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Somatoforme Störung

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Auf den Punkt gebracht

Bei einer somatoformen Störung leiden Menschen über längere Zeit an körperlichen Beschwerden, die sich durch keine körperliche Erkrankung ausreichend erklären lassen. Die Beschwerden sind echt und nicht eingebildet. In neueren Klassifikationen treten an ihre Stelle Diagnosen wie die somatische Belastungsstörung, die auf die starke Belastung durch die Symptome achten.

Was ist eine somatoforme Störung?

Bei einer somatoformen Störung bestehen körperliche Beschwerden, für die sich keine organische Ursache findet, oder eine vorhandene Erkrankung erklärt nicht ihr Ausmaß. Betroffene empfinden die Symptome wirklich, sie bilden sie sich nicht ein. Möglich sind etwa Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Brustschmerzen, Gliederschmerzen oder Taubheitsgefühle. Typisch ist, dass Betroffene trotz unauffälliger Befunde immer wieder Untersuchungen wünschen.

Der Name geht auf das griechische „sōma“ für Körper oder Leib zurück.

Welche Formen unterscheidet die ICD-10?

Die in Österreich verwendete ICD-10 fasst mehrere Diagnosen als somatoforme Störungen zusammen. Bei der Somatisierungsstörung treten vielfältige, wechselnde Beschwerden auf, die mindestens zwei Jahre bestehen. Bei der somatoformen autonomen Funktionsstörung schildern Betroffene etwa Herzklopfen, Schwitzen oder Magen-Darm-Beschwerden, als läge eine Erkrankung von Herz, Magen oder Darm vor. Weitere Diagnosen sind die anhaltende somatoforme Schmerzstörung und die hypochondrische Störung.

Dissoziative Störungen, in der ICD-10 auch Konversionsstörungen genannt, zählt das Gesundheitsportal im weiteren Sinn ebenfalls dazu. In der ICD-10 bilden sie aber eine eigene Gruppe.

Was ändert sich mit ICD-11 und DSM-5?

Die neueren Klassifikationen ersetzen den Großteil der somatoformen Störungen durch neue Diagnosen. Kritisiert wurde, dass die Diagnose auf dem Fehlen einer körperlichen Ursache beruhte. Manche Betroffene verstanden den Begriff „somatoform“ zudem so, als wären ihre Beschwerden nicht echt.

Die ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt die neue Diagnose „Bodily distress disorder“, sinngemäß körperliche Belastungsstörung. Gemeint sind belastende Körperbeschwerden, denen übermäßig viel Aufmerksamkeit gilt, etwa durch häufige Arztbesuche. Sie bestehen an den meisten Tagen über mindestens mehrere Monate und schränken den Alltag deutlich ein. Die Hypochondrie hat die ICD-11 dagegen zu den Zwangsstörungen und verwandten Störungen verschoben.

Das amerikanische Diagnosehandbuch DSM-5 spricht von somatischer Belastungsstörung. Beide Ansätze verzichten auf die Unterscheidung zwischen erklärten und unerklärten Beschwerden. Die Diagnose ist deshalb auch möglich, wenn eine körperliche Erkrankung vorliegt und die Sorge deutlich darüber hinausgeht.

Wie entsteht eine somatoforme Störung?

Ein einheitliches Erklärungsmodell gibt es bisher nicht, vermutlich wirken biologische, psychische und soziale Faktoren zusammen. Genannt werden etwa genetische Faktoren, traumatische Erfahrungen und soziale Belastungen wie Armut. Eine erhöhte Aufmerksamkeit für Körpervorgänge gilt nicht als Ursache, sie trägt aber dazu bei, dass die Beschwerden bestehen bleiben. Wer sich stark schont, kann zudem in einen Teufelskreis geraten, weil sich etwa Muskelschmerzen durch Schonung oft verstärken.

Wie wird sie erkannt und behandelt?

Am Anfang stehen ein ausführliches Gespräch, auch über belastende Lebensumstände, und eine körperliche Untersuchung. Weitere Untersuchungen werden gut abgewogen, denn manche bergen Risiken oder führen zu falschen Verdachtsbefunden. Neue oder veränderte Beschwerden sollten trotzdem ärztlich abgeklärt werden, weil auch körperliche Erkrankungen hinzukommen können.

Wichtig ist ein vertrauensvolles Verhältnis zu einer Ärztin oder einem Arzt, die oder der die Behandlung koordiniert. In frühen Stadien stehen Beratung und Beruhigung im Vordergrund, bei länger anhaltenden Beschwerden Information und Psychoedukation. Bei schwereren Verläufen kommt Psychotherapie dazu, als besonders wirksam gilt die kognitive Verhaltenstherapie. Medikamente werden zurückhaltend eingesetzt, am ehesten Antidepressiva, ergänzend können Physiotherapie oder Ergotherapie helfen.

Wer hilft in Österreich?

Erste Anlaufstelle kann die Hausärztin oder der Hausarzt sein. Weiter helfen Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, Ärzt:innen mit Weiterbildung in psychotherapeutischer Medizin, Psychotherapeut:innen, Klinische Psycholog:innen und Ambulanzen für Psychosomatik. Notwendige und zweckmäßige Maßnahmen übernimmt die Sozialversicherung, teils mit Selbstbehalt oder Kostenbeitrag.

Häufig kommen Depressionen oder Angststörungen hinzu, manche Betroffene versuchen, sich das Leben zu nehmen. Bei Gedanken an Suizid hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 erreichbar.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (12)