Was ist Vitamin D?
Vitamin D nimmt unter den Vitaminen eine Sonderstellung ein, weil der Körper es selbst herstellen kann. Vitamin D2 (Ergocalciferol) kommt etwa in Pilzen vor. Vitamin D3 (Cholecalciferol) stammt aus tierischen Quellen und entsteht auch in der menschlichen Haut.
In Leber und Niere wird Vitamin D schrittweise in seine aktive Form umgewandelt. Es fördert die Aufnahme von Kalzium und Phosphat im Darm und damit die Härtung der Knochen. Außerdem beeinflusst es die Muskelkraft und ist an der Infektabwehr beteiligt. Weil es fettlöslich ist, speichert der Körper es im Fett- und Muskelgewebe.
Wie wurde Vitamin D entdeckt?
Die Geschichte von Vitamin D ist eng mit der Rachitis verbunden, bei der die Knochen von Kindern weich werden. Im 17. Jahrhundert war sie in England so verbreitet, dass man von der „englischen Krankheit“ sprach. Später erkannte man den Zusammenhang mit fehlendem Sonnenlicht und mit der Ernährung. Einen fettlöslichen Nährstoff, der vor Rachitis schützt, nannte der Forscher McCollum schließlich Vitamin D.
Woher bekommt der Körper Vitamin D?
Bei regelmäßigem Aufenthalt im Freien stammen laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rund 80 bis 90 Prozent aus der eigenen Bildung in der Haut. Wie viel entsteht, hängt unter anderem von Jahreszeit, Tageszeit, Hauttyp, Kleidung und Sonnenschutz ab. In der Nahrung ist Vitamin D kaum vorhanden, gute Quellen sind fette Fische wie Hering, Makrele und Lachs, außerdem Eigelb und manche Speisepilze.
Im Winter ist eine ausreichende Versorgung in unseren Breiten teilweise schwierig, der Körper zehrt dann auch von seinen Speichern. Sonnenbrände sollten vermieden werden, ein Solarium ist wegen des Hautkrebsrisikos nicht sinnvoll.
Was passiert bei einem Mangel?
Ein Mangel stört den Kalzium- und Phosphatstoffwechsel und damit die Knochen. Bei Kindern kann er zu Rachitis führen, bei Erwachsenen zu einer Knochenerweichung, der Osteomalazie. Bei älteren Menschen kann er zur Entstehung einer Osteoporose beitragen. Auch verringerte Muskelkraft und eine höhere Infektanfälligkeit sind möglich.
Gefährdet sind vor allem Menschen, die selten ins Freie kommen, ältere Menschen, Menschen mit dunkler Haut und Säuglinge. Menschen mit niedrigen Werten haben zwar oft Beschwerden wie Müdigkeit oder Stimmungsschwankungen, ein ursächlicher Zusammenhang ist aber nicht belegt. Einen Bluttest bezahlt die Österreichische Gesundheitskasse seit April 2025 nur noch bei bestimmten medizinischen Gründen.
Schützen Vitamin-D-Präparate vor Krankheiten?
Wer ausreichend versorgt ist, hat laut BfR durch zusätzliches Vitamin D in der Regel keinen Nutzen. Eine Auswertung der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) kommt für gesunde Erwachsene zu einem ähnlichen Ergebnis. Bei depressiven Beschwerden zeigte sich kein statistisch nachweisbarer Effekt, vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützt Vitamin D wahrscheinlich nicht.
Für bestimmte Risikogruppen kann eine Ergänzung dennoch sinnvoll sein, etwa bei Säuglingen zur Vorbeugung von Rachitis. Ob und wie viel, sollte vorher ärztlich abgeklärt werden.
Wann wird Vitamin D gefährlich?
Durch Sonnenlicht ist eine Überdosierung nicht möglich, wohl aber durch zu viel Vitamin D aus Präparaten. Dann steigt der Kalziumspiegel im Blut. Das kann sich etwa durch Müdigkeit, Muskelschwäche, Übelkeit, Herzrhythmusstörungen oder Gewichtsverlust zeigen. Hält der Zustand an, drohen Nierensteine und bleibende Nierenschäden, im Extremfall sogar Nierenversagen und Tod. Auch ohne Vergiftung kann die dauerhafte Einnahme hoch dosierter Präparate laut BfR schaden, etwa durch ein höheres Sturzrisiko oder eine geringere Knochendichte bei älteren Frauen.
Die AGES berichtet von zunehmenden Meldungen über Überdosierungen, darunter zwei Fälle aus Österreich mit dauerhaften Nierenschäden. Nahrungsergänzungsmittel sind teils höher dosiert als Arzneimittel, verpflichtende Höchstmengen gibt es für sie nicht. Bei Kindern kommt es besonders mit flüssigen Präparaten leicht zu versehentlichen Überdosierungen. Bei Säuglingen kam es zu schweren Vergiftungen, als hoch dosierte Präparate für Erwachsene verwendet wurden.