2015 war auf jeden Fall ein Jahr für mich, das sehr vieles geändert hat. Und zwar, ich habe bereits erwähnt, dass ich schon sehr früh mit der Industrie in Kontakt gekommen bin. Tatsächlich mit 14 oder so. Ich war mit 14 tatsächlich Backing Dancerin für Manuel Ortega, unter anderem beim Amadeus, in dem Jahr wo er zum Song Contest gefahren ist.
2015 war aber noch einmal so etwas, was mich sehr viel gelehrt hat, weil da war ich Teilnehmerin von der Castingshow Popstars, die man unter anderem kennt, weil die No Angels die allererste große Girlband einer Castingshow damals war und ich war in der zehnten Staffel da. Das war die Jubiläumsstaffel und ich war aber bereits 27. Ich sage immer, was ich dort erlebt habe, hat mich auf jeden Fall geschult für alles, was dann im Song Contest gekommen ist und was die gesamte Entertainmentbranche angeht.
Weil tatsächlich ist es so, dass du von außen nur die Hälfte mitkriegst von dem, was tatsächlich passiert. Und welche Ausmaße das hat, weiß man tatsächlich erst, wenn man so etwas einmal gemacht hat. Wenn du merkst, du warst dort, du weißt, was du gesagt hast, du weißt, welche Antworten du gegeben hast und dann sitzt du und schaust dir das an und die schneiden einfach das so, wie sie es einfach gerne hätten.
Und wenn du einmal merkst, wie viel Einfluss jemand, der in der Bearbeitung sitzt, noch haben kann auf das Erscheinungsbild von dir, dann kriegst du echt Respekt vor dem, was du on camera sagst. Man kriegt ein ganz anderes Gefühl für alles, was irgendwie in der Entertainmentbranche nach außen getragen wird. Weil wenn man einmal weiß, was da wahrscheinlich dahinter vielleicht steht und dass nur ein Bruchteil von dem vielleicht genauso ist, gewesen ist, wie es dargestellt wird, das ist wirklich erst einmal ein bisschen furchteinflößend, weil man merkt, wie lenkend die Medien tatsächlich sein können, indem sie einfach nur Ausschnitte zeigen und die das gesamte Bild verändern.
Ich weiß noch, ich war ja 27 und die Mädels, die mit mir dort waren, waren teilweise 16 und in meiner Arbeit als Gesangslehrerin arbeite ich genau mit Jugendlichen in dem Alter und man glaubt immer, sie sind schon sehr erwachsen oft. Die sind schon sehr weit. Man merkt, dass die Social-Media-Geschichten die Kids sehr aufklärt und sie sind auf jeden Fall schon sehr gebildet, was sehr viele Dinge angeht, aber dennoch sind sie 16 und sie können hinter gewisse Dinge noch nicht schauen oder die Folgen absehen, so gut wie jemand mit sehr viel Lebenserfahrung.
Und das war für mich wirklich unfassbar heftig, was man mit 16-jährigen Mädels manipulationstechnisch aufführen kann. Es hat mich wirklich geprägt in dem Sinne, dass ich Respekt gekriegt habe davor und dass ich gelernt habe, dass man sein Vertrauen gewählt einsetzen muss und dass nur weil jemand zu dir total nett ist, das nicht bedeutet, dass seine Absichten nett sind und dass die Leute dennoch einfach eine gute Show machen wollen und dass man, wenn man in so einem Beruf geht und wenn man sich entscheidet, irgendetwas zu machen, was eben mit Öffentlichkeitsarbeit zu tun hat, wirklich lernen muss, Sätze ohne Pausen zu machen.