Was ist Yoga?
Yoga ist ein Sammelbegriff für Übungswege aus Indien. Das österreichische Gesundheitsportal beschreibt es als mehr als 2000 Jahre alte philosophisch-spirituelle Lehre, die Körper und Geist in einem Zusammenhang betrachtet. Begonnen hat Yoga nach dem US-amerikanischen Gesundheitsinstitut NCCIH als spirituelle Praxis. Heute wird es vor allem geübt, um das körperliche und seelische Wohlbefinden zu fördern.
Im Mittelpunkt der meisten Kurse stehen Körperhaltungen (Asanas) und Atemübungen (Pranayama), häufig ergänzt um Meditation. Die spirituellen Inhalte sind dabei laut Gesundheitsportal meist von den Übungen getrennt. Im Jahr 2016 nahm die UNESCO Yoga für Indien in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf.
Woher kommt das Wort Yoga?
Das Sanskrit-Wort yoga geht auf die Wurzel yuj zurück, die „anjochen“, „anschirren“ und „verbinden“ bedeutet. Das Sanskrit-Wörterbuch von Monier-Williams nennt als erste Bedeutung von yoga das Anschirren von Zugtieren, außerdem das Joch selbst. David Gordon White weist in seiner kurzen Geschichte des Yoga darauf hin, dass yoga mit dem englischen Wort yoke („Joch“) verwandt ist, beide Sprachen sind indoeuropäisch.
Kaum ein anderes Sanskrit-Wort hat laut White so viele Bedeutungen. Im Wörterbuch steht es auch für die Sammlung der Gedanken und die Meditation, wie sie Patanjali als System gelehrt hat.
Wie hat sich Yoga entwickelt?
Yoga hat sich über mehr als zwei Jahrtausende immer wieder gewandelt, und nach White hat jede Zeit ihre eigene Form davon geschaffen. Im Rigveda, einer der ältesten indischen Schriften, meinte yoga noch das Joch eines Zugtiers.
Als Grundtext des „klassischen Yoga“ gelten die Yoga-Sutras des Patanjali, eine Sammlung knapper Lehrsätze. Sie entstanden in den ersten Jahrhunderten nach Christus, die Datierungen reichen vom 3. bis ins 5. Jahrhundert. Gleich zu Beginn bestimmen sie Yoga als das Zügeln der Bewegungen des Geistes. Den Weg dorthin beschreiben sie in acht Gliedern, von ethischen Regeln über Haltung und Atemregelung bis zur Versenkung. Körperhaltungen und Atemkontrolle widmen die Yoga-Sutras laut White aber nur wenige Verse, ihr Schwerpunkt liegt auf der Meditation.
Die Körperübungen rückten erst mit dem Hatha Yoga in den Vordergrund, das sich im 10. bis 11. Jahrhundert als eigenes System herausbildete. Ende des 19. Jahrhunderts machte der indische Lehrer Swami Vivekananda Yoga einem westlichen Publikum bekannt, White bezeichnet ihn als Begründer des „modernen Yoga“. Das heute verbreitete, haltungsbetonte Yoga geht vor allem auf den Lehrer Krishnamacharya zurück. Seine Schüler B. K. S. Iyengar, K. Pattabhi Jois und T. K. V. Desikachar entwickelten ab den 1950er-Jahren eigene Varianten, die sich weltweit verbreiteten. Seit einem Beschluss der Vereinten Nationen von 2014 ist der 21. Juni der Internationale Tag des Yoga.
Welche Yogaformen gibt es?
Heute gibt es zahlreiche Yogastile, die von sanften bis zu körperlich sehr fordernden Übungsweisen reichen. Im westlichen Kulturkreis am weitesten verbreitet ist laut Gesundheitsportal Hatha Yoga mit vorwiegend körperbetonten, statischen Übungen. Als dessen verfeinerte Form beschreibt es Iyengar Yoga, das besonderen Wert auf eine korrekte Körperhaltung legt. Ashtanga Yoga gilt dort als anspruchsvoller Stil mit fließenden Übergängen, aus dem weitere moderne Formen abgeleitet wurden.
Viele weitere Formen haben im Glossar einen eigenen Eintrag, etwa Vinyasa Yoga, Yin Yoga, Kundalini Yoga, Hot Yoga, Jivamukti Yoga, Anusara Yoga, Raja Yoga und Yoga Nidra. Nach dem Ziel des Angebots benannt sind Gesundheitsyoga, Business Yoga und Yogatherapie.
