balancio
Heller Übungsraum mit Gymnastikmatte, Theraband und Gymnastikball

Rücken, Nacken, Gelenke: Wer hilft wann?

25.10.2026 (aktualisiert am 25.10.2026)
balancio.at
Lesedauer: 18 min
Ratgeber
Physiotherapie
Schmerzen
Physiologie
Artikel anhören0:00 / 30:20
Der Rücken zieht seit Tagen, der Nacken ist steif oder das Knie meldet sich beim Stiegensteigen. Und du fragst dich, wer dir jetzt am besten hilft. Hier erfährst du, wann du zuerst zur Ärztin oder zum Arzt gehst, was bei Rücken-, Nacken- und Gelenkschmerzen nachweislich hilft und wie sich Physiotherapie, Osteopathie, Heilmassage und Ergotherapie unterscheiden. Außerdem liest du, wer in Österreich was darf, wie eine Physiotherapie abläuft und wie du zu einer Kostenübernahme durch die Krankenkasse kommst.

Rückenschmerzen: Wohin zuerst?

Bei neuen oder unklaren Rücken-, Nacken- oder Gelenkschmerzen ist deine Hausärztin oder dein Hausarzt die erste Anlaufstelle. Das österreichische Gesundheitsportal nennt die Hausärztin oder den Hausarzt bei unklaren Rückenschmerzen die wichtigste Ansprechperson. Sie oder er untersucht dich, plant die Behandlung und überweist bei Bedarf weiter.

Die gute Nachricht zuerst: Rückenschmerzen sind meist ungefährlich und vergehen oft nach einigen Tagen bis Wochen von selbst. Laut dem deutschen Gesundheitsinstitut IQWiG steckt bei weniger als einem von 100 Menschen, die wegen Rückenschmerzen in die Hausarztpraxis kommen, eine ernsthafte Erkrankung dahinter. Auch Nackenschmerzen sind laut Gesundheitsportal meistens harmlos und bessern sich nach wenigen Tagen oder Wochen.

Je nach Befund geht es danach zu einem Gesundheitsberuf, der mit dir übt und dich behandelt. Grob lässt sich so unterscheiden:

  • Ärztin oder Arzt: stellt die Diagnose, schließt ernste Ursachen aus und stellt die Verordnung für Therapien aus. Für Rückenschmerzen nennt das Gesundheitsportal neben der Allgemeinmedizin Fachärzt:innen für Orthopädie, für Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation, für Neurologie sowie für Innere Medizin und Rheumatologie.
  • Physiotherapie: übt mit dir Bewegung, Kraft und Beweglichkeit und leitet dich zu Übungen für zu Hause an. Das Gesundheitsportal nennt sie ausdrücklich als Gesundheitsberuf, der Menschen mit Rückenschmerzen behandelt.
  • Heilmassage: Massage zu Heilzwecken nach ärztlicher Anordnung, als Ergänzung zu Bewegung.
  • Ergotherapie: hilft, wenn Schmerzen oder eine Gelenkerkrankung alltägliche Handgriffe erschweren, etwa bei Arthrose der Finger.
  • Osteopathie: eine Behandlung mit den Händen. Sie ist in Österreich kein eigener gesetzlich geregelter Beruf, und die Krankenkasse zahlt sie in der Regel nicht.

Die Gesundheitsberatung 1450 hilft dir rund um die Uhr bei der Frage, wohin du gehen sollst. Abends, nachts, an Wochenenden und Feiertagen erreichst du den Ärztenotdienst unter 141.

Diese Warnzeichen gehören sofort ärztlich abgeklärt

Einige wenige Anzeichen sprechen dafür, dass mehr als eine Verspannung hinter den Schmerzen steckt. Dann gehst du nicht zuerst zur Physiotherapie, sondern lässt dich ärztlich untersuchen. Ob ein Warnzeichen wirklich etwas Ernstes bedeutet, lässt sich nur gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt einschätzen.

