Ich glaube, allein wenn man das Wort Song Contest in den Mund nimmt, weiß einfach sofort jeder, um was es geht. Auch die Leute tatsächlich, die den Song Contest nicht schauen. Sie sagen zwar immer: „Ach, das schaue ich nicht“, aber jeder weiß trotzdem, was es ist und jeder weiß, dass es ein großes Ding ist und man weiß einfach, die Leute, die dorthin fahren, die werden wahrscheinlich sehr viel durchmachen und sehr viel erleben.
Und ich kann nur zu meiner Erfahrung sprechen. Ich wurde gefragt, ob ich das machen möchte und ich war darauf vorbereitet. Es hat sehr viele gute Seiten gegeben. Das müssen wir vorausschicken. Es hat sehr viele tolle Seiten gegeben. Ich bin wahnsinnig froh, dass ich das gemacht habe, weil es einfach auch meinen Act sehr nach vorne gebracht hat und sehr viele Türen geöffnet hat.
Auf der anderen Seite war es so, dass ich nicht darauf vorbereitet war, wie gemein die Leute tatsächlich sein können, wie bösartig Medienleute sein können. Und es hat mir einfach mal mehr gezeigt, dass wenn man in die Öffentlichkeit möchte und gerade bei so etwas wie dem Song Contest, man muss sich damit auseinandersetzen, wie das ist, dass man mit Hate umgeht, dass man mit Negativität umgeht, dass man damit umgeht, dass jeder eine Meinung zu einem hat. Das ist wirklich schwierig, das zu lernen, das weg zu halten von einem. Das, was andere über einen sagen, hat eigentlich so gut wie nie etwas mit dir selbst zu tun, aber das musst du erst einmal kapieren und ich habe wirklich lange gebraucht und ich habe wirklich hart an mir arbeiten müssen, auch danach noch tatsächlich, um irgendwie damit umzugehen und das von mir wegschieben zu können.
Meine erste Strategie, die ich gehabt habe, nachdem ich wirklich sehr viel geweint habe und sehr traurig war über Bösartigkeiten, die wirklich gerade weil ich eine Frau bin, weil ich den Song selbst geschrieben und produziert habe, also die Anmaßungen, die es da gegeben hat, was mir Leute an den Kopf geworfen haben, waren wirklich unfassbar. Die Untergriffigkeiten waren unter aller Sau. Ich kann mich erinnern, Willkommen Österreich Beitrag, 70 Hate-Kommentare, kein einzig positiver, weil sich irgendwann einfach keiner mehr getraut hat, irgendetwas Positives dazu zu schreiben, weil auch diese Leute dann sofort niedergemacht wurden. Meine Tante hat mir das sehr eindrücklich dann auch geschildert.
Also wirklich, man kann sich das nicht vorstellen, wie die Leute hinhauen. Und ich habe wirklich viel geweint. Und ich glaube, wenn die Leute mich einmal gesehen hätten, wie ich dort sitze und mir die Augen ausheule und mir in die Augen geschaut hätten. Ich würde mir wünschen, dass die so richtig ein schlechtes Gewissen bekommen hätten. Ich weiß es nicht, ob das so ist oder ob die einfach wirklich dann auch so in ihrer Rolle geblieben wären. Aber ich habe wirklich lange gebraucht, um eben damit klarzukommen. Die erste Strategie war, mir diese Leute tatsächlich selbst anzuschauen.
Ich bin dann hingegangen und habe auf jeden einzelnen Account draufgeklickt und mir angeschaut, wer das ist, der dahinter steht. Lustigerweise hat das sogar der Paul Pizzera gemacht. Der hat dann eine Kolumne irgendwann im Kurier gehabt, da hat er sich dem dann gewidmet, weil ich so zerrissen worden bin und ich muss ihm zustimmen, es waren tatsächlich größtenteils Männer, alte Männer, die kein Leben gehabt haben. Ich weiß es nicht, aber es hat sich auf jeden Fall ein Muster durchgezogen.
Also das war auch Strategie für mich, da herauszufinden, möglicherweise sind die mit dem eigenen Leben so unzufrieden und das hat mir geholfen während der Zeit und dann im Nachhinein, ich habe gedacht dann: „Okay, passt. Das ist jetzt für mich eine Strategie, damit kann ich umgehen. Das tut nicht mehr ganz so weh. Es ist wie ein blauer Fleck, je öfter man hinhaut, desto leichter wird es." Ich habe gedacht, je mehr ich mich damit befasse, desto besser wird es. Danach ist es eben abgeebbt und auch diese Kommentare haben größtenteils aufgehört.
Und dann irgendwann hat es wieder angefangen, plötzlich aus dem Nichts heraus. Und es hat mich wieder sehr erwischt und ich habe gewusst, ich habe mich offensichtlich nicht gut genug damit auseinandergesetzt und es hat mich dennoch wahnsinnig berührt und wahnsinnig verletzt auch. Und es hat dann schlussendlich dazu geführt, dass ich mir solche Sachen nicht mehr anschaue, dass ich wirklich kaum und selten mehr irgendwelche Artikel über mich selber lese, die Kommentare dazu auf keinen Fall mehr mir anschaue und sehr rigoros geworden bin im Umgang mit Leuten, die auf meinen eigenen Seiten und Socials mit mir interagieren oder irgendetwas kommentieren und wirklich Sachen lösche, wo ich sage, ich lasse mich nicht auf meinen eigenen Seiten beschimpfen und niedermachen und bin da wirklich sehr stark geworden und greife da hart durch und das hat mir sehr viel an Stärke zurückgegeben tatsächlich.
Vor allem auch, weil ich es eigentlich sehr spannend finde, das ist nicht nur jetzt bei Leuten, die zum Song Contest fahren, sondern Leute, die in der Öffentlichkeit stehen, da wird immer hingehaut und alle haben das Gefühl, dass das Freiwild ist und man darf dann sagen, was man will, weil wir stehen in der Öffentlichkeit und dann habe ich keine Ahnung, wo die plötzlich ihre Meinung ausgraben über Leute, die sie überhaupt nicht kennen und denen Sachen an den Kopf werfen, die sie überhaupt nicht wissen können. Und das Lustige ist, dann wird aber im Umkehrschluss diesen Leuten dann gesagt: „Du darfst dich jetzt bitte nicht dazu äußern. Du musst jetzt die stärkere und die größere Person sein.
Wenn du jetzt etwas dazu sagst, dann begibst du dich nur auf deren Terrain.“ Und ich finde das eigentlich so arg, weil im echten Leben, wenn mir jemand solche Sachen ins Gesicht sagt, dann mache ich den zur Sau. Dann stehe ich auch nicht einfach da und sage: „Mhm“ und ich habe einfach gelernt, dass es auch online guttun kann. Nicht immer, man muss nicht auf alles reagieren, aber bei gewissen Sachen einfach für sich selbst aufzustehen und zu sagen: „Nein, und das lasse ich jetzt nicht so stehen, dass du das jetzt hingeschrieben hast und ich kommentiere jetzt was dazu.“ Und das hat auch Wirkung lustigerweise auf alle anderen, die sich diese Beiträge dann anschauen. Und ich habe gemerkt, dass manchmal, wenn ich das dann gemacht habe, das sofort eingedämmt wurde, dass andere Leute dahergehen und etwas dazu sagen.
Und das hat mir sehr viel Empowerment wiedergegeben, das ich verloren gehabt habe durch diese Zeit.