Wenn man so wie ich aus einer Welt kommt, die tatsächlich nur aus Musik besteht, im Sinne von, ich habe wirklich mit sechs Jahren angefangen und für mich war immer nur Musik machen das Ding und ich habe nie über viel anderes nachgedacht. Ich wollte immer das machen, egal in welcher Form. Man hat natürlich immer dieses Ziel, man möchte irgendwann so weit erfolgreich sein, dass man davon leben kann und dass man das zu seinem Beruf machen kann. Man weiß nie, in welcher Form kommt es und kommt es überhaupt oder läuft man irgendetwas hinterher, was vielleicht absolute Hirngespinste sind und absolute Zeitverschwendung, würde man vielleicht auch sagen.
Deshalb habe ich relativ früh angefangen, einfach wirklich Musik, Musik zu machen und das war immer mein innigster Wunsch. Ich bin mit 14 Jahren schon in Berührung gekommen mit der Industrie und habe sehr schnell gemerkt, wie die Leute dort ticken und wie schwierig das ist und wie toxisch das auch sein kann und habe dann für mich beschlossen, ich möchte mein eigenes Ding machen. Und mit 27 wurde dann Paenda geboren, eigentlich aus einer Laune heraus, weil ich wollte mir einfach selber produzieren beibringen und ich wollte einfach mein eigenes Ding machen, das genauso ist wie das, was ich wollte, dass es ist und habe mit überhaupt nichts gerechnet. Ich habe wirklich einfach genau das gemacht, wie ich es wollte, was ich wollte und mir war völlig egal, was irgendjemand davon denkt und das war sehr befreiend und in einer Welt, wo sehr viel gejudged wird und wo es immer um Leistung geht, war das für mich eigentlich sehr angenehm, einmal einfach etwas zu machen, was mir Spaß macht.
Und just in dem Moment ist es dann passiert, dass plötzlich dann doch Aufmerksamkeit da war und es ist dann innerhalb von zwei, drei Jahren relativ schnell gegangen, dass dann plötzlich der Song Contest da war und das war ein ziemlicher Höhepunkt, vor allem weil ich selber überhaupt noch nicht gewusst habe, wer bin ich überhaupt als Künstlerin? Wer möchte ich sein? Und ich war überhaupt nicht darauf vorbereitet und bis dorthin habe ich eben immer gedacht, cool, wenn man dann einmal Erfolg hat, dann ist das Top-Ding und dann hat man es geschafft und dann fühlt sich das toll an und die Bestätigung.
Und tatsächlich war das dann so für mich, dass während dieses ganzen Trubels ich dann gemerkt habe, wow, für mich ist das viel zu viel. Dass jeder weiß, wer ich bin. Egal wohin ich gehe, die Leute kennen mich. Alle wollen mit mir reden. Also wirklich, ich bin wohin gekommen und es sind sofort total viele Leute dazugekommen und sie reden alle auf dich ein und ich bin eigentlich ein wahnsinniger Loner.
Also ich sitze am liebsten alleine in meinem Studio und bastle an meinen Songs und ich bin auch sehr viel alleine gewesen, immer aber aus einer eigenen Entscheidung heraus, weil sich das für mich einfach richtig und gut angefühlt hat. Und für mich war das einfach wahnsinnig viel plötzlich, wie viel Aufmerksamkeit da war. Und ich habe dann in dieser Zeit Panikattacken entwickelt und ich habe es aber nicht gewusst, dass es Panikattacken sind.
Und da hat natürlich sehr viel anderes auch noch mit reingespielt, dass Leute in meiner Umgebung waren, die für mich sehr toxisch waren und die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass diese Erfahrung für mich sehr schwierig war. Aber diese Panikattacken waren sehr unlustig und haben mehrmals die Woche dann stattgefunden an irgendeinem Punkt. Natürlich, dass so viel Aufmerksamkeit, auch negative, dann da war, hat natürlich auch dazu beigetragen, dass das dann immer schlimmer geworden ist.
