Wie bringt man den lieben Gott zum Lachen? Erzähle ihm deinen Plan. Jeder Mensch hat, glaube ich, so etwas wie einen Lebensplan, der sich oft nicht aus sich selber heraus entwickelt, sondern durch äußere Umstände. Entscheidungen, die man getroffen hat, weil man steht immer vor T-Kreuzungen und dann gehst du links oder gehst rechts. Und wenn du den einen Weg gegangen bist, wirst du nie erfahren, was der andere gewesen wäre. Aber das ist das Leben.
Und bei mir war es halt so, ich rede jetzt wirklich nur über die Karriere, also sprich, meinen beruflichen Werdegang. Nicht, als das Kind, das ist uninteressant, glaube ich. Ich bin einen ganz normalen Weg gegangen. Ich habe einfach ein Talent in mir entdeckt, dass ich mir sehr leicht tue dabei und dass ich es kann und gern machte und habe das Glück gehabt, dass ich in guten Händen war. Ich habe einen Schauspiellehrer gehabt, das war der Herwig Seeböck und in dieser Schauspielklasse war der Fredl Dorfer.
Mit dem habe ich mich gleich blendend verstanden und der hat schon damals eine Kabarettgruppe gehabt und ich habe dann einfach mitgemacht. Und dann war ich dabei und dann haben wir gespielt. Zuerst vor fünf Leuten, vor sieben Leuten und irgendwann einmal dann kommen mehr Leute, das spricht sich herum und das Ganze wächst sehr langsam. Und irgendwann kommt man auf die Idee, man könnte doch auch einen Film machen, dann macht man einen Kinofilm, das funktioniert auch.
Und das habe ich von Mitte der 80er Jahre bis zur Jahrtausendwende war das mein Leben. Und das, was dahinter gestanden ist, war immer mehr. Also nicht jetzt nur materielle Sachen anhäufen, sondern einfach mehr Zuschauer, bessere Quoten, noch mehr Auftritte, noch mehr Vorkommen in den Medien. Aber nicht, weil das mein Wesen ist, sondern weil das in dem Job einfach so ist. Du entkommst dem gar nicht.
Wenn du einmal eine gewisse Popularität erreicht hast und dich jeder kennt, kommen pausenlos irgendwelche Anfragen und Angebote und manche nimmt man wahr, manche nicht und man ist auch manchmal g**l drauf, dass man Sachen wahrnimmt, weil man weiß, zu so etwas kommt ein normaler Mensch nicht. Ich bin mit einem Formel 1 Auto gefahren. Man hat mich eingeladen, wollte mit einem Formel 1 Auto probieren zu fahren in Südfrankreich. Depperter wäre ich selber, wenn ich sage: „Natürlich probierst du das aus." Und dann bist du in so einem Modus drinnen und dann wird das für dich auch irgendwie zur Normalität.
Und die Gefahr ist dann, dass du irgendwann es übersiehst, dass das Bild, was deine Umgebung von dir hat, dass du glaubst, das bist du. Die Gefahr ist sehr groß, dass du dann praktisch probierst, dem zu entsprechen. Und das habe ich gemerkt, so um die Jahrtausendwende, aber ich habe es nicht gemerkt, dass ich darüber nachgedacht habe, sondern ich habe nur gemerkt, ich habe 5 mal in der Woche gespielt, große Säle, das noch gemacht und das und das. Und es war so, dass ich immer am Abend heiser ins Bett gegangen bin und am nächsten Tag nicht erholt aufgewacht bin und die Stimme wieder in Ordnung war, sondern sie war schlechter als beim Niederlegen.
Und ich habe einen ganzen Tag gebraucht, damit ich mich so konditioniere, dass ich am Abend wieder Gas geben kann auf der Bühne. Da habe ich mir gedacht, das macht eigentlich keinen Sinn. Und mit der Frage, mein Körper zeigt mir jetzt etwas, ist dann die nächste Frage in mir gereift, die es zu beantworten galt, nämlich: Was bin ich, wenn ich nicht mehr dieser Roland Düringer bin?
Also kann ja passieren. Es kann sein, dass die Stimme plötzlich wirklich nicht mehr geht oder dass etwas anders ist, dass die Leute nicht mehr Interesse haben an dem, was ich eigentlich mache auf der Bühne, was auch immer. Und wer bin ich dann? Und das habe ich probiert zu erforschen. Wer bin ich eigentlich? Und das ist das, was in mir passiert ist.
Zugleich aber ist im Äußeren irrsinnig viel passiert. Begonnen hat es mit 9/11. Da haben wir gedreht, die MA 2412 und auf einmal ist ein Flieger hineingeflogen in das World Trade Center. Und eine halbe Stunde kommt einer: „Hast du schon gehört? Ein Flieger ist eingeflogen." Ich sage: „Ja, wissen wir schon." „Nein, ein zweiter." Ich sage: „Was ein zweiter?" Gut.
