Bei der Akupressur wird mit den Fingern auf bestimmte Punkte des Körpers gedrückt, oft mit kreisenden Bewegungen. Die Methode stammt aus der traditionellen chinesischen Medizin und nutzt die Punkte der Akupunktur, kommt aber ohne Nadeln aus. Für einige Anwendungen gibt es Hinweise auf einen Nutzen, die Studienlage ist aber meist unsicher.
Was ist Akupressur?
Akupressur ist eine Massageform, bei der mit den Fingerspitzen sanfter bis stärkerer Druck auf ausgewählte Punkte ausgeübt wird. Der Name verbindet die lateinischen Wörter „acus“ für Nadel und „pressura“ für Druck.
Die Akupressur beruht auf der Vorstellung der traditionellen chinesischen Medizin, dass Energiebahnen, die Meridiane, durch den Körper verlaufen. In ihnen soll eine Lebensenergie fließen, das Qi oder Chi. Durch Druck auf Punkte entlang dieser Bahnen soll die Lebensenergie beeinflusst werden. Wissenschaftlich konnte die Existenz von Meridianen bisher nicht bestätigt werden, und eine einheitliche „Landkarte“ der Meridiane gibt es auch innerhalb der chinesischen Medizin nicht.
Wie unterscheidet sich Akupressur von Akupunktur und Shiatsu?
Akupunktur und Akupressur reizen dieselben Punkte, die Akupunktur aber mit feinen Nadeln in der Haut. In Österreich dürfen nur Ärzt:innen und Hebammen mit einer speziellen Zusatzausbildung Akupunktur anbieten. Die Akupressur bleibt dagegen auf der Hautoberfläche.
Auch Shiatsu arbeitet mit Druck auf Körperpunkte, ist aber eine eigenständige japanische Methode. Eine Fachpublikation beschreibt mehrere technische Unterschiede. Bei der Akupressur wird meist nur an wenigen Punkten gearbeitet, der Druck ist oft kreisend oder pumpend und kommt eher aus Armen und Händen. Shiatsu nutzt dagegen gleichbleibenden Druck mit gestrecktem Daumen und dem ganzen Körpergewicht.
Wie läuft eine Akupressur ab?
Gedrückt wird meist mit Fingern oder Daumen, manchmal auch mit dem Ellbogen. Dazu kommen kreisende, reibende oder knetende Bewegungen. Öl oder Creme wird in der Regel nicht verwendet.
Akupressur lässt sich auch selbst anwenden. Häufig empfohlen werden etwa Bänder für das Handgelenk, die sanften Druck auf bestimmte Punkte ausüben sollen. Ein Beispiel ist die Übelkeit in der Schwangerschaft.
Was sagt die Forschung?
Besonders viele Studien gibt es zu Druck auf einen Punkt am Handgelenk gegen Übelkeit nach Operationen. Eine Cochrane-Übersicht von 2025 wertete dazu 77 Studien aus. Verfahren ohne Nadeln, etwa Akupressurbänder, verringerten Übelkeit und Erbrechen im Vergleich zu einer Scheinbehandlung möglicherweise. Das Vertrauen in diese Ergebnisse ist aber gering.
Bei Übelkeit in der Schwangerschaft sind die Studienergebnisse widersprüchlich. Gegen Geburtsschmerzen hilft Akupressur eventuell, verlässliche Forschungsergebnisse fehlen aber noch. Auch bei Schlafproblemen lassen die vorhandenen Studien keine klare Schlussfolgerung zu. Massagen, zu denen die Akupressur zählt, können chronische Rückenschmerzen allenfalls kurzfristig lindern.
Worauf ist zu achten?
In der Cochrane-Übersicht traten keine ernsten Komplikationen auf. Berichtet wurden leichte, vorübergehende Beschwerden wie Hautreizungen, Rötungen und Schwellungen, auch dazu ist die Datenlage aber unsicher. Für Massagen allgemein gilt, dass bei erhöhter Blutungsneigung Blutergüsse möglich sind. Auf Knochen mit Osteoporose oder mit Absiedelungen einer Krebserkrankung darf kein direkter Druck ausgeübt werden.
Krankheiten festzustellen und zu behandeln ist in Österreich vor allem Ärzt:innen vorbehalten. Das gilt auch, wenn dafür komplementärmedizinische Methoden eingesetzt werden.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.