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Borderline-Persönlichkeitsstörung

08:03

Auf den Punkt gebracht

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine psychische Erkrankung, bei der Gefühle, Selbstbild und Beziehungen stark schwanken und Betroffene oft impulsiv handeln. Viele erleben große Angst, verlassen zu werden, und ein Gefühl innerer Leere. Die wichtigste Behandlung ist Psychotherapie, und bei den meisten Betroffenen bessern sich die Beschwerden mit der Zeit.

Was ist eine Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung fällt es schwer, ihre Gefühle und Handlungen zu steuern. Ihre Stimmung wechselt rasch, eine Stimmungslage hält meist nur einige Stunden an, oft ausgelöst durch Anzeichen von Zurückweisung oder Kritik. Nach außen wirken sie häufig stabiler, als sie sich selbst fühlen. Für sie und für ihr Umfeld kann das sehr belastend sein.

Die derzeit gebräuchliche Klassifikation ICD-10 führt die Störung als Borderline-Typ der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung. Daneben gibt es einen impulsiven Typ, bei dem vor allem Impulsivität und Konfliktbereitschaft im Vordergrund stehen. Die neue ICD-11 der WHO kennt kein eigenes Borderline-Krankheitsbild mehr, sondern ein „Borderline-Muster“, das bei einer Persönlichkeitsstörung zusätzlich vermerkt werden kann.

Wie viele Menschen betroffen sind, schätzen die Quellen unterschiedlich ein. Eine Cochrane-Übersicht nennt etwa 2 Prozent der Erwachsenen und 3 Prozent der Jugendlichen, das MSD Manual für die USA 3 bis 6 Prozent. Diagnostiziert wird die Störung häufiger bei Frauen.

Woher kommt der Name?

„Borderline“ ist englisch und bedeutet Grenzbereich. Der Name geht darauf zurück, dass die Fachwelt die Störung früher nicht sicher einordnen konnte. Als Erster soll Adolph Stern aus New York den Begriff 1938 in einer psychoanalytischen Fachzeitschrift verwendet haben. Er beschrieb eine „Borderline-Gruppe“ von Patient:innen, deren Beschwerden zugleich in Richtung Psychose und Neurose wiesen.

Als eigene Diagnose kam die Borderline-Persönlichkeitsstörung 1980 in das US-amerikanische Diagnosehandbuch DSM-III. Eine Übersichtsarbeit von 2006 beschreibt den Begriff als mehrdeutig und umstritten. Verschiedene Fachrichtungen verstehen demnach Unterschiedliches darunter.

Woran erkennt man eine Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Im Mittelpunkt steht ein tiefgreifendes Muster instabiler Beziehungen, eines schwankenden Selbstbilds, wechselnder Gefühle und ausgeprägter Impulsivität. Viele Betroffene fürchten sehr, verlassen zu werden, und reagieren schon auf eine abgesagte Verabredung mit Angst oder Wut. Beziehungen sind oft intensiv und schwanken zwischen Bewunderung und Abwertung der anderen Person. Auch das Bild von sich selbst kann sich plötzlich ändern, samt Zielen, Werten oder beruflichen Plänen.

Hinzu kommen häufig ein anhaltendes Gefühl innerer Leere und heftige Wut, die schwer zu kontrollieren ist und danach oft Scham und Schuldgefühle hinterlässt. Belastende Zustände innerer Anspannung versuchen Betroffene mitunter durch impulsive Handlungen zu lösen, etwa durch übermäßiges Trinken, Essanfälle, riskantes Autofahren oder plötzliche Kündigungen. Selbstverletzungen sowie Suizidgedanken und Suizidversuche kommen häufig vor. Unter starkem Stress können kurzzeitig misstrauische Gedanken auftreten oder das Gefühl, nicht wirklich da zu sein.

Oft bestehen weitere psychische Erkrankungen, etwa Depressionen, Angststörungen, Essstörungen, Suchterkrankungen oder eine posttraumatische Belastungsstörung.

Wie entsteht die Störung?

