balancio

Schematherapie

05:02

Auf den Punkt gebracht

Die Schematherapie ist eine Form der Psychotherapie, die auf Jeffrey Young zurückgeht. Sie arbeitet mit sogenannten Schemata: tief verankerten Mustern im Blick auf sich selbst und andere, die in der Kindheit entstehen, wenn wichtige Grundbedürfnisse unerfüllt bleiben. Gut untersucht ist sie vor allem bei Persönlichkeitsstörungen wie der Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Was ist Schematherapie?

Im Mittelpunkt stehen frühe maladaptive Schemata, englisch early maladaptive schemas, also früh entstandene, unangepasste Muster. Young beschreibt sie als umfassende Lebensthemen über sich selbst und die Beziehungen zu anderen. Sie entstehen in der Kindheit, werden im Lauf des Lebens weiter ausgebaut und schaden in deutlichem Maß. Dahinter steht ein Zusammenspiel von angeborenem Temperament und wiederholten schädigenden Erfahrungen mit Eltern, Geschwistern oder Gleichaltrigen.

Weil Schemata so früh beginnen, fühlen sie sich vertraut an. Menschen deuten Erlebnisse deshalb oft so, dass ihr Schema bestätigt wird. Das österreichische Gesundheitsportal fasst den Kern der Behandlung so zusammen: Erlernte, nicht gut funktionierende Verhaltensweisen sollen erkannt und verändert werden.

Woher kommt die Schematherapie?

Die Schematherapie wurde als integrativer Ansatz für komplexe, immer wiederkehrende psychische Probleme entwickelt. Young beschrieb sie zunächst als schemaorientierte kognitive Therapie für Persönlichkeitsstörungen, 2003 erschien mit Janet Klosko und Marjorie Weishaar ein Praxishandbuch. In der österreichischen Patienteninformation des Sozialministeriums steht sie als Neuerung der Verhaltenstherapie nach dem Jahr 2000.

Welche Schemata gibt es?

Das Modell kennt 18 Schemata, geordnet in fünf Bereiche, die jeweils für kindliche Grundbedürfnisse stehen. Zum Bereich „Abgetrenntheit und Ablehnung“ (englisch disconnection and rejection) gehören etwa die Erwartung, verlassen, misshandelt oder ausgenutzt zu werden, und das Gefühl, fehlerhaft und nicht liebenswert zu sein. Weitere Bereiche betreffen Selbstständigkeit und Leistung, fehlende innere Grenzen und eine übermäßige Ausrichtung an anderen. Der fünfte Bereich umfasst übertriebene Wachsamkeit und Hemmung, etwa den Druck, sehr hohe verinnerlichte Maßstäbe erfüllen zu müssen.

Wie läuft eine Schematherapie ab?

Neben den Schemata arbeitet die Therapie mit Schemamodi. Gemeint sind wechselnde Gefühlszustände und Bewältigungsreaktionen, die bestimmte Situationen auslösen. Ein zentrales Ziel ist, den Modus des „gesunden Erwachsenen“ zu stärken, der gut für die eigenen Bedürfnisse sorgen kann.

Als Herzstück gilt laut der internationalen Fachgesellschaft die begrenzte Nachbeelterung, englisch limited reparenting. Innerhalb der Grenzen einer professionellen Beziehung versucht die Therapeut:in, eine sichere Bindung anzubieten und Bedürfnisse zu erfüllen, die in der Kindheit zu kurz kamen. Strafenden oder fordernden inneren Anteilen wird dabei etwas entgegengesetzt, häufig mithilfe geführter Vorstellungsübungen. Schematherapie wird einzeln, in der Gruppe oder in beiden Formen kombiniert angeboten.

Wie gut ist Schematherapie untersucht?

Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung zählt das österreichische Gesundheitsportal die Schematherapie zu den bewährten Ansätzen. In einer niederländischen Studie über drei Jahre schnitt sie besser ab als eine übertragungsfokussierte Psychotherapie. Eine große Studie von 2022 mit 495 Teilnehmenden fand die Kombination aus Einzel- und Gruppentherapie wirksamer als die übliche Behandlung. Eine Vergleichsstudie von 2026 zeigte keinen bedeutsamen Unterschied zur Dialektisch-Behavioralen Therapie, beide führten zu deutlichen Verbesserungen.

Über verschiedene Persönlichkeitsstörungen hinweg fand eine Metaanalyse von 2023 eine Wirkung mittlerer Größe gegenüber Kontrollbedingungen. Schematherapie wird auch bei anderen psychischen Störungen eingesetzt. Ihre Wirksamkeit außerhalb der Persönlichkeitsstörungen muss laut einer Übersicht von 2023 aber noch gründlicher untersucht werden.

Wer bietet Schematherapie in Österreich an?

In der Berufsliste Psychotherapie gibt es keine eigene Methode mit diesem Namen. Die Behandlung krankheitswertiger psychischer Störungen ist Psychotherapeut:innen, Klinischen Psycholog:innen und Fachärzt:innen für Psychiatrie vorbehalten. Für einen Kostenzuschuss der Sozialversicherung zur Psychotherapie braucht es in der Regel eine krankheitswertige psychische Störung und eine ärztliche Bestätigung.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (14)