Bei Rückenschmerzen

Laut IQWiG solltest du bei folgenden Anzeichen zur Ärztin oder zum Arzt gehen:

  • Schmerzen, die bis über das Knie oder in den Fuß ausstrahlen, zusammen mit Taubheit, Kribbeln oder Muskelschwäche
  • Probleme beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang
  • Taubheit im Gesäß, im Genitalbereich oder am After
  • Fieber, Schüttelfrost oder Nachtschweiß
  • unerklärlicher Gewichtsverlust, körperliche Schwäche oder eine überstandene Krebserkrankung
  • Schmerzen nach einem Unfall oder Sturz, bei Osteoporose schon nach einem Sturz aus dem Stand oder nach ungünstigem Heben

Starke Beschwerden oder Lähmungserscheinungen im Bein gehören laut IQWiG sofort abgeklärt. Dahinter kann ein sogenanntes Kauda-Syndrom stecken, bei dem Nerven im unteren Rücken so stark gequetscht werden, dass bleibende Schäden drohen. Es ist sehr selten, muss aber schnell operiert werden. Bei Lähmungen im Bein, Taubheit im Gesäß oder neuen Problemen mit Blase oder Darm wartest du deshalb nicht bis zum nächsten Ordinationstag. Lass dich noch am selben Tag untersuchen, außerhalb der Ordinationszeiten in der Notaufnahme eines Spitals oder über den Ärztenotdienst 141. Wenn ein Bein plötzlich gelähmt ist oder du nicht mehr gehen kannst, ruf die Rettung 144.

Bei Nackenschmerzen

Das Gesundheitsportal nennt als Hinweise auf eine ernste Ursache:

  • Nackenschmerzen, die sich stark verschlimmern
  • Kribbeln, Gefühlsstörungen oder Lähmungen in Armen und Händen
  • Ausfälle von Nerven oder Bewegungen, Bewusstseinsstörungen
  • ein schlechterer Allgemeinzustand, Gewichtsverlust oder Fieber
  • eine bestehende Erkrankung wie Osteoporose, Krebs oder Rheuma
  • ein Unfall oder eine Verletzung, etwa ein Schleudertrauma

Starke und länger andauernde Nackenschmerzen solltest du laut Gesundheitsportal auf jeden Fall abklären lassen.

Bei Gelenkschmerzen

Schmerzt ein einzelnes Gelenk, sind laut MSD Manual diese Zeichen ein Grund, umgehend ärztlichen Rat zu holen:

  • plötzliche oder starke Schmerzen
  • ein gerötetes, warmes, geschwollenes oder kaum bewegliches Gelenk
  • Fieber
  • rissige, gerötete, warme oder druckempfindliche Haut um das Gelenk
  • eine Blutgerinnungsstörung oder die Einnahme von Blutverdünnern
  • ein möglicher Kontakt mit einer sexuell übertragbaren Infektion, etwa nach ungeschütztem Sex mit einer neuen Partnerin oder einem neuen Partner
  • andere Zeichen einer akuten Erkrankung

Am gefährlichsten ist laut MSD Manual eine Infektion im Gelenk, weil sie das Gelenk innerhalb weniger Stunden schädigen kann. Fehlen solche Zeichen und kennst du die Ursache, etwa einen bekannten Arthroseschmerz oder eine kleine Verletzung, kannst du laut MSD Manual bei leichten Beschwerden einige Tage abwarten.

Auch ohne Warnzeichen gilt: Wenn akute Rückenschmerzen nach etwa fünf Wochen nicht besser werden, steigt laut Gesundheitsportal das Risiko, dass sie chronisch werden. Geh dann noch einmal zu deiner Ärztin oder deinem Arzt und besprich die weitere Behandlung.

Bewegung hilft bei Rücken- und Nackenschmerzen am meisten

Bei Rückenschmerzen ohne Warnzeichen ist Bewegung die am besten untersuchte und belegte Behandlung. Auch bei Nackenschmerzen steht sie laut Gesundheitsportal an erster Stelle. Das gilt vor allem, wenn die Schmerzen länger anhalten oder immer wiederkommen.

