Hypochondrie bezeichnet die anhaltende, übermäßige Angst, an einer schweren Krankheit zu leiden oder zu erkranken. Unauffällige Untersuchungen und ärztliche Beruhigung nehmen diese Sorge nicht dauerhaft. Weil das alte Wort abwertend klingen kann, ist heute auch von Krankheitsangst oder Krankheitsangststörung die Rede.
Was ist Hypochondrie?
Bei einer Hypochondrie kreisen die Gedanken beharrlich um die Möglichkeit, eine ernste, fortschreitende oder lebensbedrohliche Krankheit zu haben. Normale Körperempfindungen wie ein spürbarer Herzschlag erscheinen dann schnell als Zeichen einer ernsten Krankheit, ein Spannungskopfschmerz etwa als Hinweis auf einen Hirntumor. Die Sorge kann so stark werden, dass Betroffene verzweifeln und Beziehungen sowie die Arbeit darunter leiden.
Eine gewisse Sorge um die Gesundheit ist normal, etwa während man auf ein wichtiges Untersuchungsergebnis wartet. Von einer Störung sprechen Fachleute erst, wenn die Beschäftigung trotz angemessener Abklärung und Beruhigung bestehen bleibt oder wiederkehrt. Laut MSD Manual gilt die Diagnose als bestätigt, wenn diese Angst sechs Monate oder länger anhält.
Woran erkennt man Hypochondrie?
Typisch sind zwei gegensätzliche Muster im Umgang mit der Angst. Viele Betroffene kontrollieren ihren Körper immer wieder, messen etwa wiederholt den Puls, lesen ausführlich über die befürchtete Krankheit und suchen Bestätigung bei Angehörigen und Ärzt:innen. Andere meiden aus Angst Arzttermine, Gesundheitseinrichtungen und Informationen über Krankheiten.
Beruhigende Befunde helfen oft nur kurz. Manche haben das Gefühl, ihre Beschwerden würden nicht ernst genommen, und bekommen dadurch noch mehr Angst. Auslöser können die Erkrankung einer bekannten Person, Berichte über Krankheiten oder belastende Lebensereignisse sein. Die Angst kann bis zu Panikattacken reichen.
Woher kommt der Begriff?
Das Wort geht auf das griechische „hypochóndrion“ zurück, den Bereich unter dem Brustknorpel, also Unterleib und Eingeweide. Nach der Vorstellung der antiken Medizin gingen Gemütskrankheiten vom Unterleib und seinen Organen aus. Daraus entstand die übertragene Bedeutung. Im Deutschen ist das Adjektiv „hypochondrisch“ seit dem 17. Jahrhundert belegt, im Sinn von schwermütig oder an einer eingebildeten Krankheit leidend.
Wie wird Hypochondrie eingeordnet?
In der in Österreich verwendeten ICD-10 heißt sie „Hypochondrische Störung“ und gehört zu den somatoformen Störungen. Die neuere ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt sie als „Hypochondriasis“ mit dem zweiten Namen „Health Anxiety Disorder“ (sinngemäß: Krankheitsangststörung). Sie steht dort bei den Zwangsstörungen und verwandten Störungen. Die WHO beschreibt diese Gruppe über wiederkehrende Gedanken und Handlungen, die auch die Hypochondrie kennzeichnen. Im amerikanischen Diagnosehandbuch DSM-5 heißt sie Krankheitsangststörung.
Abgegrenzt wird die Hypochondrie von Störungen, bei denen belastende Körperbeschwerden selbst im Mittelpunkt stehen. Bei der Hypochondrie geht es dagegen vor allem um die Angst, was hinter Empfindungen oder leichten Beschwerden stecken könnte. Depressionen und Angststörungen kommen häufig zusätzlich vor.
Was hilft bei Hypochondrie?
Hilfreich ist ein unterstützendes, vertrauensvolles Verhältnis zu einer Ärztin oder einem Arzt, besonders wenn regelmäßige Termine Sicherheit geben. Reicht das nicht, kann eine Überweisung zu Fachleuten für psychische Gesundheit sinnvoll sein. Kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, ebenso können bestimmte Antidepressiva, sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, wirksam sein.
Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2007 fand, dass kognitive und verhaltenstherapeutische Verfahren sowie ein Stressbewältigungstraining die Beschwerden stärker verringerten als Abwarten ohne Behandlung. Die Studien waren allerdings klein. Wie groß der Nutzen ist und welches Verfahren besser hilft, ließ sich daraus nicht ablesen.
Die Krankheitsangst beginnt meist im frühen bis mittleren Erwachsenenalter und betrifft Männer und Frauen etwa gleich häufig. Sie verläuft oft langwierig, die Beschwerden können nachlassen und wiederkehren, manche Betroffene erholen sich davon.
Wer hilft in Österreich?
Eine erste Anlaufstelle kann die Hausärztin oder der Hausarzt sein, die bei Bedarf weiter überweisen. Weiterführend helfen Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, Ärzt:innen mit Weiterbildung in psychotherapeutischer Medizin, Psychotherapeut:innen und Klinische Psycholog:innen. Notwendige und zweckmäßige Diagnose- und Therapiemaßnahmen übernimmt die Sozialversicherung, bei manchen Leistungen fallen Selbstbehalte oder Kostenbeiträge an.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.