf einen Gesundheitsberuf wie Ärzt:in, Psychotherapeut:in oder Klinische:r Psycholog:in zu achten. Laut NICE sollen eigens geschulte Fachleute mit laufender Supervision EMDR anbieten.
Wo liegen die Grenzen?
Eine direkte Auseinandersetzung mit dem Trauma passt nicht in jeder Lage. Laut Gesundheitsportal ist sie etwa bei akuter Suizidgefahr, einer Psychose oder fortgesetztem Kontakt zur Täterin oder zum Täter nicht angezeigt. Eine zu frühe oder unpassende Konfrontation kann die Beschwerden laut IQWiG verstärken. In solchen Fällen geht es zunächst um psychische Stabilisierung.
In einer akuten Krise ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142 erreichbar, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147, im Notfall hilft die Rettung unter 144.