Laut IQWiG gibt es über 200 Studien zu Bewegungstherapien bei Rückenschmerzen, mit fast 25.000 Teilnehmenden. Die meisten hatten seit mindestens drei Monaten Schmerzen. Auf einer Skala von 0 bis 100 gingen ihre Schmerzen nach den Bewegungsprogrammen im Schnitt um 15 Punkte zurück, und die Wirkung hielt längerfristig an. Ganz verschwinden müssen die Schmerzen dadurch aber nicht. Bewährt haben sich laut IQWiG:

  • Kräftigungs- und Stabilisierungsübungen für Bauch, Rücken, Hüfte und Becken
  • Pilates, Tai-Chi und Yoga
  • Regelmäßiges Gehen, zum Beispiel jeden zweiten Tag 30 bis 60 Minuten

Bei frischen Rückenschmerzen, die weniger als sechs Wochen bestehen, lassen die Beschwerden mit gezielten Übungen laut IQWiG nicht schneller nach. Trotzdem hilft es, so gut wie möglich dem Alltag nachzugehen. Das Gesundheitsportal rät bei akuten Rückenschmerzen zu leichter Aktivität wie Spaziergängen und dazu, Bettruhe und langes Sitzen zu vermeiden. Wärme kann akute Schmerzen kurzfristig lindern. Sind die akuten Schmerzen abgeklungen, ist laut IQWiG ein guter Zeitpunkt für gezieltes Training: Wer immer wieder Rückenschmerzen hat, kann die Zahl der Schmerzphasen dadurch fast halbieren.

Für Nackenschmerzen empfiehlt das Gesundheitsportal ebenfalls in erster Linie regelmäßige Bewegung und Muskelstärkung, auch während der Schmerzen. Ruhigstellen und Schonen helfen nicht. Besonders wirksam ist laut Gesundheitsportal eine Mischung aus Ausdauersport, Kräftigung der Rumpfmuskeln und Dehnübungen. Wärme, etwa eine warme Dusche, kann Schmerzen und Steifheit bessern. Bei akuten Nackenschmerzen kann Kälte helfen, wenn du ein dünnes Tuch zwischen Haut und Kühlpack legst. Mehr dazu liest du im Magazinartikel „Kältetherapie: Kühlpack, Eisbad, Kältekammer im Check“.

Zwei Menschen gehen zügig auf einem Spazierweg im Park

Was Bewegung nicht kann und was du beachten solltest

Bewegung kann vorübergehend Muskelkater auslösen oder die Schmerzen kurz verstärken. In Studien zu Yoga war das laut IQWiG bei 3 von 100 Teilnehmenden der Fall. Ohne Warnzeichen gibt es laut IQWiG aber keinen Grund, sich vor Bewegung zu fürchten. Bis das Training wirkt, dauert es möglicherweise einige Wochen.

Bei starken Schmerzen können Schmerzmittel wie Ibuprofen helfen, im Alltag aktiv zu bleiben. Laut IQWiG solltest du sie bei Rückenschmerzen höchstens zwei Wochen nehmen, das Gesundheitsportal rät, die Einnahme vorher ärztlich abzuklären. Frag deshalb in der Ordination nach, bevor du über mehrere Tage Schmerzmittel nimmst.

Röntgen, MRT oder CT sind bei Rückenschmerzen ohne Warnzeichen in den meisten Fällen nicht nötig. Weitere Untersuchungen veranlasst die Ärztin oder der Arzt laut Gesundheitsportal erst, wenn die Beschwerden nach vier bis sechs Wochen anhalten oder ein Verdacht auf eine ernste Erkrankung besteht. Bei Nackenschmerzen kann ein Röntgen laut Gesundheitsportal möglicherweise Auskunft geben, wenn die Beschwerden seit über drei Monaten bestehen.

Massage, Einrenken und Geräte: höchstens als Ergänzung

Behandlungen, bei denen du dich nur behandeln lässt, helfen bei chronischen Rückenschmerzen laut IQWiG nur kurzfristig oder gar nicht. Fachkräfte raten deshalb, sie höchstens als Ergänzung zu aktiven Übungen einzusetzen. Dazu zählen laut IQWiG:

  • Massagen: Sie scheinen Beschwerden vorübergehend etwas zu lindern, eine längere Wirkung ist nicht nachgewiesen. Ausführlich erklärt das der Magazinartikel „Massage: Was sie bewirkt und wie oft sie sinnvoll ist“.
  • Mobilisation und Manipulation der Wirbelsäule, im Alltag „Einrenken“ genannt: Es gibt nur begrenzt Studien. Ernste Komplikationen sind sehr selten, ein Risiko besteht etwa bei Osteoporose. Was bei schnellen Handgriffen an der Halswirbelsäule zu bedenken ist, erklärt der Glossarbegriff Chiropraktik.
  • Elektrotherapie wie TENS: Eine Linderung chronischer Rückenschmerzen ist nicht belegt.
  • Kinesiologisches Taping, Ultraschall, Laser- oder Magnetfeldtherapie: Ein Nutzen bei Rückenschmerzen ist nicht nachgewiesen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO kommt in ihrer Leitlinie zu chronischen Kreuzschmerzen von 2023 zu einem ähnlichen Bild. Strukturierte Bewegungsprogramme, Schulung und Beratung, Massage und Manipulation der Wirbelsäule können demnach angeboten werden, die Belege dafür sind aber wenig bis sehr wenig sicher. TENS, Streckbehandlungen, therapeutischer Ultraschall und Stützgürtel sollen nicht routinemäßig eingesetzt werden. Die WHO empfiehlt, mehrere Maßnahmen zu einem Paket zu bündeln, das zu deiner Situation passt, und mit den am wenigsten belastenden zu beginnen.

Wenn dir in Videos ein bestimmtes Übungsprogramm als Lösung gegen Rückenschmerzen versprochen wird, hilft der Magazinartikel „Liebscher & Bracht: Was steckt hinter der Methode?“ bei der Einordnung. Bei chronischen Schmerzen, die länger als drei Monate dauern, können auch Psychotherapie oder Programme mit mehreren Berufsgruppen sinnvoll sein. Mehr dazu erklärt der Glossarbegriff Chronische Schmerzen.

Arthrose und Gelenkschmerzen: Training statt Schonung

Auch bei Arthrose gehört gezieltes Training zum Wichtigsten, was du selbst tun kannst. Laut IQWiG ist Arthrose zwar nicht heilbar, die Beschwerden lassen sich aber lindern. Viele Menschen meiden Bewegung aus Angst, die Gelenke weiter zu „verschleißen“. Heute weiß man laut IQWiG, dass es den Gelenken schadet, wenn sie zu wenig bewegt werden.

Bei Kniearthrose empfiehlt das IQWiG Kräftigungs- und Beweglichkeitstraining, idealerweise zwei- bis dreimal pro Woche für etwa 45 Minuten. Wer das nicht schafft, steigert sich langsam. Schon nach einigen Wochen kann regelmäßiges Training laut IQWiG Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern. Für die Ausdauer eignen sich Sportarten, die Gelenke bewegen, aber nicht durch starke Stöße belasten, etwa Gehen, Radfahren, Schwimmen und Wassergymnastik. Von Joggen, Tennis oder Fußball rät das IQWiG bei Kniearthrose eher ab.

Leichte, vorübergehende Schmerzen beim Training sind laut IQWiG normal. Zu viel ist es, wenn:

  • der Schmerz sich auf einer Skala von 0 bis 10 stärker als 5 anfühlt,
  • er noch Stunden nach dem Training anhält oder
  • die Gelenke am Tag danach geschwollen sind.

Dann helfen weniger Wiederholungen oder leichtere Übungen. Ist ein Kniegelenk akut entzündet, also geschwollen und schmerzhaft, besprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, welche Bewegungen gerade passen.

Weitere belegte Bausteine bei Arthrose sind laut IQWiG:

  • Abnehmen bei starkem Übergewicht, vor allem bei Knie- und Hüftarthrose. Spürbar wird es ab mindestens 5 Prozent, eher ab 10 Prozent weniger Körpergewicht.
  • Ergotherapie bei Arthrose der Finger oder Handgelenke: Dort lernst du, belastende Bewegungen zu vermeiden oder gelenkschonend auszuführen.
  • Hilfsmittel wie ein Gehstock oder Greif- und Öffnungshilfen für Gläser und Flaschen.

Ein Röntgenbild sagt laut IQWiG nur begrenzt etwas über deine Beschwerden. Manche Menschen haben starke Veränderungen und kaum Schmerzen, bei anderen ist es umgekehrt. Sind deine Gelenke morgens länger als 30 Minuten steif, deutet das laut IQWiG eher auf eine rheumatische Gelenkentzündung hin. Sprich das bei deiner Ärztin oder deinem Arzt an.