Und dann alles, was danach passiert ist, wir ziehen in den Irakkrieg, et cetera. Da habe ich mir gedacht, komisch irgendwie. Das kann doch nicht alles so sein. Warum? Und dann habe ich es doch hinterfragt. Also nicht nur mich selber, mein Sein, sondern auch das, was rundherum um mich passiert. Habe mich dann mit dem Geldsystem beschäftigt. Was ist das eigentlich?
Von was reden wir denn, wenn wir vom Geld reden? Und zugleich habe ich aber einen Druck gehabt, weil die Leute wollten ja was von mir, dass ich dort spiele und dort und dort. Und ich habe gesagt, ich muss das irgendwie beenden um meinetwillen, aber wie machst du das? Du hast zwei Möglichkeiten. Entweder du sagst: „Okay, ich höre überhaupt auf."
Ich höre auf. Oder ich reduziere es. Aber wie reduzierst du etwas, ohne jemandem vor den Kopf zu stoßen? Dass er sagt: „Da spielst du und bei uns spielst du nicht", et cetera. Und daher habe ich gewusst, ich habe eine einzige Möglichkeit. Ich muss das, was ich auf der Bühne mache, ändern, dass es sich nämlich automatisch klärt. Das heißt, ich habe eigentlich einige Jahre bewusst destroying the audience betrieben, dass die Leute, die mir auf die Schulter geklopft haben und sagen: „Du bist so leiwand", wo ich mir denke: „Ja, du nicht."
Wie werde ich die los? Und das ist ganz einfach, indem du den Inhalt änderst. Und das habe ich gemacht. Und in der Phase habe ich dann mehr Zeit für mich selber gehabt, weil die Themen, über die ich gesprochen habe, das habe ich immer gemacht. Mein erstes Programm mit dem Schlabarett war Atompilz von links. Da ist es um das Bundesheer gegangen und das habe ich dort einfach alles aufgeschrieben, wie ich beim Bundesheer war.
Hinterholz 8 habe ich geschrieben, während ich selber Haus renoviert habe. Das mit den Autos. Ich habe diese Autos gehabt. Ich kenne mich aus. Ich habe immer nur über Sachen geredet, wo ich mir auskenne. Und darum haben manche gesagt: "Was ist jetzt mit dem? Der ist jetzt ein bisschen komisch." Weil ich mich einfach mit anderen Themen beschäftigt habe. Ich selber nämlich mit mehr: Was ist der Mensch eigentlich? Was ist Leben?
Was ist unser Denken? Warum denke ich das jetzt? Warum denke ich etwas anderes? Et cetera. Und das war so ein Prozess. Und zugleich habe ich dann angefangen, mit mir selber Experimente zu machen: Wie geht es mir, wenn ich das und das verändere? Und dann habe ich halt gesagt: "Okay, ich lasse mal ein paar Sachen weg." Kein Handy, keine E-Mail, gehe nicht mehr in den Supermarkt, lese keine Zeitung, keinen Fernseher, kein Auto und habe das eineinhalb Jahre probiert.
Wie geht es dir dann? Einfach als Selbsterfahrung, weil was ist Leben? Leben ist erst einmal ständige Veränderung und es ist immer Erfahrungen machen. Und es gibt nichts Faderes, wie wenn du eigentlich keine Erfahrungen machst, sondern es ist immer alles gleich. Das wäre für mich schrecklich. Und dann habe ich das gemacht. Und dass natürlich das Rundherum dann komisch reagiert: „Was ist denn jetzt mit dem?" Das ist mir vollkommen wurscht.
Weil das Wichtigste für mich in meinem Leben ist, weil ich das immer gelernt habe von meinen Eltern. Eltern haben immer so Sachen gesagt wie: „Geh benimm dich. Die Leute schauen schon. Weißt du, was sie denken von dir? Die werden jetzt etwas Schönes denken." Also es ist immer darum gegangen, was denken sich gerade die anderen über dich? Und das geht mir am Popo vorbei, was sich andere über mich denken.
Es ist mir vollkommen wurscht. Und das habe ich gemacht. Und das ist so das, was man als Wandel oder das, was anders geworden ist. Und dann werden Geschichten über mich erzählt. „Der lebt jetzt im Wald, der s*****t in ein Loch, der spielt ja gar nicht mehr, der macht ja gar nichts mehr." Nein, ich habe ganz normal Auftritte gemacht, ich habe alles gemacht wie immer. Ich habe bei Fernsehserien mitgespielt.
Nur ich drinnen habe mich komplett verändert. Nämlich es war mir das, was ich damit erreiche, sprich welchen Erfolg hat man damit? Wurscht. Weil wichtig ist nicht der Erfolg von etwas, sondern wie geht es mir, während ich das tue. Und das habe ich bis jetzt eigentlich beibehalten und mit dem fahre ich ziemlich gut.