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Soziale Angststörung

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Auf den Punkt gebracht

Menschen mit einer sozialen Angststörung haben starke Angst vor Situationen, in denen andere sie beobachten oder bewerten könnten, etwa beim Reden, Essen oder Vortragen. Sie fürchten, sich zu blamieren oder abgelehnt zu werden, und meiden solche Situationen oft. Die Störung ist auch als soziale Phobie bekannt und lässt sich vor allem mit Psychotherapie wirksam behandeln.

Was ist eine soziale Angststörung?

Ein wenig Lampenfieber oder Unsicherheit unter Fremden ist normal. Bei einer sozialen Angststörung ist die Angst jedoch so stark, dass Betroffene solche Situationen meiden oder nur unter großer Qual durchstehen. Im Mittelpunkt steht die Sorge, sich so zu verhalten oder die Angst so zu zeigen, dass andere einen negativ bewerten.

Viele fürchten, dass man ihnen die Angst ansieht, dass sie erröten, schwitzen oder zittern, mit zitternder Stimme sprechen oder die richtigen Worte nicht finden. Auslöser können Gespräche sein, das Kennenlernen fremder Menschen, Essen und Trinken in Gesellschaft, Reden in der Öffentlichkeit oder Arbeiten unter Beobachtung. Bei manchen beschränkt sich die Angst auf eine oder wenige Leistungssituationen, bei anderen betrifft sie viele Begegnungen.

Laut MSD Manual erleben etwa 13 Prozent aller Menschen im Lauf ihres Lebens zeitweise eine soziale Angststörung. Unbehandelt dauert die Störung oft lange an, und viele verzichten dann auf Dinge, die sie gerne tun würden.

Woher kommt der Begriff?

Angst vor dem Auftreten vor anderen ist seit Langem beschrieben. Schon Robert Burton erwähnte 1621 in seinem Werk „The Anatomy of Melancholy“ den römischen Redner Cicero, der zu Beginn seiner Reden zitterte. Als eigene Diagnose „soziale Phobie“ erschien die Störung 1980 im DSM-III, einem Diagnosehandbuch der amerikanischen Psychiatrie.

Heute spricht die WHO in ihrer Klassifikation ICD-11 von sozialer Angststörung.

Wie wird eine soziale Angststörung festgestellt?

Fachleute sprechen von einer sozialen Angststörung, wenn die Angst in sozialen Situationen ausgeprägt und beständig ist. Sie besteht laut ICD-11 seit mindestens mehreren Monaten und belastet deutlich oder schränkt den Alltag spürbar ein. Abzugrenzen sind andere Störungen mit ähnlichen Beschwerden, etwa Agoraphobie, Panikstörung oder körperdysmorphe Störung. Ähnliche Symptome kann auch eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung zeigen.

Was hilft bei einer sozialen Angststörung?

Wirksam sind vor allem die Konfrontation, auch Exposition genannt, und die kognitive Verhaltenstherapie. Die britische Leitlinie NICE empfiehlt Erwachsenen als erste Wahl eine Einzeltherapie mit kognitiver Verhaltenstherapie, die eigens für soziale Angst entwickelt wurde. In der kognitiven Verhaltenstherapie lernen Betroffene laut MSD Manual, angstauslösende Denkmuster zu erkennen und zu verändern, Entspannungstechniken anzuwenden und sich gefürchteten Situationen schrittweise zu stellen.

Nicht jede Situation lässt sich beliebig oft üben, etwa ein Gespräch mit der eigenen Vorgesetzten. Dann können Ersatzsituationen helfen, zum Beispiel das Vorlesen vor anderen Menschen in einer Gruppe.

Als Medikamente kommen vor allem Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI infrage. Zu Beginn kann die Angst vorübergehend zunehmen. Bei Menschen unter 30 Jahren ist laut NICE in seltenen Fällen das Risiko für Suizidgedanken erhöht, deshalb ist anfangs eine enge ärztliche Begleitung wichtig. Benzodiazepine empfiehlt NICE bei sozialer Angststörung nicht routinemäßig, sie können müde machen und das Gedächtnis beeinträchtigen. Betablocker können vor einem Auftritt körperliche Zeichen wie Herzrasen, Zittern und Schwitzen dämpfen, die Angst selbst verringern sie aber nicht. Johanniskraut und andere frei verkäufliche Mittel gegen Angst empfiehlt NICE nicht, auch wegen möglicher Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Manche Betroffene versuchen, sich mit Alkohol oder Cannabis selbst zu behandeln. Alkohol und Drogen können Angst laut WHO jedoch verstärken.

Wer hilft in Österreich?

Eine erste Anlaufstelle kann die Hausärztin oder der Hausarzt sein. Weiter helfen Fachärzt:innen für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, Ärzt:innen mit Weiterbildung in psychotherapeutischer Medizin, Psychotherapeut:innen und Klinische Psycholog:innen sowie Kassen- und Spitalsambulanzen für Psychiatrie.

Angststörungen können das Suizidrisiko erhöhen. In einer akuten Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 erreichbar.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (7)