balancio

Qigong

04:48

Auf den Punkt gebracht

Qigong ist eine chinesische Übungspraxis aus ruhigen Bewegungen, Körperhaltungen, Atemübungen und Konzentration. In der Traditionellen Chinesischen Medizin gilt es als Weg, die Lebenskraft Qi zu pflegen. Seinen heutigen Namen erhielt Qigong in den 1950er-Jahren in China.

Was ist Qigong?

Qigong verbindet sanfte Körperhaltungen, achtsame Bewegungen und eine Atemtechnik. Nach dem MSD Manual gehört es neben Akupunktur und Heilkräutern zu den am häufigsten verwendeten Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Im Mittelpunkt der TCM steht die Vorstellung einer im Körper fließenden Lebenskraft, des Qi, die ins Gleichgewicht gebracht werden soll. Das chinesische Wort qi bedeutet Luft oder Dunst, gong steht im Chinesischen unter anderem für Verdienst, Leistung oder Arbeit.

Es gibt Tausende Formen, die in verschiedenen Regionen Chinas und von verschiedenen Lehrenden entwickelt wurden. Manche zielen auf die Gesundheit, andere stammen aus spirituellen Ritualen oder aus den Kampfkünsten. Geübt wird mit langsamen, fließenden Bewegungen oder in ruhigen Haltungen im Stehen und Sitzen, dabei werden Atem und Aufmerksamkeit bewusst gelenkt. Zu den in Studien untersuchten Formen gehören etwa Baduanjin und Guolin-Qigong. Davon unterscheidet man das sogenannte äußere Qigong, bei dem eine behandelnde Person Qi aussenden soll.

Woher kommt Qigong?

Die Übungen gehen auf ältere Praktiken aus der chinesischen Medizin, den Kampfkünsten, dem Buddhismus und dem Daoismus zurück. Das Wort Qigong war aber bis in die 1950er-Jahre kaum gebräuchlich. Damals untersuchte ein medizinisches Team in der Provinz Hebei die Übungsform Neiyanggong, die der örtliche Beamte Liu Guizhen bekannt gemacht hatte. Der Teamleiter Huang Yueting schlug den Namen Qigong vor. Qi konnte nämlich in der westlichen Medizin für Sauerstoff und in der chinesischen für die ursprüngliche Lebenskraft stehen.

Ab 1956 entstanden mit staatlicher Unterstützung eigene Qigong-Sanatorien. Begriffe, die als religiös oder abergläubisch galten, wurden dabei aus den Übungen entfernt. In der Kulturrevolution ab 1966 wurde Qigong angegriffen, das Sanatorium in Tangshan wurde 1969 geschlossen. Die oft genannte Geschichte von mehr als 2000 Jahren beruht auf dem Medizinklassiker Huangdi Neijing. Er beschreibt ähnliche Übungen, das Wort Qigong selbst kommt darin aber nicht vor.

Was sagt die Forschung?

Das österreichische Gesundheitsportal zählt Qigong wie Tai-Chi und Yoga zu den Aktivitäten, die Koordination und Gleichgewichtssinn schulen. Als fernöstliche Entspannungsmethode empfinden es manche Menschen als angenehm.

Eine Auswertung von 26 Übersichtsarbeiten zu Tai-Chi und Qigong aus den Jahren 2014 bis 2024 fand nur bei zwei Fragen hohe Aussagesicherheit. Das waren ein gesenkter Blutdruck bei Bluthochdruck und die Knochendichte nach den Wechseljahren. Ein großer Teil der übrigen Ergebnisse hatte eine geringe oder sehr geringe Aussagesicherheit. Für Qigong zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen fand eine Cochrane-Übersicht nur sehr begrenzte Belege aus kleinen Studien mit hohem Verzerrungsrisiko.

Worauf ist zu achten?

In der Auswertung der 26 Übersichtsarbeiten wurden dort, wo Nebenwirkungen erfasst waren, keine schweren unerwünschten Ereignisse berichtet. Schäden wurden allerdings uneinheitlich dokumentiert. Eine psychiatrische Übersichtsarbeit von 1999 beschreibt, dass unsachgemäß geübtes Qigong ungewöhnliche körperlich-seelische Reaktionen und in Einzelfällen sogar psychische Störungen bis hin zu Psychosen auslösen kann. Oft wirkt die Übung dabei eher als Auslöser bei Menschen, die ohnehin verletzlich sind, ein ursächlicher Zusammenhang ist schwer nachzuweisen.

Das Gesundheitsportal rät, bei Kursen auf die Qualifikation zu achten und bei gesundheitlichen Beschwerden ärztlichen Rat einzuholen. Krankheiten festzustellen und zu behandeln ist in Österreich vor allem Ärzt:innen vorbehalten. In einer akuten seelischen Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, im Notfall die Rettung unter 144.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (13)