Ältere Menschen machen gemeinsam Wassergymnastik in einem hellen Hallenbad

Wer darf was in Österreich? Berufe und Gesetze

In Österreich regeln eigene Gesetze, wer Krankheiten behandeln darf und wer nur das Wohlbefinden fördern darf. Für Physiotherapie, Ergotherapie, Heilmassage, gewerbliche Massage und Osteopathie gilt dabei Unterschiedliches. Krankheiten festzustellen und zu behandeln ist in Österreich vor allem Ärzt:innen vorbehalten. Andere Gesundheitsberufe behandeln im Rahmen ihres eigenen Berufsgesetzes, meist nach ärztlicher Anordnung.

  • Physiotherapeut:innen arbeiten nach dem MTD-Gesetz 2024. Ihre Tätigkeiten dürfen nur Personen ausüben, die dazu berechtigt sind. Sie behandeln nach ärztlicher Anordnung eigenverantwortlich. Ohne Anordnung dürfen sie nur vorbeugend tätig werden, etwa damit du gesund bleibst oder Beschwerden früh erkannt werden. Das ist dann eine Privatleistung. Erkennen sie, dass dein Gesundheitszustand es erfordert oder Risiken auftreten, müssen sie ärztliche Hilfe beiziehen.
  • Ergotherapeut:innen arbeiten ebenfalls nach dem MTD-Gesetz 2024, nach ärztlicher Anordnung eigenverantwortlich. Sie dürfen auch Hilfsmittel wie Schienen herstellen und anpassen.
  • Medizinische Masseur:innen und Heilmasseur:innen arbeiten nach dem Gesetz für medizinische Masseur:innen und Heilmasseur:innen (MMHmG) und massieren zu Heilzwecken, immer nach ärztlicher Anordnung. Medizinische Masseur:innen arbeiten angestellt und unter Aufsicht, etwa bei Physiotherapeut:innen. Heilmasseur:innen arbeiten eigenverantwortlich und dürfen auch freiberuflich tätig sein. Eigenmächtige Heilbehandlungen sind beiden Berufen verboten.
  • Gewerbliche Masseur:innen üben das reglementierte Gewerbe Massage aus. Laut Wirtschaftskammer arbeiten sie nicht zu therapeutischen Zwecken, ihr Ziel ist das Wohlbefinden.
  • Osteopathie ist in Österreich gesetzlich nicht geregelt, die Bezeichnung „Osteopath:in“ ist nicht geschützt. Das hält das österreichische HTA-Institut AIHTA in einem Bericht von 2022 fest. Ärzt:innen dürfen Osteopathie uneingeschränkt anwenden. Wer aus einem anderen Gesundheitsberuf kommt, etwa aus der Physiotherapie, darf sie im Rahmen des eigenen Berufsrechts nach ärztlicher Zuweisung anwenden.
  • Chiropraktische Handgriffe sind Ärzt:innen und Physiotherapeut:innen vorbehalten. Das hat das Gesundheitsministerium 2015 in einem Schreiben festgehalten, Heilmasseur:innen dürfen sie zum Beispiel nicht durchführen.

Gewerblicher Masseur vs Heilmasseur · 0:34 Min.Kurz erklärt: Worin sich gewerbliche Masseur:innen und Heilmasseur:innen unterscheiden

So prüfst du, wer dich behandelt

Weil die Bezeichnung „Osteopath:in“ nicht geschützt ist, lohnt sich ein Blick auf den Grundberuf. Auch die Österreichische Gesellschaft für Osteopathie, ein Berufsverband, weist darauf hin, dass sich derzeit Personen mit Wochenendfortbildungen oder kurzen Seminaren so nennen können.

  • Gesundheitsberuferegister: Physiotherapeut:innen und Ergotherapeut:innen müssen dort eingetragen sein. Im öffentlichen Teil siehst du Name, Berufsbezeichnung, Art der Berufsausübung und Gültigkeit der Eintragung. Bei freiberuflich Tätigen stehen auch Berufssitz und Verträge mit Krankenkassen.
  • GISA, das Gewerbeinformationssystem Austria: Dort sind alle Personen eingetragen, die in Österreich ein Gewerbe ausüben dürfen, auch gewerbliche Masseur:innen. Die Abfrage ist jederzeit möglich.
  • Heilmasseur:innen: Sie stehen nicht im Gesundheitsberuferegister. Sie haben einen Berufsausweis mit Lichtbild von der Bezirksverwaltungsbehörde, in dem auch eine freiberufliche Tätigkeit vermerkt ist. Lass ihn dir im Zweifel zeigen.
  • Nachfragen: Frag bei Osteopathie-Angeboten, ob die Person Ärztin, Arzt oder Physiotherapeut:in ist. Personen ohne Gesundheitsberuf dürfen keine Krankheiten behandeln.

