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Zwanghafte sexuelle Verhaltensstörung

04:33

Auf den Punkt gebracht

Bei einer zwanghaften sexuellen Verhaltensstörung gelingt es einem Menschen über lange Zeit nicht, starke sexuelle Impulse zu kontrollieren. Das sexuelle Verhalten kann in den Mittelpunkt des Lebens rücken und führt zu deutlichem Leid oder zu Problemen in Alltag und Beziehungen. Umgangssprachlich ist oft von Sexsucht oder Sexualsucht die Rede.

Was ist eine zwanghafte sexuelle Verhaltensstörung?

Kennzeichnend ist ein anhaltendes Muster, bei dem intensive, wiederkehrende sexuelle Impulse nicht gesteuert werden können. Sexuelle Handlungen können so zentral werden, dass Gesundheit, Körperpflege, Interessen und Pflichten zu kurz kommen. Viele Versuche, das Verhalten einzuschränken, scheitern. Betroffene machen trotz negativer Folgen weiter, oft auch dann, wenn es ihnen kaum noch Befriedigung bringt. Für die Diagnose muss das Muster über längere Zeit bestehen, etwa sechs Monate oder mehr.

Das Verhalten kann sich unterschiedlich zeigen, zum Beispiel in sehr häufig wechselnden sexuellen Kontakten, exzessiver Selbstbefriedigung oder exzessivem Konsum von Pornografie. Viele Betroffene fühlen sich getrieben, empfinden danach Schuld und Scham und verheimlichen ihr Verhalten. Folgen können finanzielle Probleme, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, Krisen in der Partnerschaft und Ansteckungen mit sexuell übertragbaren Krankheiten sein.

Männer sind vermutlich häufiger betroffen als Frauen. Zudem haben Betroffene laut Gesundheitsportal ein erhöhtes Risiko für weitere psychische Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen.

Sucht oder Impulskontrollstörung?

Ob es sich um eine Sucht handelt, ist in der Fachwelt umstritten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Störung unter dem englischen Namen Compulsive Sexual Behaviour Disorder in ihre Klassifikation ICD-11 aufgenommen, aber nicht bei den Süchten eingeordnet, sondern bei den Störungen der Impulskontrolle. Begründet wird das damit, dass noch nicht sicher bekannt ist, ob dabei dieselben Vorgänge ablaufen wie bei Abhängigkeiten von Substanzen oder vom Glücksspiel.

Nach der älteren ICD-10 kann ein solches Verhalten unter anderem als „gesteigertes sexuelles Verlangen“ eingeordnet werden. Unter diese Kategorie fallen dort auch die alten Begriffe Nymphomanie und Satyriasis.

Wo liegen die Grenzen der Diagnose?

Viel Lust auf Sex allein ist keine Störung. Wer ein starkes sexuelles Interesse hat, das Verhalten aber steuern kann und nicht darunter leidet, erhält diese Diagnose nicht. Auch das oft hohe sexuelle Interesse in der Jugend gilt nicht als Störung.

Leid, das nur aus moralischen Bewertungen oder Ablehnung der eigenen sexuellen Wünsche entsteht, reicht für die Diagnose nicht aus. Wer sich selbst als „sexsüchtig“ bezeichnet, erfüllt bei genauer Untersuchung nicht immer die Kriterien. Zudem müssen andere Ursachen ausgeschlossen werden, etwa eine Manie, eine Demenz, bestimmte Medikamente wie bei Parkinson oder Drogen.

Paraphilien, also sexuelle Erregungsmuster, die etwa auf Menschen gerichtet sind, die nicht einwilligen können oder wollen, bilden in der ICD-11 eine eigene Gruppe. Diese ist von der zwanghaften sexuellen Verhaltensstörung ausdrücklich abgegrenzt.

Was hilft?

Behandelt wird mit Psychotherapie, bei Bedarf auch mit Medikamenten. In einer Psycho- oder Sexualtherapie lernen Betroffene andere Verhaltensweisen und Wege, Rückfälle zu vermeiden, einzeln, in der Gruppe oder als Paar. Oft stehen hinter dem Verhalten seelische Belastungen, die ebenfalls bearbeitet werden. Ärzt:innen können Medikamente verschreiben, darunter auch Antidepressiva. Selbsthilfegruppen bieten Austausch, und auch Partner:innen kann eigene Unterstützung entlasten.

Wer hilft in Österreich?

Ansprechpersonen sind Fachärzt:innen für Psychiatrie, Ärzt:innen mit Fortbildung in Sexualmedizin oder psychotherapeutischer Medizin, Psychotherapeut:innen und Klinische Psycholog:innen. Notwendige und zweckmäßige Diagnose- und Therapiemaßnahmen übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung, teils mit Selbstbehalt.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (4)