Ja, das war damals natürlich schon ein Einschnitt in meinem Leben, weil ich meinen Job in der Autobranche damals gewechselt habe und ein Angebot angenommen habe, um in der Formel 1 im Journalismus arbeiten zu können. Da war überhaupt noch keine Rede von Comedian oder so. Sondern es war eigentlich für mich ein bisschen eine Erfüllung eines Traums, weil ich immer sehr autoaffin war und auch immer sehr motorsportaffin war und die Chance bekommen habe, in der Formel 1 als Journalist zu arbeiten und habe das zwei Jahre lang wahnsinnig gerne gemacht.
Bis zu dem Tag, wo dann mein damaliger Arbeitgeber, das war eine Agentur in Deutschland, die Lizenzgebühren nicht mehr bezahlen konnte aufgrund einer Insolvenz. Und da ist der Herr Ecclestone, damals noch als Boss der Formel 1, relativ humorlos. Wenn man die Gebühren nicht zahlt, kriegst du einfach keine Akkreditierung und kommst nicht ins Media Center oder ins Fahrerlager und von dort kann man nur die Berichterstattung machen. Ich war dann knapp 30 und stand eigentlich von einem Tag auf den anderen ohne Job da.
Und das war schon eine Stresssituation für mich, weil man hat sich auch an einen gewissen Lebensstandard gewöhnt. Man fliegt schön durch die Welt und macht einen coolen Job. Und wenn man dann zum AMS geht und die Dame fragt einen: „Was haben Sie bis jetzt gemacht?“ Und man sagt: „Ich habe in der Formel 1 gearbeitet“, dann wird man jetzt nicht mit Angeboten überhäuft, was Jobs angeht.
Ich stand dann mehr oder weniger vor der Entscheidung: Wie geht es weiter mit 30? Alle meine Freunde in meinem Umfeld waren mit dem Studium fertig oder haben irgendwelche Jobs gehabt, die schon super funktioniert haben. Und dann hat mir ein lieber Freund überhaupt auf den Gedanken einen Anstoß gegeben und gesagt: „Warum machst du eigentlich nicht das, was du sonst privat machst, nämlich Leute unterhalten?“ Und ich habe gesagt: „Na ja, ich tue gern Schmäh führen und trete auch mitunter bei Mitternachtseinlagen auf, wenn man mir ein Mikro in die Hand gibt oder so, aber als Job?“ „Na, versuche es“ und hin und her.
Dann ergab sich, dass ich die Gelegenheit hatte, bei einer Feier in Tirol aufzutreten. Dort habe ich dann meinen ersten Manager durch Zufall kennengelernt, der gesagt hat: „Wahnsinnig lustig. Du hast innerhalb von zehn Minuten 400 Leute zum Lachen gebracht. Wer macht dein Management?“ Sage ich: „Wie? Was Management? Gibt kein Management. Ich habe kein Management.“ „Na ja, tauschen wir mal Nummern aus. Vielleicht habe ich da eine Idee für dich.“ Ich sage: „Passt.“ Und dann hat er mich angemeldet.
Die Sendung hieß „Österreich sucht den Comedy Star“, eine Castingshow. Auf ATV war das damals, 2003, glaube ich. Und ich habe gesagt: „Castingshow, das geht gar nicht. Das halte ich alles nicht aus. Ich will mich nicht in einer Castingshow matchen.“ Und er hat gesagt: „Mach das, du wirst sehen. Du hast ein bisschen Zeit, dich sozusagen ans Gerät zu gewöhnen.“ Mal TV-Kamera und so weiter. Hypernervös gewesen natürlich, keine Frage.
Es saßen da arrivierte Kabarettisten in der Jury, Gerold Rudle und so weiter. Also die, von denen ich damals Fan war und auch in die Kabarettprogramme gegangen bin und dachte: „Oh Gott, jetzt bewertet oder beurteilt mich der.“ Lange Rede, kurzer Sinn. Ich habe dann diese Castingshow gewinnen dürfen oder habe sie gewonnen. Und dann reifte in erster Linie in mir der Gedanke überhaupt: Warum probiere ich es nicht einfach?
Ich habe mir so einen Zeitrahmen von einem Jahr gesetzt, wo ich gesagt habe, wenn ich ein Jahr lang alle Energie, die ich habe, in diesen Traum, von der Comedy leben zu können, investiere und es geht dann trotzdem nicht auf, dann habe ich es zumindest probiert. Aber mit 30 kann man das noch machen, mit 50, 45 wahrscheinlich eher nicht mehr. Und der, der mich damals entdeckt hat, der hat dann gesagt: „Pass auf, ich kann dich dabei ein paar Auftritten vermitteln“ und so weiter.
Und das hat dann eine relativ rasche Eigendynamik genommen und jetzt sind wir, glaube ich, 23 Jahre oder 22 Jahre später und die Entscheidung war richtig, Gott sei Dank. Aber war es natürlich einfach? Nein, natürlich war es nicht einfach, weil eine künstlerische Tätigkeit als Haupteinnahmequelle zu definieren, erfordert natürlich ein hohes Maß an Risikobereitschaft, aber auch Hingabe und Leidenschaft.
Und ich habe mir gedacht, ich habe das immer schon gern gemacht, aber eher privat. Dass das ein Beruf werden könnte, war nie am Radar und es hat sich aber bezahlt gemacht. Aber natürlich, das muss man schon noch dazu sagen, die Trauben hängen sehr hoch, es wartet ja niemand auf einen und man darf sich da auch für nichts zu schade sein.
Ich glaube, es gibt kein Hinterzimmer, wo ich nicht ein Mikro in der Hand gehabt habe und versucht habe, Leute zum Lachen zu bringen, egal wie groß das Publikum war, ob da 20 Leute gesessen sind oder fünf oder 100. Das war mir in erster Linie mal egal. Aber im Nachhinein muss man sagen, es war die richtigste Entscheidung und ich bin sehr froh, dass es sich ausgegangen ist, dass ich mittlerweile seit 22 Jahren von dem leben darf, was mir am meisten Spaß macht.