Raja Yoga ist ein Yogaweg, in dem Meditation und die Sammlung des Geistes im Mittelpunkt stehen. Der Name verbindet das Sanskrit-Wort für „König“ mit Yoga. Seit Swami Vivekananda Ende des 19. Jahrhunderts wird Raja Yoga meist mit dem Yoga der Yoga-Sutras des Patanjali gleichgesetzt.
Was ist Raja Yoga?
Raja Yoga meint eine Form des Yoga, die vor allem über Konzentration und Meditation zu innerer Ruhe und Erkenntnis führen soll. Körperübungen spielen dabei eine Nebenrolle. Das Wort rāja bedeutet laut dem Sanskrit-Wörterbuch von Monier-Williams „König“ oder „Herrscher“.
Für die Zusammensetzung rājayoga nennt das Wörterbuch zwei ganz verschiedene Bedeutungen. In der Sterndeutung ist es eine Stellung der Planeten bei der Geburt, die einen Menschen als künftigen König ausweisen soll. Im Yoga bezeichnet es eine bestimmte Stufe der Meditation oder eine leichte Art zu meditieren.
Wie hängen Raja Yoga und Hatha Yoga zusammen?
In der Hatha Yoga Pradipika, einem Lehrtext des Hatha Yoga, sind beide eng verbunden. Der Verfasser Svatmarama erklärt gleich zu Beginn, er lehre Hatha Yoga, um Raja Yoga zu erreichen. Später heißt es, ohne Hatha Yoga gebe es keinen Erfolg im Raja Yoga und ohne Raja Yoga keinen im Hatha Yoga. Im Kapitel über die Versenkung stellt der Text Raja Yoga dann mit Samadhi und weiteren Begriffen gleich.
David Gordon White schreibt in seiner kurzen Geschichte des Yoga, Hatha Yoga sei damit zur untergeordneten „Stiefschwester“ des Raja Yoga geworden. Unter Raja Yoga verstand man die meditativen Techniken, die zur Erlösung vom Leid führen sollten.
Warum gilt Raja Yoga als Yoga des Patanjali?
Diese Gleichsetzung geht vor allem auf den indischen Lehrer Swami Vivekananda zurück, den White als Begründer des „modernen Yoga“ bezeichnet. Bekannt wurde er 1893 als Vertreter des Hinduismus beim Weltparlament der Religionen in Chicago. Danach hielt er in den USA Vorträge über die Yoga-Sutras.
Für Vivekananda war Raja Yoga die Wissenschaft des Yoga, wie sie die Yoga-Sutras lehren. Die Idee übernahm er laut White von der Theosophin Blavatsky. Sein Buch „Raja Yoga“ beruht im ersten Teil auf Kursen in New York, im zweiten übersetzt und erklärt er die Yoga-Sutras. Darin nennt er die Sätze Patanjalis die höchste Autorität und das Lehrbuch des Raja Yoga.
Außerdem betont Vivekananda, Yoga lasse sich bis auf wenige Ausnahmen nur im direkten Kontakt mit einer Lehrperson sicher lernen. Die Übungen des Hatha Yoga schätzte er gering. White sieht darin einen Grund, warum das körperbetonte Yoga im Westen zunächst nur langsam Fuß fasste.
Was steht im Mittelpunkt des Raja Yoga?
Im Zentrum steht der Geist, nicht der Körper. Die Yoga-Sutras bestimmen Yoga als das Zur-Ruhe-Bringen der Bewegungen des Geistes. Erreicht werden soll das durch beständiges Üben und durch Loslassen von Begierden.
Von den acht Gliedern des Yoga gelten die letzten drei als unmittelbare Hilfen: Konzentration (Dharana), Meditation (Dhyana) und Versenkung (Samadhi). Die ersten fünf, darunter ethische Regeln, Haltungen und Atemübungen, sind nach dem Text mittelbare Hilfen, die den Weg dorthin bereiten.
Was heißt Raja Yoga in anderen Gruppen?
Unter dem Namen Raja Yoga wird auch Meditation gelehrt, die mit Patanjali wenig zu tun hat. So nennt die religiöse Bewegung Brahma Kumaris, die 1932 im heutigen Pakistan entstand, ihre zentrale Übung Raja Yoga. Laut einer Einführung des Informationszentrums Inform am King's College London kommt diese Meditation ohne Mantras, Atemtechniken und besondere Haltungen aus.
Geübt wird meist mit offenen Augen und einem positiven Gedanken wie „Ich bin eine friedliche Seele“. Wer einen Raja-Yoga-Kurs sucht, sollte deshalb nachfragen, welche Richtung gemeint ist.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.