Was ist Sturzprävention?
Sturzprävention bedeutet, Stürzen gezielt vorzubeugen und ihre Folgen möglichst gering zu halten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO versteht unter einem Sturz ein Ereignis, bei dem eine Person unbeabsichtigt auf dem Boden oder einer anderen tieferen Ebene zu liegen kommt. Stürze passieren in jedem Alter. Weil sie bei älteren Menschen aber häufiger ernste Folgen haben, richtet sich Sturzprävention vor allem an sie.
Warum sind Stürze im Alter ein Thema?
Stürze sind im Alter häufig, auch wenn die meisten glimpflich ausgehen. Schätzungen zufolge stürzen etwa 28 von 100 Menschen über 65 Jahre, die zu Hause leben, einmal im Jahr. Bei den über 85-Jährigen sind es 34 von 100. Bei etwa 5 bis 10 von 100 Stürzen zu Hause kommt es aber zu Knochenbrüchen, größeren Platzwunden oder Kopfverletzungen.
Brüche an Hüfte oder Oberschenkel können ernsthafte Einschränkungen nach sich ziehen. Im höheren Alter erhöhen solche Stürze das Risiko, pflegebedürftig zu werden. Auch die Angst vor einem Sturz kann schaden. Wer sich deshalb weniger bewegt, stürzt eher als jemand, der täglich viel zu Fuß unterwegs ist.
Was erhöht das Sturzrisiko?
Bei vielen Stürzen kommen mehrere Faktoren zusammen: körperliche Einschränkungen, bestimmte Medikamente und Hindernisse in der Umgebung. Zu den gesundheitlichen Ursachen zählen Muskelschwäche der Beine, Gleichgewichtsprobleme, Schwindel, Sehbeeinträchtigungen und Demenz. Auch chronische Erkrankungen wie Arthrose, Osteoporose, Parkinson oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen eine Rolle. Wer schon einmal gestürzt ist, stürzt zudem leichter erneut.
Typische Stolperfallen sind Türschwellen, hochstehende Teppichkanten, lose Kabel, glatte Böden oder locker sitzende Hausschuhe. Auch manche Medikamente erhöhen das Risiko, etwa Beruhigungs- und Schlafmittel, blutdrucksenkende Mittel oder Opioide. Abgesetzt werden sollten sie aber nur nach ärztlicher Absprache. Auch Alkohol kann das Sturzrisiko erhöhen.
Was hilft, Stürzen vorzubeugen?
Für Übungsprogramme ist die Wirkung gut belegt. Laut einer Cochrane-Übersicht mit 108 Studien senken Bewegungsprogramme die Zahl der Stürze bei älteren Menschen, die zu Hause leben, um rund 23 Prozent, also um knapp ein Viertel. Am besten untersucht sind Übungen für Gleichgewicht und Alltagsbewegungen, oft kombiniert mit Krafttraining.
Auch Tai Chi kann Stürzen vorbeugen.
Stolperfallen zu beseitigen gilt als einfache und wirkungsvolle Maßnahme. Rutschfeste Matten, Haltegriffe bei Dusche, Wanne und WC, gute Beleuchtung und Handläufe auf beiden Seiten der Stiege geben zusätzlich Halt. Bei Bedarf unterstützen Hilfsmittel wie Rollator, Duschsessel oder Greifzange. Sinnvoll sind außerdem feste Schuhe mit rutschsicherer Sohle und eine regelmäßige Kontrolle der Sehkraft.
Internationale Leitlinien von 2022 empfehlen, alle älteren Menschen zu Sturzvorbeugung und Bewegung zu beraten. Menschen mit hohem Risiko soll eine umfassende Untersuchung ihrer Sturzrisiken angeboten werden, mit darauf abgestimmten Maßnahmen. Wenn die Angst vor Stürzen den Alltag einschränkt, kann eine Verhaltenstherapie sie lindern.
Wer unterstützt bei der Sturzprävention in Österreich?
In Österreich unterstützen unter anderem Physio- und Ergotherapeut:innen. Physiotherapeut:innen beraten zur Sturzprävention, trainieren Gang und Gleichgewicht und zeigen den sicheren Umgang mit Gehhilfen. Ergotherapeut:innen können bei einem Hausbesuch beobachten, in welchen Alltagssituationen Sturzgefahr besteht, und Vorschläge machen.
In Gesundheitsförderung und Vorbeugung dürfen beide Berufe laut MTD-Gesetz ohne ärztliche Anordnung arbeiten. Für eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist in der Regel eine ärztliche Verordnung nötig. Für Alleinstehende gibt es Rufhilfen, bei denen ein Alarmknopf am Handgelenk auf Knopfdruck mit der Zentrale einer Hilfsorganisation verbindet.
Was tun nach einem Sturz?
Nach einem Sturz mit Kopfverletzung oder starken Schmerzen braucht es rasch ärztliche Hilfe, im Notfall über die Rettung unter 144. Längeres Liegen am Boden kann selbst Folgen haben, etwa Unterkühlung oder Flüssigkeitsmangel. Wer nicht allein aufstehen kann, kann sich auf den Bauch drehen, zu einem stabilen Möbelstück kriechen und sich daran hochziehen. Auch Stürze ohne Verletzung sollten ärztlich angesprochen werden, damit behandelbare Ursachen erkannt werden.