Was sagt die Forschung?
Yoga wurde bei vielen Beschwerden untersucht, die Studien verwenden laut NCCIH aber sehr unterschiedliche Yogastile, was die Bewertung erschwert. Besonders viel Forschung gibt es laut NCCIH zu Kreuzschmerzen. Das deutsche Institut IQWiG zählt Yoga neben Pilates, Tai-Chi und Kräftigungsübungen zu den Bewegungsformen, die bei anhaltenden oder wiederkehrenden Kreuzschmerzen nachweislich helfen können. Das NCCIH beschreibt den Nutzen dort als gering.
Bei Nackenschmerzen, Kopfschmerzen und Kniearthrose sind die Ergebnisse laut NCCIH vielversprechend, es gibt aber vergleichsweise wenige Studien. Bei Menschen mit einer diagnostizierten Depression könnte Yoga nach einer Übersichtsarbeit von 2020 kleine zusätzliche Vorteile bringen, wenn es ergänzend zu anderer Behandlung geübt wird. Für Angststörungen reichen die Studien laut NCCIH nicht für ein Urteil aus. Zu Yoga bei rheumatoider Arthritis gibt es laut IQWiG keine aussagekräftigen Studien.
Worauf ist beim Üben zu achten?
Richtig und unter qualifizierter Anleitung geübt, gilt Yoga laut NCCIH für Gesunde als sicher, Verletzungen kommen aber wie bei jeder Bewegung vor. Am häufigsten sind Verstauchungen und Zerrungen, vor allem an Knie und Unterschenkel, schwere Verletzungen sind selten. Wer Yoga ohne Anleitung allein erlernt, hat laut NCCIH ein höheres Risiko. Das Gesundheitsportal weist darauf hin, dass eine falsche Ausführung Muskeln oder Sehnen überlasten kann. In Studien zu Kreuzschmerzen wurden die Schmerzen laut IQWiG bei 3 von 100 Teilnehmenden kurzfristig stärker.
Anfänger:innen sollten laut NCCIH auf extreme Übungen wie Kopfstand, Schulterstand, Lotussitz und kraftvolle Atemtechniken verzichten. Hot Yoga birgt eigene Risiken durch Überhitzung und Flüssigkeitsmangel und ist in der Schwangerschaft nicht geeignet. Schwangere sollten laut NCCIH außerdem Haltungen meiden, in denen sie lange still oder auf dem Rücken liegen. Schwangere, ältere Menschen und Menschen mit Erkrankungen sollten ihre Bedürfnisse mit Ärzt:in und Yogalehrer:in besprechen. Anpassungen können etwa bei Knie- oder Hüftverletzungen, Erkrankungen der Lendenwirbelsäule, stark erhöhtem Blutdruck, Gleichgewichtsproblemen und grünem Star nötig sein. Ältere Menschen ab 65 Jahren werden häufiger wegen Yoga-Verletzungen in Notaufnahmen behandelt als jüngere Erwachsene.
Bei gesundheitlichen Beschwerden rät das NCCIH, den Arztbesuch nicht wegen Yoga aufzuschieben. Krankheiten festzustellen und zu behandeln ist in Österreich vor allem Ärzt:innen vorbehalten.
Wer unterrichtet Yoga in Österreich?
Yoga wird von Yogalehrer:innen unterrichtet, deren Ausbildung laut Arbeitsmarktservice (AMS) nicht gesetzlich geregelt ist. Sie vermitteln Körper- und Atemübungen, Entspannung und Meditation und achten auf eine sichere Ausführung. Ausbildungen gibt es unter anderem nach dem Basisprogramm der Europäischen Yoga-Union. Welche Lehrgänge diesen Vorgaben entsprechen, darüber gibt laut AMS der Berufsverband der Yogalehrenden in Österreich Auskunft.
Yogaunterricht für sich genommen unterliegt laut einem Infoblatt der Wirtschaftskammer Steiermark nicht der Gewerbeordnung, sondern gilt als Privatunterricht. Wer selbstständig Yoga unterrichtet, muss sich als sogenannte:r Neue:r Selbständige:r bei der Sozialversicherung der Selbständigen melden. Das NCCIH empfiehlt, sich nach Ausbildung und Erfahrung der Lehrkraft zu erkundigen.