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Überaktive Blase

05:12

Auf den Punkt gebracht

Bei einer überaktiven Blase kommt der Harndrang plötzlich, stark und häufig, oft auch in der Nacht. Manche Betroffene verlieren dabei ungewollt Harn, dann spricht man von Dranginkontinenz. Nach dem Ausschluss anderer Ursachen wie einer Harnwegsinfektion helfen oft Blasentraining, Beckenbodentraining und angepasste Trinkgewohnheiten, bei Bedarf auch Medikamente.

Was ist eine überaktive Blase?

Wer eine überaktive Blase hat, spürt immer wieder einen starken, kaum aufschiebbaren Harndrang und muss sehr häufig zur Toilette. Häufig kommt nächtlicher Harndrang hinzu. Fachleute sprechen vom Syndrom der überaktiven Blase, international „Overactive Bladder“ (OAB). Laut einer Cochrane-Übersicht haben rund 16 von 100 Erwachsenen solche Beschwerden, mit steigendem Alter häufiger.

Die Begriffe werden nicht ganz einheitlich verwendet. Das österreichische Gesundheitsportal setzt die überaktive Blase mit der Dranginkontinenz und der Reizblase gleich. In der Cochrane-Übersicht umfasst die überaktive Blase dagegen Harndrang mit häufigem Wasserlassen und/oder Harnverlust. Ein Harnverlust muss demnach nicht immer dabei sein.

Wie entsteht eine überaktive Blase?

Dahinter steht eine Überaktivität der Muskulatur in der Blasenwand. Möglich sind Blasenreizungen, etwa durch eine Infektion, Blasensteine oder in seltenen Fällen durch Krebs. Ebenso kommen Erkrankungen infrage, die die Steuerung der Blase durch das Gehirn beeinträchtigen, etwa Schlaganfall, Demenz oder Multiple Sklerose. Auch Alterserscheinungen können eine Rolle spielen.

Koffeinhaltige, alkoholische und kohlensäurehaltige Getränke fördern den Harndrang. Zu wenig zu trinken verstärkt ihn ebenfalls, weil der Harn dann konzentrierter ist. Wie sich das Bild von einer Blasenentzündung unterscheidet, beschreibt der Begriff „Blasenentzündung“.

Wie wird die überaktive Blase abgeklärt?

Am Anfang stehen ein ärztliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung, bei Männern auch der Prostata. Eine Harnuntersuchung gehört dazu, unter anderem um eine Harnwegsinfektion auszuschließen. Hilfreich ist ein Blasentagebuch, in dem Betroffene ein bis zwei Tage lang Uhrzeit und Harnmenge jedes Toilettengangs notieren.

Weitere Untersuchungen sind etwa Ultraschall, die Messung des Restharns oder eine urodynamische Messung, bei der der Druck in der Blase über einen Katheter gemessen wird. Anlaufstellen sind Ärzt:innen für Allgemeinmedizin, Fachärzt:innen für Urologie und Gynäkologie sowie Inkontinenzambulanzen an Krankenhäusern. Was die Urologie umfasst, beschreibt der Begriff „Urologie“.

Was hilft bei einer überaktiven Blase?

Meist stehen Maßnahmen ohne Medikamente am Anfang. Beim Blasentraining werden Toilettengänge nach festem Zeitplan eingehalten, und der Drang wird dazwischen bewusst unterdrückt. Mit der Zeit werden die Abstände länger. Die britische Leitlinie NICE empfiehlt es Frauen mit Dranginkontinenz für mindestens sechs Wochen als ersten Schritt. Auch Beckenbodentraining und Entspannungstechniken werden eingesetzt.

Sinnvoll ist, etwa 1,5 bis 2 Liter am Tag gleichmäßig verteilt zu trinken und Koffein zu reduzieren. Weniger zu trinken bessert die Beschwerden nicht, sondern kann Kreislaufprobleme und Schwindel verursachen. Bis sich ein Erfolg zeigt, kann es etwa einen Monat oder länger dauern.

Reicht das nicht, kommen Medikamente infrage, die die Blasenmuskulatur entspannen. Für Anticholinergika fand die Cochrane-Übersicht bedeutsame, aber bescheidene Verbesserungen gegenüber Placebo. Häufigere Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit, Verstopfung und Probleme beim Entleeren der Blase. Wie sich eine Langzeiteinnahme auf Gedächtnis und Denken auswirkt, ist laut NICE unklar, bei älteren Menschen und bei Demenz ist besondere Vorsicht geboten.

Helfen Medikamente nicht, gibt es fachärztliche Verfahren wie Botulinumtoxin-Injektionen in die Blasenwand oder eine Stimulation von Nerven, die die Blase steuern. Nach Botulinumtoxin steigt laut NICE das Risiko für Harnwegsinfektionen, und manchmal muss die Blase vorübergehend mit einem Katheter entleert werden.

Wann ist rasch ärztliche Hilfe nötig?

Kommen Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen hinzu, kann eine Harnwegsinfektion dahinterstecken, die ärztlich abgeklärt werden sollte. Fieber über 38 Grad, Schüttelfrost oder Schmerzen in der Nierengegend können darauf hinweisen, dass sich eine Entzündung bis zu den Nieren ausgebreitet hat. Sichtbares Blut im Harn sollte immer abgeklärt werden. Schwäche oder Gefühlsverlust in den Beinen, im Genital- oder Analbereich kann auf eine Schädigung des Rückenmarks hinweisen und ist ein Grund, sofort eine Notaufnahme aufzusuchen oder die Rettung unter 144 zu rufen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (7)