Nachdem der Song Contest vorbei war, bin ich dann in Therapie gegangen, war dann dort sehr lange und es hat mir sehr geholfen, dass ich das aufarbeite für mich. Und ich kann mich an einen sehr prägenden Moment erinnern, wo meine Therapeutin mich sehr straight angeschaut hat und gesagt hat: „Es tut mir leid, dass ich dir das jetzt sagen muss, aber nach allem, was du mir jetzt erzählt hast, glaube ich, dass du in der falschen Industrie bist. Du bist nicht gemacht für das, was du dort tust.
Und wenn du mich jetzt fragen würdest, würde ich dir sagen, du sollst aufhören damit." Und das war sehr hart, weil wenn man das einmal hört, nachdem man ja eigentlich schon erfolgreich war mit dem, was man macht und nachdem man bei so einem Punkt war, dann ist das Härteste, dass man sich das auch selber eingestehen muss, dass man wahrscheinlich oder vielleicht zumindest, wenn man es mit der Art weiterbetreibt, mit der man es bisher betrieben hat, dass man wahrscheinlich nicht dafür gemacht ist und dass man kürzer treten muss oder sich etwas anderes suchen muss. Ich habe das dann nicht gemacht. Ich bin bis heute dabei geblieben und bin sehr stolz auf das, aber ich habe mich wirklich durcharbeiten müssen durch das Ganze und für mich wieder selbst herausfinden müssen, warum ich das mache. Weil natürlich, wenn man dann einmal plötzlich so erfolgreich ist, dann kommt sehr viel dazu in Richtung, okay, jetzt muss man etwas liefern, was irgendwie den Leuten gefällt. Jetzt muss es das und das erreichen, weil sonst glauben alle wieder, dass man quasi ein Loser ist und gerade habe ich das Gefühl, dass unsere Gesellschaft eh manchmal nur darauf wartet, dass Leute abstürzen und das kriegen diese Leute aber auch mit und das ist wahnsinnig anstrengend dann und erzeugt wahnsinnige Tension in einem drinnen und man hat immer das Gefühl, man muss da jetzt ankämpfen, man muss es allen Leuten beweisen.
Das ist völlig idiotisch natürlich. Das heißt, ich habe mich da durcharbeiten müssen und wieder den Weg zurückfinden müssen zu dem, warum ich es überhaupt mache, nämlich einfach der Musik wegen und mich wirklich damit befassen müssen, warum ich eben diese Panikattacken kriege, woher sie kommen, was triggert die. By the way, Alkohol. Das hat wahnsinnig getriggert bei mir. Ich trinke gar nichts mehr und merke sofort, jeglicher emotionale Stress, den ich habe oder jeglicher Druck, der zu viel ist, also im Sinne von, jetzt kommt wieder ein neuer Single und jetzt muss das und das erreicht werden.
Und wenn das dann nicht so ist, dann merke ich sofort, dann kommt das wieder und dann muss ich mich sehr gut damit auseinandersetzen, damit ich das in den Griff kriege. Aber ich würde mal sagen, ich habe es wirklich gut geschafft mit der Hilfe meiner Therapeutin natürlich. Sie war wirklich eine große Hilfestellung und ich bin sehr froh darüber, dass sie mir damals empfohlen wurde, weil sie genau zu meinem Typ gepasst hat, weil ich mag halt nicht, wenn jemand um den heißen Brei herumredet. Ich mag, wenn man sehr straight die Sachen anspricht und das hat genau zu mir gepasst und sie hat mir wirklich sehr geholfen und mittlerweile bin ich Gott sei Dank an einem Punkt, wo ich eher entspannt bin, Dinge eher entspannt sehen kann und auch meine Rolle als Paenda ein bisschen anders betrachte, indem ich einfach sage, okay, ich bin mehr als meine Musik, mehr als der Song Contest, mehr als mein Erfolg, mehr als eine Person des öffentlichen Lebens.
Und wer ich bin, hängt nicht davon ab, welchen Erfolg ich habe und auch nicht, welche Musik ich mache. Und zu mir als Person gehört so viel mehr dazu und ich habe angefangen, auch andere Sachen zu machen. Also vor kurzem habe ich einen Ted Talk gehalten und das hat mir sehr geholfen, ein bisschen das zu öffnen und zu sagen, hey, in dem Leben gibt es so viel mehr als das.
Und das hat zur Entspannung meiner mentalen Gesundheit sehr viel beigetragen.