Das Familienleben. Ich wollte immer Familie, als 20-Jährige schon. Das war für mich immer ein großer Wunsch und letztendlich habe ich auch eine Familie mit zwei Kindern. Ich habe auch andere Kollegen immer ermutigt, um zu sagen: „Ja, wir sind im Theater, aber warum sollten wir ein Familienleben nicht auch haben können?“ Man muss es einfach gut organisieren, aber das müssen Leute, die in einem anderen Beruf sind, auch. Die müssen auch arbeiten gehen.
Dieses alte Muster, dass der Mann arbeiten geht und dass die Frau hundertprozentig zu Hause ist, das ist schon lange eigentlich am Wegfließen. Ich kenne es nämlich nicht von meiner holländischen Kultur. Da wird es sehr gemeinsam gemacht. Natürlich war es ein Spagat, teilweise auch, weil wenn ich zu Hause bin und ich muss meine Konzerte vorbereiten, dann bin ich nicht im Moment mit den Kindern. Ich muss mehr Zeit einräumen, um meine Konzerte oder meine Vorstellungen vorzubereiten.
Das habe ich dann versucht, irgendwie gut in Struktur einzupacken, damit ich mich um 4 Uhr zum Beispiel hingelegt habe, also Babysitter geholt habe, 4 Uhr hingelegt, 5 Uhr gegessen, halb 6 ins Theater. Und vor 4 Uhr war ich dann mit den Kindern. Und ob ich es richtig gemacht habe, das ist für jede Mutter immer die größte Frage. Die kann ich euch erst beantworten in so sieben, acht Jahren, wo der Älteste dann 28 ist und eigentlich in 13 Jahren, weil der Jüngste ist 15 jetzt. Und ich sage immer, mit 28 sollten sie irgendwo da sein, wo sie ihr eigenes Leben gut durchstarten können und dann weiß ich, ob ich genügend mitgegeben habe an Substanz.
Ich habe mich immer beruhigt, zu sagen, ich brenne für meinen Beruf. Ich versuche immer, mich selber auch wichtig zu nehmen. Deswegen bin ich ein gutes Vorbild für meine Kinder, weil ich möchte auch, dass sie sich wichtig nehmen und ihren Weg finden. Ob sie alles bekommen haben, was sie gebraucht haben, das bleibt immer eine Schwierigkeit für ein Elternteil und das finde ich auch manchmal sehr belastend.
Da denke ich viel darüber nach und in dieser Zeit, wo man immer so viele Meinungen auf sich zuströmen lässt, muss man echt differenzieren: Okay, was lasse ich an mich herankommen, was nicht? Als erfolgreiche Frau hört man ganz oft: „Du hast sicher keine Zeit gehabt für deine Kinder.“ Das finde ich schon sehr bösartig, weil das ist überhaupt nicht wahr. Ich denke, dass ich letztendlich genauso viel Zeit gehabt habe wie eine andere Frau, die untertags gearbeitet hat oder die vielleicht zu Hause war.
Ich kann das eigentlich nicht richtig beantworten. Ich war manchmal auch sehr glücklich, um meinen Akku immer wieder aufzutanken in einem Beruf, wo ich mich sehr wohl fühle, um dann wieder mit dieser Energie in das Familienleben hineinzugehen. Das war ein schöner Ausgleich auch für mich. Ich glaube, dass es auch ganz wichtig ist, dass du als Mensch existieren bleibst, auch wenn du Familie hast.
Das Einzige, was ich wirklich schwierig finde, ist, dass unser Beruf etwas unsicher ist, dass du nie weißt, was dann die nächste Produktion ist und die nächste Produktion und die nächste Produktion. Und eigentlich braucht man einen Partner dann, der da eine Konstanz hat. Und ja, das ist, glaube ich, etwas einfacher. Ob dir das gelingt, ob mir das ... Ja, teilweise habe ich das gehabt, teilweise auch gar nicht und war alleinerziehend.
Und dann ist es natürlich ein Spagat. Ich finde trotzdem, es gehört zum Leben und es ist auch ganz ein wesentlicher Teil, in der Familie zu bleiben und auch diese Erfahrungen zu machen, weil du wächst auch an den Kindern. Ich meine, ich glaube, dass wir Eltern mehr lernen von den Kindern als sie von uns. Wir können auch die Sachen, die wir nicht kapiert haben, in unserer Kindheit vielleicht noch mal anschauen.
Und ich nehme mal das Leben so, wie es ist, so gut wie ich es kann, um alles, was ich erfahren darf, als Erfahrung zu nehmen, um meine Seele wachsen zu lassen. Und da gehört das Familienleben auch dazu. Und ob das immer einfach ist, das ist dahingestellt. Manchmal ja und manchmal nein.