Was ist Shiatsu?
Shiatsu ist eine manuelle Behandlungsform, die sich vor allem in Japan entwickelt hat. Das japanische Wort bedeutet wörtlich „Fingerdruck“. Gearbeitet wird aber auch mit Daumen, Handflächen, Ellbogen, Knien und Füßen. Dazu kommen Dehnungen, Rotationen und schaukelnde Bewegungen.
Gedanklich stützt sich Shiatsu auf Vorstellungen der chinesischen Medizin. Dazu gehören Yin und Yang, die fünf Elemente, Meridiane als Energiebahnen und Ki, die Lebensenergie. Nach dieser Lehre soll der Druck Ungleichgewichte im Körper ausgleichen. Diese Modelle entsprechen nur teilweise westlichen medizinischen Vorstellungen.
Woher kommt Shiatsu?
Shiatsu stammt aus Japan und wird dort seit 1940 an eigenen Schulen unterrichtet. Laut einer Fachpublikation erkannte das japanische Gesundheitsministerium es 1964 als eigenständige japanische Behandlungsmethode an. Fast alle heutigen Stilrichtungen beruhen auf der Arbeit von Tokujiro Namikoshi, Shizuto Masunaga oder Katsusuke Serizawa.
In Japan ist der Stil nach Namikoshi am weitesten verbreitet. Auf Masunaga geht das Zen-Shiatsu zurück, das mit einem eigenen Meridiansystem arbeitet.
Wie läuft eine Shiatsu-Behandlung ab?
Eine Behandlung beginnt mit einem Gespräch und findet am Boden auf einer Matte statt. Dazu kommt eine energetische Einschätzung, vor allem durch Berührung, etwa am Bauch (Hara) und am Rücken.
Den Druck geben Shiatsu-Praktiker:innen aus der Körpermitte und mit dem eigenen Körpergewicht, meist senkrecht und gleichbleibend. Er kann je nach Verfassung sanft oder kräftig sein. Behandelt wird meist der ganze Körper. Im Anschluss können Praktiker:innen Übungen empfehlen, etwa Makko-Ho- oder Do-In-Übungen.
Ist Shiatsu eine Massage?
Shiatsu wird oft „Shiatsu-Massage“ genannt, unterscheidet sich aber von klassischer Massage. Diese knetet, streicht und walkt vor allem die Muskulatur. Shiatsu arbeitet dagegen mit ruhendem, anhaltendem Druck. Die Massage-Verordnung führt Shiatsu als „ganzheitlich in sich geschlossenes System“ mit eigenen Zugangsvoraussetzungen, getrennt von der allgemeinen Masseur-Ausbildung.
Auch von der verwandten Akupressur unterscheidet es sich, etwa durch die Art des Drucks, den gestreckten Daumen und den Einsatz des ganzen Körpergewichts.
Wer bietet Shiatsu in Österreich an?
Shiatsu wird in Österreich als beschränkte Form des Massagegewerbes ausgeübt. Voraussetzung ist eine Ausbildung nach der Massage-Verordnung mit mindestens 650 Stunden über drei Jahre und 150 protokollierten Sitzungen. Auf dem Lehrplan stehen neben Shiatsu-Theorie und -Techniken auch Anatomie, Gegenanzeigen, Hygiene und Erste Hilfe.
In der Übersicht der Wirtschaftskammer Tirol zählt Shiatsu zur präventiven Arbeit, nicht zur Arbeit zu Heilzwecken. Die Ausbildung kennt zwar eine energetische Einschätzung. Krankheiten festzustellen und zu behandeln ist in Österreich aber vor allem Ärzt:innen vorbehalten.
Was sagt die Forschung?
Gute Belege für eine Wirkung bei bestimmten Erkrankungen oder Beschwerden fehlen. Eine systematische Übersicht von 2011 fand nur neun Shiatsu-Studien ausreichender Qualität. Diese reichten für keine gesicherte Aussage zu einem bestimmten Beschwerdebild. Ergebnisse zur Akupressur lassen sich laut einer späteren Fachpublikation nicht einfach auf Shiatsu übertragen, weil sich die Techniken unterscheiden.
Wo liegen die Grenzen?
Shiatsu kann laut dem österreichischen Dachverband keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung ersetzen. In der Fachliteratur gilt es als grundsätzlich sichere Methode. In einer europäischen Beobachtungsstudie, auch in Österreich, berichteten je nach Land 12 bis 22 Prozent der Klient:innen von unangenehmen Reaktionen, meist vorübergehend. Bei 1,4 Prozent wurde eine Reaktion als mögliches Sicherheitsrisiko eingestuft.
Einzelne Fallberichte beschreiben ernste Zwischenfälle, etwa nach Shiatsu am Hals oder eine Verletzung der Wirbelarterie nach jahrelangem Shiatsu. Ein anderer Bericht schildert eingedrückte Gefäßstützen (Stents) in den Beckenarterien nach täglichem Druck auf den Bauch. Die Autor:innen empfehlen Ärzt:innen, Menschen mit solchen Stents von Druck auf die Bauchdecke abzuraten.
Für Massagen allgemein, darunter Shiatsu, nennt das MSD Manual weitere Vorsichtsregeln. Auf Knochen mit Osteoporose oder Krebsabsiedelungen darf kein direkter Druck ausgeübt werden. Bei erhöhter Blutungsneigung können Massagen Blutergüsse und Blutungen auslösen.