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Körperdysmorphe Störung

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Auf den Punkt gebracht

Bei der körperdysmorphen Störung beschäftigen sich Menschen anhaltend mit vermeintlichen Makeln ihres Aussehens, die andere kaum oder gar nicht bemerken. Daraus entstehen zeitraubende Verhaltensweisen wie ständiges Prüfen im Spiegel oder Verstecken, die stark belasten und den Alltag einschränken. Die Erkrankung geht mit einem erhöhten Suizidrisiko einher, kognitive Verhaltenstherapie und bestimmte Antidepressiva helfen in der Regel.

Was ist eine körperdysmorphe Störung?

Menschen mit körperdysmorpher Störung sind überzeugt, an einem oder mehreren Makeln im Aussehen zu leiden, die in Wirklichkeit nicht oder kaum vorhanden sind. Jeder Körperteil kann betroffen sein, am häufigsten geht es um Gesicht, Haut, Nase oder Haare. Betroffene beschreiben die ungeliebten Stellen etwa als hässlich, entstellt oder abscheulich. Viele glauben, andere würden sie deshalb anstarren oder über sie reden.

Sorgen um das eigene Aussehen sind verbreitet, besonders in der Jugend. Von einer Störung sprechen Fachleute, wenn die Beschäftigung viel Zeit kostet, stark belastet oder Arbeit, Schule und Beziehungen beeinträchtigt. Eine Sonderform ist die Muskeldysmorphie, bei der sich meist Männer trotz normalen oder sportlichen Körperbaus zu wenig muskulös finden.

Woran erkennt man eine körperdysmorphe Störung?

Typisch sind wiederholte Handlungen rund um den vermeintlichen Makel. Viele kontrollieren sich ständig im Spiegel, andere meiden Spiegel ganz. Häufig sind auch übertriebenes Herrichten, Vergleichen mit anderen, Zupfen an der Haut und Kaschieren mit Kleidung, Bart oder Kopfbedeckung. Manche meiden Umkleiden, Schwimmbäder oder Menschen überhaupt, im schweren Fall verlassen sie ihr Zuhause nur nachts oder gar nicht.

Wie sehr Betroffene ihre Sicht für richtig halten, ist unterschiedlich. Die meisten sind sich nicht bewusst, dass sie eigentlich normal aussehen. Die Störung beginnt meist im Jugendalter. Weil Scham und Verlegenheit groß sind, vergehen oft viele Jahre bis zur Diagnose. Laut MSD Manual berichten Studien, dass etwa 2 bis 5 Prozent der Menschen betroffen sind.

Woher kommt der Begriff?

Der italienische Psychiater Enrico Morselli beschrieb die Störung 1891 und prägte dafür das Wort „Dysmorphophobie“. Es geht auf das griechische „dysmorphia“ für Hässlichkeit zurück. In der in Österreich verwendeten ICD-10 zählt die nicht wahnhafte Dysmorphophobie zur hypochondrischen Störung.

Die neuere ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt die körperdysmorphe Störung bei den Zwangsstörungen und verwandten Störungen. Statt einer eigenen Wahn-Diagnose unterscheidet sie, ob die Einsicht gut, gering oder gar nicht vorhanden ist.

Was hilft bei einer körperdysmorphen Störung?

Als Behandlung kommen vor allem eine auf die Störung zugeschnittene kognitive Verhaltenstherapie und bestimmte Antidepressiva infrage. In der Therapie lernen Betroffene, ihr Aussehen angemessener zu sehen, und üben schrittweise, auf Kontrollieren und Verstecken zu verzichten. Medikamentös werden selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer oder Clomipramin eingesetzt, oft in hohen Dosen. Bei Erwachsenen mit schwerer Ausprägung empfiehlt das britische Institut NICE in seiner Leitlinie beides zusammen. Kinder und Jugendliche sollen zuerst eine Verhaltenstherapie unter Einbezug der Familie erhalten.

Die Studienlage beruht auf wenigen, eher kleinen Studien, für Medikamente ist sie laut NICE begrenzt. Laut NICE können solche Antidepressiva besonders in den ersten Behandlungswochen das Risiko für Suizidgedanken und Selbstverletzung erhöhen, vor allem bei Menschen unter 30 Jahren und bei begleitender Depression. Deshalb ist dann eine engmaschige ärztliche Begleitung wichtig. Ob das auch bei der körperdysmorphen Störung selbst gilt, ist laut NICE nicht geklärt.

Viele Betroffene lassen kosmetische, zahnmedizinische oder chirurgische Behandlungen vornehmen, die laut MSD Manual meist wenig erfolgreich sind und die Sorge noch verstärken können. Männer mit Muskeldysmorphie nehmen mitunter Anabolika, was gefährlich sein kann.

Wer hilft in Österreich?

Eine erste Anlaufstelle kann die Hausärztin oder der Hausarzt sein. Weiterführend helfen Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, bei jungen Menschen für Kinder- und Jugendpsychiatrie, sowie Psychotherapeut:innen und Klinische Psycholog:innen.

Die Störung geht oft mit Depressionen, sozialer Angst oder Suchtproblemen einher. Viele Betroffene haben im Lauf ihres Lebens Suizidgedanken. Bei solchen Gedanken hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 erreichbar.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (10)