Was ist Dialektisch-Behaviorale Therapie?
Die DBT baut auf der kognitiven Verhaltenstherapie auf und stellt Gefühle in den Mittelpunkt. Nach ihrem Erklärungsmodell reagieren Menschen mit Borderline-Störung von Geburt an besonders stark und lange auf Gefühle. Wächst ein Kind in einem Umfeld auf, das seine Gefühle übergeht oder bestraft, lernt es kaum, sie zu steuern.
„Dialektisch“ stammt vom griechischen Wort für die Kunst der Gesprächsführung und meint, über Widersprüche zur Erkenntnis zu gelangen. „Behavioral“ geht auf das englische behavior zurück, also Verhalten. In der DBT sind die Gegenpole Akzeptanz und Veränderung: Therapeut:innen erkennen das Erleben ihrer Klient:innen als nachvollziehbar an und arbeiten zugleich an neuen Verhaltensweisen.
Woher kommt die DBT?
Entwickelt hat die DBT Marsha M. Linehan an der University of Washington in Seattle. Sie wollte die herkömmliche Verhaltenstherapie für stark suizidgefährdete Menschen nutzbar machen. Die rein auf Veränderung ausgerichteten Behandlungsschritte erlebten viele Patientinnen jedoch als Kritik und brachen ab. Linehan ergänzte die Therapie deshalb um Elemente der Akzeptanz.
1991 erschien die erste randomisierte Studie, 1993 folgten ein Behandlungshandbuch und ein Handbuch für das Skillstraining. Seither wurde die DBT für weitere Personengruppen und Einsatzorte angepasst.
Wie läuft eine DBT ab?
Die klassische DBT verbindet mehrere Bausteine: wöchentliche Einzeltherapie von etwa einer Stunde und eine wöchentliche Skills-Gruppe von rund eineinhalb bis zweieinhalb Stunden. Zwischen den Sitzungen ist telefonische Unterstützung vorgesehen, damit Fertigkeiten auch in Krisen gelingen. Die Therapeut:innen beraten sich zudem wöchentlich in einem Team. In den grundlegenden Studien dauerte die Behandlung ein Jahr.
Was ist Skillstraining?
Im Skillstraining werden gezielt Fertigkeiten (englisch skills) geübt, meist in Gruppen von etwa vier bis zehn Personen und mit Hausaufgaben zwischen den Treffen. Die vier Bereiche sind: Gefühle regulieren, achtsam im gegenwärtigen Moment bleiben, Beziehungen wirksam gestalten und Belastungen aushalten, ohne die Lage zu verschlimmern.
Es gibt Bestrebungen, das Skillstraining auch allein anzubieten. Wie es dann wirkt und für wen, ist laut Linehan und Wilks noch zu wenig erforscht.
Wobei wird die DBT eingesetzt?
Am besten untersucht ist die DBT bei Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und suizidalem oder selbstverletzendem Verhalten. Das österreichische Gesundheitsportal nennt sie als einen von mehreren bewährten Ansätzen bei dieser Störung. Mehr zum Krankheitsbild steht im Glossarbegriff „Borderline-Persönlichkeitsstörung“.
Eine Cochrane-Übersicht von 2020 wertete 75 Studien zu Psychotherapien bei Borderline aus, die DBT war darin am häufigsten untersucht. Im Vergleich zur üblichen Behandlung verringerte sie die Schwere der Beschwerden und Selbstverletzungen und verbesserte die psychosoziale Funktionsfähigkeit. Die Aussagekraft der Studien war allerdings gering.
Für Jugendliche, die sich selbst verletzen, gibt es eine angepasste Form (DBT-A). Laut einer Cochrane-Übersicht von 2021 verletzten sich Jugendliche danach seltener erneut, die Studien dazu sind aber wenige und meist klein.
Wer bietet DBT in Österreich an?
Bei Borderline nennt das Gesundheitsportal als Ansprechstellen unter anderem Fachärzt:innen für Psychiatrie, Psychotherapeut:innen und spezialisierte Ambulanzen in Spitälern. Psychotherapie ausüben dürfen nur Personen, die in der Berufsliste Psychotherapie eingetragen sind. Die DBT selbst ist in Österreich keine eigene anerkannte Psychotherapie-Methode. In der Methodenliste des Gesundheitsministeriums umfasst die Ausrichtung Verhaltenstherapie nur die gleichnamige Methode. Für einen Kostenzuschuss zur Psychotherapie braucht es in der Regel eine krankheitswertige psychische Störung und eine ärztliche Bestätigung.
Wo liegen die Grenzen?
Die DBT setzt auf aktive Mitarbeit, etwa mit Übungen im Alltag. An den Studien nahmen überwiegend Frauen teil. Ein Fachartikel rät zur Vorsicht, die DBT auf kaum untersuchte Gruppen zu übertragen. Unerwünschte Wirkungen haben die meisten Studien nicht erfasst.
Menschen mit Borderline-Störung haben ein erhöhtes Suizidrisiko. Wer an Suizid denkt, erreicht die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Kinder und Jugendliche Rat auf Draht unter 147. Im Notfall hilft die Rettung unter 144.