Physiotherapie oder Osteopathie: Was passt wann?

Für die meisten Rücken-, Nacken- und Gelenkschmerzen ist Physiotherapie die naheliegende Wahl, weil sie auf aktive Übungen setzt und die Kasse sie mit Verordnung übernimmt. Osteopathie kommt eher als zusätzliche, selbst bezahlte Behandlung infrage. Die Studienlage dazu ist uneinheitlich.

Wann ist Physiotherapie sinnvoll? · 1:12 Min.Kurz erklärt: Wann ist Physiotherapie sinnvoll?

Was über Osteopathie bekannt ist

Bei der Osteopathie wird mit den Händen untersucht und behandelt. Was genau dahintersteckt, erklärt der Glossarbegriff Osteopathie. Zur Wirkung kommen zwei aktuelle Bewertungen zu unterschiedlichen Ergebnissen:

  • Der AIHTA-Bericht von 2022 sieht Hinweise, dass Osteopathie Nacken- und Kreuzschmerzen kurz- bis mittelfristig bessern kann. Die Studien hatten aber ein unklares bis hohes Risiko für verzerrte Ergebnisse. Nebenwirkungen meldeten nur sehr wenige Teilnehmende, etwa stärkere Schmerzen, Müdigkeit oder Schwindel.
  • Der deutsche IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes Bund bewertete Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen im Juni 2026 erneut mit „unklar“. Es gebe einzelne Hinweise auf Linderung bei chronischen Kreuzschmerzen, ihre Aussagekraft sei aber sehr gering. Ein Nutzen sei nicht nachweisbar. Nebenwirkungen seien in den Studien nur unzureichend erfasst worden.

Auch das IQWiG beschreibt die Studienergebnisse zur Osteopathie bei Rückenschmerzen als widersprüchlich. Die Vorstellung, dass alle Körperstrukturen über das Bindegewebe zusammenhängen, ist laut IQWiG wissenschaftlich nicht bewiesen.

Wann ist Osteopathie sinnvoll? · 0:52 Min.Kurz erklärt: Wann ist Osteopathie sinnvoll?

Passt das für dich?

Physiotherapie passt eher, wenn:

  • deine Schmerzen ärztlich abgeklärt sind und du lernen willst, selbst etwas dagegen zu tun,
  • die Schmerzen länger anhalten oder immer wiederkommen,
  • du nach einer Verletzung oder Operation wieder belastbar werden willst,
  • du eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse brauchst.

Osteopathie kann eine Ergänzung sein, wenn:

  • eine ernste Ursache ärztlich ausgeschlossen ist,
  • du die Kosten selbst tragen kannst und keine Heilung erwartest,
  • die behandelnde Person Ärztin, Arzt oder Physiotherapeut:in mit osteopathischer Ausbildung ist.

Besser nicht oder erst nach Rücksprache:

  • bei einem der Warnzeichen oben,
  • wenn dir jemand rät, eine ärztlich empfohlene Behandlung abzubrechen,
  • wenn eine Behandlung dich nur liegen lässt und du keine Übungen mitbekommst, obwohl die Schmerzen schon länger dauern.

Frag vor dem ersten Termin, wie viele Termine geplant sind, was sie kosten und woran du merkst, ob die Behandlung wirkt.

So läuft eine Physiotherapie ab

Eine Physiotherapie beginnt mit einem Gespräch und einer Untersuchung und endet damit, dass ihr prüft, ob die Ziele erreicht sind. Das MTD-Gesetz 2024 beschreibt diesen Ablauf als physiotherapeutischen Prozess:

  1. Anamnese und Analyse: Du erzählst von deinen Beschwerden und deiner Vorgeschichte.
  2. Befund: Die Physiotherapeutin oder der Physiotherapeut untersucht dich und stellt fest, wo das Problem liegt (physiotherapeutische Diagnose).
  3. Ziele und Plan: Ihr legt gemeinsam fest, was du erreichen willst und wie.
  4. Behandlung: Übungen, Anleitung und je nach Bedarf Behandlung mit den Händen.
  5. Überprüfung: Am Ende prüft ihr gemeinsam, ob die Ziele erreicht sind.

