Wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich von der einen Seite extrem dankbar dafür, dass ich älter bin und dass ich schon so viel Bagage habe und dass ich darauf auch zurückgreifen kann, dass ich nicht mehr auf die Bühne gehe und denke: „Schauen wir mal, was kommt.“ Das habe ich gar nicht. Ich weiß immer, dass ich ein Niveau habe und von der anderen Seite hat man selber trotzdem diesen Druck, dass man oben gewesen ist und dass man das auch noch halten sollte. Also wenn du jung bist, dann liegt die ganze Welt vor dir und dann kannst du Fehler machen und dann denkst du: „Oh ja, ist egal.
Nächste Produktion kommt wieder etwas anderes.“ Dann bist du auf deinem Höhepunkt, wo du die eine Hauptrolle nach der anderen spielst und hast sehr viel Erfolg. Das ist natürlich total fein und denkst: „Jetzt bin ich angekommen“ und dann geht das Alter weiter und dann willst du das natürlich halten. Dann kommst du in ein bestimmtes Alter, wo bestimmte Rollen natürlich nicht mehr für dich sind und du in das andere Fach wechseln solltest, was ich auch immer getan habe. Außerdem habe ich auch immer selber produziert, weil ich ja nicht abhängig sein wollte von Theatern, ob sie mich buchen oder nicht buchen. Ich war dann sehr tüchtig, auch mit eigenen Produktionen.
Ich finde, jedes Alter ist eine Herausforderung. Jedes Alter. Und für mich ist es jetzt die Herausforderung, ich bin jetzt 58, gelassen zu sein, um zu sagen: „Maya, du kannst gut singen, du bist ein Theatertier. Du hast all diese Erfahrungen. Sei dankbar, sei glücklich, sei gelassen und werde nicht unruhig, ob du gut genug bist, ob du perfekt bist.“
Ich kann mich erinnern vor zehn Jahren, ich wollte alles perfekt machen und jetzt merke ich, dass das nicht die Qualität mehr haben muss in meinem Alter, alles perfekt zu machen, um wirklich eine fantastische Vorstellung zu spielen. Ich muss viel mehr in mir selber ruhen und das ist jetzt mein Weg in diesem Alter, wo ich jetzt drinnen bin, um das zu erzeugen. Wenn ich das schaffe, dann habe ich solche unglaubliche, fantastische Abende, wo ich denke: „Wow, ich kann richtig aufblühen“, weil ich muss nicht die ganze Zeit Angst haben, ob ich gut genug bin oder ob ich perfekt bin oder ob ich alles mache oder so.
Relax. Es ist das, was es ist und sei zufrieden. Und das finde ich schon eine sehr andere Erfahrung, die ich jetzt mache in diesem Alter. Großartig, aber auch ab und zu ein bisschen gruselig, weil ich das auch nicht gewohnt bin. Ich war immer so auf Perfektion und ich muss alles gut können und jetzt muss ich einfach sagen: „Es ist alles gut, Maya. Es ist alles gut. Alles gut. Du musst ja nur tüchtig bleiben und deine Texte gut können und deine Musik gut können.
Klar, das Material musst du schon gut beherrschen. Genieße einmal, dass du jetzt reifer bist.“ Und das versuche ich zu tun und das gelingt mir meistens.