Die genauen Ursachen sind nicht bekannt, die Fachwelt geht von mehreren zusammenwirkenden Faktoren aus. Dazu zählen eine genetische Veranlagung und Veränderungen im Gehirnstoffwechsel. Viele Betroffene haben in der Kindheit belastende Erfahrungen gemacht, etwa körperliche oder sexuelle Gewalt, die Trennung von Bezugspersonen oder den Verlust eines Elternteils.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch über die Lebensgeschichte, bisherige Krisen und Selbstverletzungen. Besonders beachtet werden dabei Beziehungen zu anderen Menschen und der Umgang mit Gefühlen. Eine klinisch-psychologische Diagnostik kann ergänzen. Körperliche Ursachen oder Drogen als Auslöser müssen ausgeschlossen werden, etwa durch eine Blutuntersuchung, eine MRT oder eine CT.

Was hilft bei einer Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Die wichtigste Behandlung ist Psychotherapie, einzeln oder in der Gruppe. Das österreichische Gesundheitsportal nennt mehrere spezielle Ansätze als bewährt: die Dialektisch-Behaviorale Therapie, die mentalisierungsbasierte Therapie, die übertragungsfokussierte Psychotherapie und die Schematherapie. Sie zielen etwa darauf, Gefühle zu steuern, eigenes Erleben in Beziehungen zu verstehen oder ungünstige Muster zu verändern. Mehr zur Dialektisch-Behavioralen Therapie steht im gleichnamigen Glossarbegriff.

Eine Cochrane-Übersicht von 2020 wertete 75 Studien aus. Im Vergleich zur üblichen Behandlung verringerte Psychotherapie die Schwere der Borderline-Beschwerden spürbar. Auch weniger Selbstverletzungen und weniger suizidbezogenes Verhalten zeigten sich, doch diese Ergebnisse beruhen auf Studien mit geringer Aussagekraft. Zwischen den einzelnen Therapieformen fand sich kein klarer Unterschied.

Ein Medikament speziell gegen die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist nicht zugelassen. Laut Gesundheitsportal können Ärzt:innen bei starken und anhaltenden Beschwerden zusätzlich zur Psychotherapie zeitlich begrenzt Stimmungsstabilisierer oder Antipsychotika verschreiben, also außerhalb der Zulassung („off-label“). Eine Cochrane-Übersicht von 2022 fand im Vergleich mit Scheinmedikamenten jedoch kaum Unterschiede bei den Kernbeschwerden, bei sehr geringer bis geringer Aussagekraft der Studien. Die englische NICE-Leitlinie rät von Medikamenten gezielt gegen die Störung ab und sieht sie nur kurzzeitig in Krisen oder für Begleiterkrankungen vor.

Angehörige können mit Einverständnis in die Behandlung einbezogen werden, etwa um zu besprechen, was im Notfall zu tun ist. In akuten Krisen kann eine Behandlung im Krankenhaus nötig sein.

Wie verläuft eine Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Bei den meisten Menschen bessern sich die Beschwerden mit der Zeit und verschwinden häufig ganz. Die Fähigkeit, Beziehungen und Arbeit stabil zu gestalten, verbessert sich allerdings meist weniger stark als die Beschwerden selbst. Die NICE-Leitlinie betont, Betroffenen mit Hoffnung und Zuversicht zu begegnen, weil Genesung möglich ist.

Wer hilft in Österreich?

Ansprechstellen sind Fachärzt:innen für Psychiatrie oder für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapeut:innen und spezialisierte Ambulanzen in Spitälern. Auch Klinische Psycholog:innen können eingebunden sein. Für einen Kostenzuschuss zur Psychotherapie braucht es in der Regel eine krankheitswertige psychische Störung und eine ärztliche Bestätigung. Angehörige finden Beratung etwa bei HPE (Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter) und in Selbsthilfegruppen.

Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung haben ein erhöhtes Suizidrisiko. Spricht jemand von Suizid, ist das immer ernst zu nehmen, und die Person darf dann nicht allein gelassen werden. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter 142 erreichbar, Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. In akuten Krisen und bei schweren Verletzungen hilft die Rettung unter 144.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (14)