Physiotherapeutin führt bei einer Übung mit dem Theraband die Hand einer Frau

Wie viele Einheiten brauchst du?

Eine feste Zahl an Einheiten gibt es nicht. Laut dem österreichischen Physiotherapie-Verband Physio Austria richten sich Dauer und Zahl der Einheiten nach deinem Bedarf. Eine Einheit dauert meist 30, 45 oder 60 Minuten. In Rücksprache zwischen Physiotherapeut:in und Ärztin oder Arzt kann die Behandlung verkürzt oder verlängert werden. Ist es medizinisch nötig, kann die Ärztin oder der Arzt auch Hausbesuche verordnen.

Entscheidend ist, was du zwischen den Terminen tust. Das Gesundheitsportal betont bei Nackenschmerzen, dass du die Übungen aus der Physiotherapie regelmäßig auch zu Hause oder am Arbeitsplatz machst und nach der Besserung dabeibleibst. Bitte deshalb am Ende jeder Einheit um eine kurze schriftliche oder bebilderte Übungsanleitung.

Was ist Physiotherapie? · 0:57 Min.Kurz erklärt: Was ist Physiotherapie?

Übungen für zu Hause: worauf du achtest

Übungen aus dem Internet ersetzen keine Anleitung, wenn du unsicher bist oder Warnzeichen hast. Das IQWiG nennt für das Training bei Kniearthrose einfache Regeln, die du auch sonst beherzigen kannst:

  • Wärm dich vor Kräftigungsübungen 5 bis 10 Minuten auf, etwa durch zügiges Gehen.
  • Beginne mit leichten Übungen und steigere die Belastung langsam.
  • Vermeide ruckartige Bewegungen und stütz dich bei Übungen im Stehen an einem Stuhl oder Tisch ab.
  • Hast du andere Erkrankungen, besprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, ob etwas gegen bestimmte Bewegungen spricht.

Wer viel sitzt, tut dem Rücken laut IQWiG mit regelmäßigen Bewegungspausen Gutes: aufstehen, strecken, kurze Übungen machen, in der Mittagspause spazieren gehen. Tipps für einen rückenfreundlichen Arbeitsplatz gibt der Glossarbegriff Arbeitsplatzergonomie.

Was zahlt die Krankenkasse für Physiotherapie, Ergotherapie und Heilmassage?

Die Krankenkasse übernimmt Kosten für Physiotherapie, Ergotherapie und Heilmassage, wenn du eine ärztliche Verordnung hast. Ohne Verordnung zahlst du selbst. Wie viel du selbst zahlst, hängt davon ab, wohin du mit der Verordnung gehst. Die folgenden Wege gelten für die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK).

Schritt für Schritt bei der ÖGK

  1. Verordnung holen: Deine Ärztin oder dein Arzt stellt dir eine Verordnung (Zuweisung) aus. Für Ergotherapie nennt die ÖGK unter anderem Ärzt:innen für Allgemeinmedizin sowie Fachärzt:innen für Neurologie und für Orthopädie und orthopädische Chirurgie.
  2. Bewilligung prüfen: Für Physiotherapie, Ergotherapie und Heilmassage ist bei der ÖGK derzeit keine Bewilligung nötig. Die ÖGK schreibt „bis auf Weiteres“, prüf das also vor Therapiebeginn auf ihrer Website.
  3. Ort wählen:

  • Vertragspartner:in der ÖGK oder ÖGK-Gesundheitszentrum für Physikalische Medizin: Die Behandlung ist für dich kostenlos, abgerechnet wird direkt mit der ÖGK.
  • Wahltherapeut:in oder Wahlinstitut ohne Kassenvertrag: Du zahlst zuerst selbst. Die ÖGK erstattet dir 80 Prozent des Tarifs, den sie einer Vertragspartnerin oder einem Vertragspartner für dieselbe Leistung zahlen würde. Wahltherapeut:innen legen ihre Preise selbst fest, die Differenz zahlst du.
  • Freiberufliche Heilmasseur:in: Du zahlst zuerst selbst und bekommst einen fixen Kostenzuschuss laut Satzung, der je nach Leistung unterschiedlich hoch ist.

