Was ist die Traditionelle Chinesische Medizin?
Die TCM beruht auf einer eigenen Vorstellung vom Körper und von Krankheit. Im Mittelpunkt steht die Lebenskraft Qi, die nach dieser Lehre durch den Körper fließt. Gerät dieser Fluss aus dem Lot, entstehen nach der TCM Krankheiten. Um ihn wiederherzustellen, sollen die gegensätzlichen Kräfte Yin und Yang ins Gleichgewicht gebracht werden.
Yin und Yang zeigen sich nach dieser Vorstellung etwa als Kälte oder Hitze, als innere oder äußere Einflüsse und als Mangel oder Überschuss. Viele Diagnosebegriffe der TCM stimmen laut MSD Manual nicht mit dem heutigen wissenschaftlichen Verständnis von Biologie und Krankheit überein. Das österreichische Gesundheitsportal zählt die TCM, wie auch die Akupunktur, üblicherweise zur Komplementärmedizin.
Woher kommt die TCM?
Die TCM ist vor mehr als 2000 Jahren in China entstanden. Heute werden ihre Vorstellungen aber nicht nur dort genutzt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO beschreibt Diagnosen, die aus dem alten China stammen, als gebräuchlich in China, Japan, Korea und anderen Ländern weltweit.
Für diese Diagnosen führt die WHO in ihrer Klassifikation ICD-11 ein eigenes Kapitel zur traditionellen Medizin. Es dient dazu, solche Diagnosen einheitlich zu zählen und zu vergleichen, seine Verwendung ist freiwillig. Die WHO betont, dass das Kapitel weder die wissenschaftliche Gültigkeit der Methoden noch die Wirksamkeit von Behandlungen beurteilt oder befürwortet.
Welche Methoden gehören zur TCM?
Am häufigsten werden Akupunktur, Heilkräuter und Qigong eingesetzt. Bei der Akupunktur werden feine Nadeln an bestimmten Punkten durch die Haut gestochen. Qigong ist eine meditative Übungsform. Dazu kommen Ernährung und Massage, etwa die Tuina mit Drücken, Reiben, Ziehen und Kneifen. Bei der Moxibustion werden Akupunkturpunkte mit der Hitze von brennendem Kraut, oft Beifuß, gereizt.
Die Kräutertherapie arbeitet mit Mischungen aus mehreren Pflanzen, die je nach Erkrankung zusammengestellt werden. Grundlage der Behandlung ist ein sogenanntes Muster der Disharmonie, das Behandelnde bei der Untersuchung bestimmen. Dazu gehören unter anderem Puls- und Zungendiagnose. Studien fanden für die Pulsdiagnose sehr unterschiedliche Übereinstimmung, für die Zungendiagnose erhebliche Schwankungen. Auch die Musterdiagnosen selbst erwiesen sich in Studien als nicht sehr zuverlässig.
Was sagt die Forschung?
Für die meisten komplementärmedizinischen Behandlungen gibt es laut Gesundheitsportal keine Hinweise auf eine Wirksamkeit. Bei der TCM ist die Forschung zudem schwierig. Die Wirkstoffe der Kräuter sind oft nicht gereinigt und häufig gar nicht bekannt, und die Dosis kann je nach Herkunft der Pflanzen schwanken. Untersucht wird deshalb meist eine einzelne Pflanze, die allein aber anders wirken kann als in einer Mischung.
Übersichtsarbeiten, die meisten mit Studien aus China, deuten laut MSD Manual in einzelnen Bereichen auf eine Wirkung hin, etwa bei Beschwerden des Tourette-Syndroms. Viele dieser Arbeiten haben aber erhebliche Schwächen und müssen durch sorgfältigere Studien bestätigt werden. Für Kräutermischungen gibt es meist nur schwache oder nicht schlüssige Belege. Auch bei der Akupunktur nennt das Gesundheitsportal nur wenige Erkrankungen, bei denen sie möglicherweise helfen kann.
Welche Risiken haben chinesische Kräutermittel?
Pflanzliche Mittel mit wirksamen Inhaltsstoffen können immer auch Nebenwirkungen oder Vergiftungen auslösen, hält das Gesundheitsministerium fest. Für chinesische Kräutermischungen gibt es laut MSD Manual praktisch keine Standards und Qualitätskontrollen. Sie können mit giftigen Schwermetallen verunreinigt sein oder Arzneistoffe wie Antibiotika oder Kortikosteroide enthalten. Zutaten werden außerdem oft ersetzt, zum Teil weil Pflanzennamen nicht richtig übersetzt werden.
Welche Folgen das haben kann, zeigte sich in Belgien. Dort erkrankten mehr als 100 Menschen nach der Einnahme von Schlankheitspillen mit einer chinesischen Heilpflanze, die Aristolochiasäure enthält, an einer fortschreitenden Nierenschädigung. Diese Erkrankung geht häufig mit Krebs der Harnwege einher. Laut einer Übersichtsarbeit von 2008 werden solche Fälle weltweit weiter beobachtet, unter anderem weil in asiatischen Ländern pflanzliche Produkte oft durch aristolochiasäurehaltige Kräuter ersetzt werden.
Auch Leberschäden durch TCM-Mittel sind beschrieben, eine Übersichtsarbeit nennt Fälle bis hin zu Lebertransplantation und Tod. Das Kraut Ma-Huang (Ephedra) kann Herzschlag und Blutdruck steigern und so das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt erhöhen. Wechselwirkungen sind zwischen den Kräutern selbst und mit üblichen Medikamenten möglich. Das Gesundheitsministerium empfiehlt, komplementärmedizinische Anwendungen bei einer Erkrankung nur in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt zu nutzen.
Was gilt in Österreich?
Krankheiten festzustellen und zu behandeln ist in Österreich vor allem Ärzt:innen vorbehalten. Das gilt laut Gesundheitsministerium auch, wenn dafür komplementärmedizinische Methoden eingesetzt werden. Akupunktur dürfen nur Ärzt:innen und Hebammen mit einer speziellen Zusatzausbildung anbieten. Für Ärzt:innen gibt es zudem Fortbildungsdiplome der Österreichischen Ärztekammer im Bereich der Komplementärmedizin. Ein solches Ausbildungsangebot sagt laut Gesundheitsministerium aber nichts über die Wirksamkeit einer Methode aus.
Wie andere komplementärmedizinische Verfahren ist die TCM kein Ersatz für gut untersuchte Behandlungen. Besonders bei Erkrankungen wie Krebs kann es die Überlebenschancen verringern, eine wirksame Therapie hinauszuzögern. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten komplementärmedizinischer Behandlungen in der Regel nicht. Eine Erstattung ist nur im Einzelfall auf Antrag möglich.