Ja, das war natürlich eine sehr einschneidende Zeit, nicht nur für mich, sondern für die ganze Bevölkerung, egal ob man jetzt in der Kunst- oder Kulturszene tätig ist oder sonst irgendwie berufstätig ist. Ich kann aus meiner Warte meine Erfahrungen wiedergeben, weil für uns in der Kunst- oder Kulturszene es eigentlich relativ schnell gegangen ist, dass die Frage der Systemrelevanz vakant wurde. Und ich habe damals gedacht: „Ja, die Kunst ist sehr systemrelevant, allerdings wahrscheinlich in einer Gesundheitskrise, wo es um Menschenleben geht, nur sehr bedingt.“ Ich glaube, dass die Systemrelevanz der Kunst im Anschluss nach der Bewältigung dieser Krise sehr systemrelevant wurde, weil es darum geht und dafür wir auch da sind, die Gräben, die durch diese Krise entstanden sind, in der Gesellschaft auch wieder ein bisschen so weit im Rahmen unserer Möglichkeiten zu schließen, weil ich glaube, dass Kunst sehr sinnstiftend ist, was das Kollektiv betrifft, was den Gedanken der Gemeinsamkeit betrifft.
Damals waren schon Existenzängste da, keine Frage. Wenn man von heute auf morgen mitgeteilt bekommt, dass es ein Berufsverbot gibt, dass es ein Betretungsverbot gibt von deinem Arbeitsplatz, dann beginnt man sich natürlich schon Fragen zu stellen, weil was heißt das jetzt konkret? Wie lang? Wie geht es weiter? Was heißt Betretungsverbot? Wie Berufsverbot? Aber ich habe damals mir gedacht: „Gut, die Ist-Situation ist jetzt so und man kann sich jetzt natürlich im Selbstmitleid ergießen und verlieren, aber das ist nicht mein Naturell.“ Ich glaube, dass ich so ticke, dass ich mir gedacht habe: „Was ist jetzt dran?
Was ist jetzt das Beste, was ich aus dieser Situation machen kann?“ Und ich habe dann für mich entschieden, ich mache einfach das weiter, was ich bis jetzt gemacht habe, nur eben ohne Bezahlung. Ich habe meine sozialen Medien im positiven Sinne genützt, nämlich dass ich sie als Kommunikationskanäle gesehen habe, um die Menschen zu erreichen. Wenn sie nicht live zu mir in die Show kommen können, dann muss ich sie über Facebook, Insta, whatever, bespaßen, um sozusagen Ablenkung zu schaffen. Weil ich glaube, man darf sich da jetzt auch nicht zu wichtig nehmen. Jeder hat seine eigenen Probleme gehabt und ich habe mir gedacht: „Ja, ich darf meinen Job nicht machen, aber meine Familie ist gesund und das ist, glaube ich, das höchste Gut.“ Was sollen Leute sagen, die 16-Stunden-Dienste auf einer Covid-Station machen?
Ich habe eigentlich keinen Anspruch zu raunzen. Nichtsdestoweniger waren natürlich Ängste da, ist keine Frage. Aber ich habe mich dahingehend abgelenkt, indem ich einfach die Situation mit der Waffe des Humors versucht habe, ein bisschen zu, entschärfen ist vielleicht das falsche Wort, aber ein bisschen aufzulockern und habe diese ganzen Thematiken mit den ganzen Maßnahmen, wie sinnvoll oder sinnlos die waren, kann man trefflich darüber diskutieren, aber ein bisschen zu persiflieren. Und das ist genau das, was Satire kann, nämlich gesellschaftlich relevante Dinge einfach mit der Waffe des Humors zu illustrieren. Und das habe ich in der Corona-Pandemie gemacht.
Aber das war schon, ich glaube für die ganze Szene, oder was heißt Kulturszene? Es war für die ganze Menschheit ein Schnitt, der auch nach wie vor spürbar ist. Ich glaube, dass das schon sehr viel mit den Menschen gemacht hat und ich habe dann im Anschluss daran extrem gemerkt, wie sich die Leute danach sehnen, wieder zueinanderzukommen oder sich zu treffen und Kultur konsumieren zu dürfen.
Und das ist umso schöner, dass es jetzt wieder ohne Einschränkungen geht und ich spüre da auch extrem viel Lust und Laune beim Publikum, aber natürlich auch bei mir, weil wenn du das, was du eigentlich liebst, nicht machen darfst und dann wieder losgelassen wirst, sozusagen aus der Koppel, dann galoppiert man natürlich. Umso schöner ist es, dass man das wieder uneingeschränkt genießen kann.