Beckenbodentherapie ist eine Spezialisierung in der Physiotherapie, die sich mit Beschwerden rund um Beckenboden, Blase und Darm befasst. Im Mittelpunkt steht ein angeleitetes Beckenbodentraining, bei dem die Muskeln gezielt wahrgenommen, angespannt und wieder entspannt werden. Eingesetzt wird sie unter anderem bei Harninkontinenz, nach einer Geburt, nach Prostataoperationen und bei Senkungsbeschwerden.
Was ist Beckenbodentherapie?
Der Beckenboden liegt wie eine Platte im unteren Becken und schließt den Bauchraum nach unten ab. Er trägt die Organe, fängt Druck beim Husten oder Heben ab und hilft, Blase und Darm zu kontrollieren.
Laut dem österreichischen Gesundheitsportal ist Beckenbodentherapie eine Spezialisierung, die Physiotherapeut:innen durch Weiterbildung erwerben.
Woher kommt das Beckenbodentraining?
Bekannt gemacht hat das gezielte Training der Beckenbodenmuskeln der Gynäkologe Arnold Kegel, der 1948 dazu veröffentlichte. Beckenbodenübungen werden auch Kegel-Übungen genannt.
Wofür wird Beckenbodentherapie eingesetzt?
Ein geschwächter Beckenboden begünstigt Harn- oder Stuhlinkontinenz, etwa bei Übergewicht oder bei Frauen nach Schwangerschaft und Geburt. Besonders wichtig ist das Training laut Gesundheitsportal rund um eine Geburt, bei Blasen- und Darmschwäche, Gebärmuttersenkung und nach Operationen an Becken oder Prostata.
Was Physiotherapie allgemein umfasst, beschreibt der Begriff „Physiotherapie“, das Zusammenspiel mit Blasentraining der Begriff „Überaktive Blase“, die Zeit rund um die Geburt der Begriff „Schwangerschaft“.
Wie läuft eine Beckenbodentherapie ab?
Am Anfang stehen ein ausführliches Gespräch und eine Untersuchung, etwa von Bewegungsmustern und Atmung. Die Muskelfunktion lässt sich mit Ultraschall oder durch Abtasten über Scheide oder Enddarm beurteilen. Diese Tastuntersuchung dürfen laut Physio Austria nur Physiotherapeut:innen, diplomierte Pflegekräfte, Hebammen und Ärzt:innen durchführen.
Danach geht es darum, den Beckenboden zu spüren, etwa am Damm. Den Harnstrahl beim Wasserlassen zu unterbrechen, hilft höchstens einmal beim Erspüren, als regelmäßige Übung ist es nicht geeignet. Beim Training werden die Muskeln angespannt, eine Weile gehalten und wieder entspannt, ohne Bauch- und Gesäßmuskeln mitzuspannen oder die Luft anzuhalten. Die britische Leitlinie NICE empfiehlt Frauen mit Belastungs- oder Mischinkontinenz mindestens drei Monate angeleitetes Training mit mindestens acht Anspannungen dreimal täglich.
Dazu kommen Entspannungsübungen, manuelle Techniken und Tipps für schonendes Heben. Biofeedback kann die Muskelspannung messen und sichtbar machen, manchmal kombiniert mit Elektrostimulation über Elektroden in Scheide oder Anus. Das Gesundheitsportal beschreibt Biofeedback als Ergänzung, die bei Belastungsinkontinenz zur Besserung beitragen kann. Die britische Leitlinie NICE rät dagegen, beides nicht routinemäßig einzusetzen, sondern vor allem dann, wenn Frauen den Beckenboden nicht aktiv anspannen können.
Was ist über die Wirkung bekannt?
Am besten untersucht ist das Training bei Frauen mit Harninkontinenz, deren Beschwerden es laut einer Cochrane-Übersicht aus 2018 heilen oder bessern kann. Von den Frauen mit Belastungsinkontinenz berichteten nach dem Training 56 von 100, beschwerdefrei zu sein, ohne Training waren es 6 von 100.
Bei leichteren und mittleren Senkungen kann das Training Beschwerden lindern, bei starken Senkungen stößt es an Grenzen. Früh in der Schwangerschaft begonnen, kann es bei Frauen ohne Beschwerden einer Inkontinenz vorbeugen. Als Behandlung einer schon bestehenden Inkontinenz rund um die Geburt ist der Nutzen unsicher, ebenso laut einer Cochrane-Übersicht aus 2023 nach Prostataoperationen, auch wenn das Gesundheitsportal das Training dort als Möglichkeit nennt, die Kontinenz zu fördern.
Richtig ausgeführt hat das Training normalerweise keine unerwünschten Folgen, falsches Training kann aber zu Verspannungen und Schmerzen führen. Bauchmuskelübungen wie Sit-ups erzeugen hohen Druck im Bauchraum und sind bei schwacher Blase, in der Schwangerschaft und in den ersten Monaten nach der Geburt besser ärztlich abzusprechen.
Wer bietet Beckenbodentherapie in Österreich an?
Physiotherapeut:innen gehören in Österreich zu den gehobenen medizinisch-therapeutisch-diagnostischen Gesundheitsberufen. Bei der Behandlung von Erkrankungen arbeiten sie laut MTD-Gesetz 2024 nach ärztlicher Anordnung, in Gesundheitsförderung und Vorbeugung auch ohne. Für eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse braucht es in der Regel eine ärztliche Verordnung. Angeleitetes Beckenbodentraining bieten außerdem Hebammen an, etwa in der Rückbildungsgymnastik.
Wann braucht es eine ärztliche Abklärung?
Harninkontinenz kann verschiedene Ursachen haben, deshalb ist eine rechtzeitige ärztliche Abklärung sinnvoll. Schmerzen beim Harnlassen und häufiger Harndrang können auf eine Harnwegsinfektion hinweisen. Tritt Inkontinenz plötzlich mit Schwäche oder Gefühlsverlust in den Beinen, im Genital- oder Analbereich auf, kann das Rückenmark betroffen sein. Dann ist sofort eine Notaufnahme aufzusuchen oder die Rettung unter 144 zu rufen. Physiotherapeut:innen sind gesetzlich verpflichtet, ärztliche Hilfe beizuziehen, wenn der Gesundheitszustand das erfordert.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.
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