  1. Rechnung einreichen: Schick Verordnung, bezahlte Honorarnote und Zahlungsnachweis an die ÖGK, etwa online. Auf der Honorarnote müssen Behandlungsdaten, Dauer, Diagnose, deine persönlichen Daten mit Sozialversicherungsnummer und der Stempel der Therapeutin oder des Therapeuten stehen. Für das Einreichen gilt eine Frist, die die ÖGK auf ihrer Seite für Wahltherapeut:innen nennt.

Damit die ÖGK bei Wahltherapeut:innen erstattet, müssen diese in ihrer Liste für Wahlbehandler:innen eingetragen sein. Frag deshalb schon beim ersten Termin nach. Halte außerdem die vereinbarten Termine ein: Für versäumte Termine übernimmt die ÖGK laut ihrer Seite zur Ergotherapie keine Kosten. Die aktuellen Tarife und Listen veröffentlicht die ÖGK auf ihren Seiten zu Physiotherapie, Ergotherapie und Heilmassage.

Andere Kassen und andere Angebote

Bei der SVS und der BVAEB können andere Regeln gelten. Bei der SVS brauchst du laut ihrer Seite „Bewilligungen“ für Physiotherapie, Ergotherapie und Heilmassage eine Bewilligung. Du holst sie über das Online-Service „Verordnung zur Bewilligung einreichen“. Die BVAEB führt diese Therapien auf ihrer Seite zu bewilligungspflichtigen Leistungen nicht an, verlangt aber laut ihrer Seite zur Physiotherapie einen Behandlungsbeitrag, dessen Höhe sie dort nennt. Bei Vertragsphysiotherapeut:innen kann also je nach Kasse ein Selbstbehalt bleiben. Frag bei deiner Kasse vor der ersten Einheit nach, was für dich gilt.

Für andere Angebote gilt:

  • Osteopathie: Laut der Österreichischen Gesellschaft für Osteopathie (OEGO), zitiert im AIHTA-Bericht von 2022, übernehmen die Krankenkassen die Kosten in der Regel nicht. Manche private Zusatzversicherungen zahlen dazu, eine Teilerstattung durch eine Kasse ist nur selten und nach vorheriger Bewilligung möglich. Frag deshalb vor dem ersten Termin bei deiner Kasse nach.
  • Gewerbliche Massage: Sie dient dem Wohlbefinden und braucht keine Verordnung, deshalb zahlst du sie selbst.
  • Kurse wie Pilates oder Yoga: Frag bei deiner Krankenkasse nach, ob sie Bewegungsangebote fördert oder selbst anbietet.

Bei chronischen Rückenschmerzen, die zu langen Krankenständen führen, kann laut Gesundheitsportal eine ambulante oder stationäre Rehabilitation beantragt werden. Sprich das bei deiner Ärztin oder deinem Arzt an.

Was jetzt tun?

  • Geh mit neuen, starken oder unklaren Schmerzen zuerst zu deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt. Rund um die Uhr berät dich die Gesundheitsberatung 1450, abends, nachts, an Wochenenden und Feiertagen hilft der Ärztenotdienst 141.
  • Bei Lähmungen im Bein, Taubheit im Gesäß oder neuen Problemen mit Blase oder Darm lass dich noch am selben Tag untersuchen, bei plötzlicher Lähmung über die Rettung 144.
  • Bleib in Bewegung und lass dir eine Verordnung für Physiotherapie geben, wenn die Schmerzen länger dauern oder immer wiederkommen. Frag nach Übungen für zu Hause.
  • Prüfe vor einer Behandlung den Gesundheitsberuf im Gesundheitsberuferegister oder die Gewerbeberechtigung im GISA, bei Osteopathie den Grundberuf.
  • Kläre vor der ersten Einheit bei deiner Krankenkasse, ob du eine Bewilligung brauchst und ob deine Therapeutin oder dein Therapeut einen Kassenvertrag hat. Heb Verordnung, Honorarnote und Zahlungsnachweis auf.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Quellen